Selten noch hat ein Unterschutzstellungsverfahren für so viel Aufsehen und Widerstand gesorgt. Man könnte sagen, Landeskonservator Christian Brugger biss mit seinem Vorhaben, die Terrassenhaussiedlung als Denkmal zu adeln, auf Beton.

Der Hauptgrund: In dieser Anlage in St. Peter gibt es 528 Wohnungen – und damit Hunderte Eigentümer mit Parteienstellung im Verfahren. Im Februar hieß es, zwei Drittel davon würden sich gegen den Denkmalschutz stemmen. 309 haben dem Rechtsanwalt das Mandat übergeben, die Unterschutzstellung zu bekämpfen. Doch nach einem Wechsel an der Spitze der Interessensgemeinschaft Terrassenhaus hat sich das Blatt gewendet. Der neue IG-Präsident Wilhelm Himmel, pensionierter Hofrat der Abfallwirtschaftsabteilung des Landes, geht nun einen pragmatischen Weg.

Schon 100.000 Euro Gutachter- und Anwaltskosten

„Wir hatten bis jetzt schon Anwalts- und Gutachterkosten in der Höhe von 100.000 Euro“, zog er heuer die Reißleine. Denn die Chance, den Denkmalschutz abzuwehren, sind schlecht. Himmel geht daher den konstruktiven Weg: „Wir klären mit dem Landeskonservator ab, inwieweit wir die Siedlung auch als Denkmal weiter entwickeln können.“ Nun gibt es sogar grünes Licht für Photovoltaikanlagen.

Denkmalschutz ermöglicht leistbare Sanierung und Innovation

Brugger schätzt die neue Gesprächsbasis: „Wir haben auch zugesagt, dass das Innere der Tiefgarage nicht unter Schutz gestellt wird.“ Damit könne man diese auch für E-Mobilität mit Ladestationen nachrüsten, ist Himmel zufrieden. Auch für Sanierungen wie den Fenstertausch hat man ökonomisch erträgliche Rahmenbedingungen definiert.

Sonnenkraftwerk soll Strompreis-Explosion lindern

Priorität hat angesichts explodierender Stromkosten aber der Plan, das künftige Beton-Denkmal zum Sonnenkraftwerk auszubauen, sagt Himmel: „Wir verbrauchen im Jahr 280.000 kWh Allgemeinstrom für 24 Lifte, die Beleuchtung der Anlage und der Tiefgarage. Das kostete bisher 55.000 Euro im Jahr, könnte sich jetzt aber auf bis zu eine halbe Million Euro verteuern.“ Also will man sich autark machen und die Sonnenenergie etwa auch für die Ladestationen in den Tiefgaragen produzieren. Dafür braucht es 3000 Quadratmter Photovoltaikfläche.

Wilhelm Himmel von der IG Terrassenhaus will der Eigentümergemeinschaft den teuren Anwalt künftig ersparen
Wilhelm Himmel von der IG Terrassenhaus will der Eigentümergemeinschaft den teuren Anwalt künftig ersparen
© Hecke

Schon 2023 könnte Beton-Siedlung ein Denkmal sein

Brugger signalisiert grünes Licht: „Auf Dächern und Fassaden im oberen Bereich ist das in qualitativer Ausführung trotz Denkmalschutz machbar!“
Himmel will den Widerstand gegen das Verfahren endgültig abblasen. Dafür muss die Mehrheit der Wohnungseigentümer dem Anwalt das Mandat entziehen: „Dann beschließt die Eigentümergemeinschaft, dass jene, die ihre Vollmacht nicht zurücknehmen, die Anwaltskosten selber zahlen müssen. Das wird nicht mehr aus der Siedlungsrücklage beglichen.“ Landeskonservator Brugger ist zuversichtlich, dass die Terassenhaussiedlung noch 2023 zum schützenswerten Denkmal erklärt wird.