Herr Dornik, Sie eröffnen Ihr Buch mit einer Aufzählung: Was Graz nicht ist. Nicht Reichsstadt, keine Weltstadt, keine bischöfliche Residenzstadt, keine Festspielstadt, keine Stadt des Jugendstils. Was ist Graz denn nun?
Wolfram Dornik: Historisch gesehen ist Graz vieles, was viele Grazer selbst gar nicht so sehen. Graz ist ganz stark eine Industriestadt. Die Expansion der Stadt im 19. Jahrhundert hängt fast ausschließlich an der Industrie. Graz ist auch Wissens-, Bildungs-, Handels- und Kulturstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war man auf der Suche nach einer neuen Identität und hat gezielt auf Kultureinrichtungen gebaut und Festivals geschaffen. Der Studierenden-Anteil, den Graz hat – gut 60.000 von 300.000 Einwohnern –, sticht wirklich heraus. Und, Graz war immer und ist nach wie vor ein Tor zu Südosteuropa. Das kann man von den Kelten weg beobachten, wie Georg Tiefengraber im ersten Kapitel des Buches zeigt. Das zieht sich bis zum Kalten Krieg und heute.