Bernd Melichar

Man hat es nie leicht als 15-Jähriger, aber im Jahr 1978 hatte man es besonders schwer als 15-Jähriger. Das Gesicht war voll schiacher Wimmerl und die Welt voll böser Erwachsener. Natürlich ist das heute auch noch so, aber heute ist 40 Jahre später. Aber das ist eine andere Geschichte. Diese hier handelt davon, dass man natürlich – früher und heute – nur mit böser Musik gegen die böse Erwachsenenwelt anrennen kann. Und als dann plötzlich dieser bärtige Dandy im weißen Frack – Wilfried Scheutz hieß er – ein Lied namens „Life is a Dog-Boogie“ anstimmte, wusste ich a) hier bin ich richtig und b) ich habe es ja schon immer gesagt: Das Leben kann ein Hund sein. Die Gruppe hieß Erste Allgemeine Verunsicherung und war für mich maßgeschneidert, weil a) 15-Jährige naturgemäß spitz sind wie Nachbars Lumpi, b) 15-Jährige immer dagegen sind und ergo c) Thomas Spitzers saftigen Texte sich perfekt auf mein junges Leben reimten. Auf dem Debütalbum wurde heftig gesexelt und auf „Café Passé“, dem Nachfolger, war die EAV-Truppe heftig dagegen. Gegen das Militär, gegen die Doppelmoral, gegen den Heimatkitsch, gegen Nazis. Das waren spöttische Prachthiebe, die man selbst gerne ausgeteilt hätte; das war Anarchie, für die 15-Jährigen der Mut fehlte. Die EAV waren meine Stuntmänner, dafür ein spätes Dankeschön. Die Sänger wechselten. Auf den windigen Wilfried folgte der kernige Gert Steinbäcker, auf ihn der sardonische Walter Hammerl, der sich später das Leben nahm. Dann kam Klaus Eberhartinger und mit ihm ein geniales Front- und Trüffelschwein, das die spitzen Textpfeile auf ein breiteres Publikum abfeuerte. Bissig war die EAV auch später noch, aber nicht mehr so böse, diese Zeit war passé. Man mag es ungern zugeben, aber diese Entwicklung deckte sich ungefähr mit der Revoluzzerskala des 15-Jährigen.