Also, bei den meisten Nummern weiß man nicht: Muss man im nächsten Moment den Chiropraktiker, den Chirurgen oder am besten gleich den Pathologen rufen?
Schon im Vorjahr hatte Gravity & Other Myths mit „A Simple Space“ zu Weihnachten in Graz Jung und Alt staunen lassen. Nun machte die famose Truppe aus Adelaide den Auftakt zum erstmaligen Show-Triplepack beim Cirque Noël. Und was für einen!
„Backbone“ heißt ihr neues Stück. Ihre „Wirbelsäulen“ dürften die Artisten aber Down Under vergessen haben. Wobei – „Wirbel“, ja: Die Australier bieten zu einer poetischen bis dramatisierenden Duo-Livemusik ein scheinbar ungestümes Treiben in sekunditiös durchdachten Choreographien, eineinhalb Stunden lang wie nimmermüde Zappelphilippe auf einer Spieluhr. Und „Säulen“ auch, bis zu vier Mann/Frau hoch, als würden sie die Scheinwerfer von der Bühne des Orpheums pflücken wollen.
Die junge Compagnie macht ihrem Namen jedenfalls alle Ehre: Schwerkraft, womöglich tatsächlich nur ein Mythos. Leichtkraft, ein Naturgesetz wahrer Akrobaten. Und das sind die glorreichen Zehn.
Cirque Noël in Graz
Die Ururururenkel von Laokoon sind wieder da
Was man mit Körpern so alles anstellen kann: Die junge australische Artistentruppe Gravity & Other Myths verblüfft und verzaubert im Orpheum.
© Cirque Noël/Nikola Milatovic