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Brennpunktschulen in GrazMassive Kürzungen bei der Deutschförderung

Der Aufschrei der Direktoren vor dem Sommer verhallte ungehört: Volksschulen mit hohem Migrantenanteil verlieren massiv an Deutschförderstunden.

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© APA/HANS KLAUS TECHT
 

Resignation, Galgenhumor, Wut. Wer aktuell mit Lehrern und Direktoren an Grazer Volksschulen spricht, hört Verzweiflung. Drei Kostproben: „Diese Rechnung wird nie und nimmer aufgehen.“ – „Es werden politisch Entscheidungen getroffen, die in der Praxis nicht zu Ende gedacht sind. Und uns fällt es auf den Kopf.“ – „Mit so vielen Stunden weniger können wir die Qualität nicht aufrechterhalten.“

Der Grund für die miese Stimmung: Ausgerechnet jene Schulen mit besonders hohem Migrantenanteil verlieren massiv Ressourcen für die Deutschförderung. Einen Aufschrei der Direktoren gab es dazu schon zu Sommerbeginn. Eine Lösung wurde von der Politik vage versprochen, eingetroffen ist sie nicht, wie Zahlen zeigen, die der Kleinen Zeitung vorliegen.

Auf die ganze Steiermark umgelegt, kommen auf einen Lehrer 12,8 Schüler. Es ist keine Ressourcen-, sondern eine Verteilungsfrage.

Martin Netzer, stellvertretender Generalsekträr im Bildungsministerium

Eine Volksschule im Bezirk Lend fällt von 149 Deutschförderstunden auf 94 zurück, eine andere in Gries von 134 auf 66 Wochenstunden, wieder eine andere stürzt von 128 auf ebenfalls 66 ab. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Warum es zu solch massiven Kürzungen kommt, ist politisch umstritten. Klar ist: Der Bund hat heuer den Integrationstopf gestrichen, aus dem eine Gutzahl dieser Deutschförderstunden finanziert wurde. Und mit der Einführung der neuen Deutschförderklassen kommt es für diese Brennpunktschulen ebenfalls zu Verschlechterungen.

Die neue Deutschförderung

Mit dem Schuljahr 2018/19 wurde die Deutschförderung auf neue Beine gestellt.
Bisher bekam eine Schule pro acht Schülern mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen elf zusätzliche Wochenstunden.
Das neue System: 1.) Für die neue Deutschförderklasse (Kinder, die „ungenügend“ Deutsch sprechen) bekommt die Schule für bis zu 25 Kinder 15 zusätzliche Wochenstunden. 2.) Für neue Deutschförderkurse („mangelhafte“ Sprachkenntnis) gibt es nun pro acht Schülern sechs zusätzliche Förderstunden.

Diese Förderklassen sollten eigentlich zusätzliche Einrichtungen zu den Regelklassen sein, um mit den Kindern gezielt Deutsch lernen zu können. In mehreren Grazer Schulen gibt es aber so viele Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen, dass es gar keine Regelklasse mehr gibt, sondern nur eine Deutschförderklasse – in der dann aber Rechnen, Lesen, Schreiben und Sachkunde deutlich in den Hintergrund treten. Die Direktoren befürchten, dass deshalb viele dieser Kinder die erste Klasse wiederholen müssen.

Bund, Land und Landesschulrat sind zuständig, aber niemand will wirklich verantwortlich sein

Martin Netzer, stellvertretender Generalsekretär im Bildungsministerium, gesteht ein, dass diese Entwicklung nicht ganz den eigentlichen Zielen der Deutschförderklasse entspricht, aber legitim sei. Wie es zu diesen massiven Stundenkürzungen in Graz kommt, ist für ihn aber nicht nachvollziehbar. „Auf die ganze Steiermark umgelegt, kommen auf einen Lehrer 12,8 Schüler. Es ist keine Ressourcen-, sondern eine Verteilungsfrage“, sagt Netzer und reicht diese Frage an das Land weiter.

Bei Bildungslandesrätin Ursula Lackner (SPÖ) lässt man das so nicht gelten und betont, dass der Bund die Integrationsmittel gestrichen hat. „Das können wir nicht auffangen“, so Sprecher Michael Samec. Aus Sicht des Landes ist vor allem der Landesschulrat zuständig.

Hermann Zoller, dortiger pädagogischer Leiter, sagt: „Ja, es gibt weniger Stunden. Aber es gibt auch weniger Kinder, die eine Förderung brauchen.“ Dass es weniger Kinder mit Deutschförderbedarf gibt, stimme allgemein, nicht aber für die einzelnen Brennpunktschulen, sagen hingegen die Direktoren. „Jetzt verlieren ausgerechnet die, die es brauchen“, schüttelt eine Betroffene den Kopf.

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