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GrazSUV-Boom in Graz: Neue Parkplätze in der Stadt werden breiter

Der Boom der sportlichen Geländewagen in der Stadt hält an. Das wirft große Platz-, Umwelt- und Sicherheitsfragen auf.

Platznot: In der Stadt ist der Straßenraum ohnehin schon eng - auch ohne SUV © Markus Leodolter
 

Stadtflitzer, das war einmal. Vor knapp 15 Jahren herrschte ein Hype um den wendigen „smart“ von Mercedes. Mit dem könne man überall einparken, so klein sei er.

Wer sich heute auf den Grazer Straßen umschaut, sieht: Stadtflitzer sind kaum unterwegs, dafür sieht man immer mehr große, sportliche Geländelimousinen – kurz: SUV. Die Autos werden größer statt kleiner.

Tatsächlich herrscht gerade ein wahrer SUV-Boom: Fast jedes dritte neu angemeldete Auto in Graz war heuer ein SUV. Das zeigt eine Analyse des Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Die Experten in der Stadt beobachten das mit Skepsis. Und müssen trotzdem darauf reagieren.

Die Platzfrage: Neue Parkplätze werden breiter

Anstatt Autos so klein zu bauen, dass sie überall parken könnten, werden nun die Parkplätze vergrößert. Die Mindestbreite für Parkplätze wird von 1,80 Meter auf zwei Meter angehoben, weil die SUV sonst darüber hinaus ragen – so will es jetzt die österreichweite Richtlinie für das Straßenwesen. „Bei neuen Projekten wie in Reininghaus oder hinterm Hauptbahnhof setzen wir das schon um“, sagt Barbara Urban, interimistische Leiterin der Grazer Verkehrsplanung.

Mehr SUV in der Stadt bedeutet automatisch mehr Spritverbrauch, mehr CO2- und NOx-Ausstoß und mehr Aufwirbelung.

Werner Prutsch, Chef des Grazer Umweltamtes

In der Innenstadt werde man allerdings nichts anpassen können, sagt neben Urban auch Thomas Fischer vom Straßenamt. „Der Straßenraum ist einfach begrenzt“, sagt er, und die Nutzungskonflikte seien jetzt schon hoch. „Wir können die Infrastruktur nicht auf momentante Modeerscheinungen ausrichten.“ Wobei ihm da nicht nur die SUV, sondern auch manche E-Autos Kopfzerbrechen bereiten. Fahrzeuge von Tesla etwa sind auch größer als herkömmliche Autos.

Der SUV-Boom in Zahlen

Von Jänner bis August wurden in Graz 2704 SUV neu angemeldet, das entspricht einem Gesamtanteil von 29 Prozent.
Zum Vergleich: Im selben Zeitraum im Vorjahr waren es nur 1967 SUV und ein Anteil von 24 Prozent.
Im Gesamtjahr 2015 lag der Anteil bei 20 Prozent, im Jahr 2010 bei zehn Prozent.

Die Umweltfrage: Mehr SUV = mehr Umweltbelastung

Neben der Platz- stellt sich auch die Umweltfrage: Mehr SUV in der Stadt bedeutet „mehr Spritverbrauch, mehr CO2- und NOx-Ausstoß und mehr Aufwirbelung“, zählt Werner Prutsch vom Umweltamt auf. Eigentlich Gift für eine Stadt wie Graz, die ohnehin mit einer schlechten Luftgüte kämpft. Prutsch schüttelt ob der Menge an SUV in der Stadt den Kopf: "Das ein Förster ein ordentliches Auto braucht, ist klar. Aber warum man so ein Auto in einer Stadt braucht, kann ich nicht nachvollziehen."

Die Sicherheitsfrage: Negative Auswirkungen für andere

All dem stimmt auch Michael Cik vom Institut für Straßen- und Verkehrswesen der TU Graz zu. Und er wirft einen zusätzlichen Aspekt auf: „Negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer.“ Generell sieht der TU-Professor eine "höhere Verletzungsgefahr für Unfallgegner", also auch, wenn ein SUV in einen Unfall mit einem anderen Auto verwickelt ist. "Der Schwerpunkt des SUV ist einfach höher als bei anderen Pkw." Daraus leitet er auch eine "positive Sache für den SUV-Fahrer ab: Durch das Herabschauen auf die anderen Verkehrsteilnehmer hat er oder sie eine bessere Sicht."

Unterm Strich überwiegen aber die Sorgen. Was Cik wundert: „All diese negativen Auswirkungen sind schon lange bekannt, aber bisher wurde nicht wirklich darauf reagiert.“

SUV: Zwei Drittel sind Firmenautos

Ein letztes Detail, das der VCÖ ausgräbt: Zwei Drittel der neuen SUV wurden als Firmenauto angemeldet. Der VCÖ plädiert dafür, die Steuervorteile für Firmenautos abzuschaffen.

Kommentare (3)

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DieGrazerFamilie
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7
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Wo bleiben P&R-Parhäuser mit Straßenbahnanschluss?

SUVs sind generell aber breiter als 2m, da man ja auch die Außenspiegel zur Breite dazuzählen muss. Daher sollte man eher 2,30m oder gleich 2,50m Parkplatzbreite anstreben und dafür alle anderen zu schmalen Parkplätze zu Gunsten breiterer Gehsteige/Radwege/Fahrspuren auflassen.
Und dort wo ohnehin kaum Platz für eine (zu schmale) Parkspur ist, sollte sie besser ganz weglassen, dafür aber ausreichend Parkhäuser und Tiefgaragen in der jeweiligen Umgebung errichtet werden, mit leistbaren Parkplätzen für die Anwohner der jeweiligen Parkzone.
Generell fehlt es in Graz aber nach wie vor an großen P&R-Anlagen mit Straßenbahnanschluss an jeder Stadteinfahrt, damit es endlich für alle Attraktiv wird die Öffis zu benützen. Anders wird man die Verkehrslawine nicht in den Griff bekommen.

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Miraculix11
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Noch größer?

Parkplätze noch breiter zu machen bedeutet einfach weniger Parkplätze auf der selben Fläche. Das Gegenteil sollte der Fall sein. Man sollte Parkplätze kleiner machen damit die übergroßen Autos keinen Platz haben und dafür mehr kleinere.

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altbayer
2
7
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SUV

Die meisten SUV werden von Leuten gefahren, die einfach mehr darstellen wollen, als sie tatsächlich sind.
Es sagt schon viel aus, dass die Fahrzeughersteller SUVs mit 2-Radantrieb produzieren - für was brauche ich ein Geländeauto, wenn ich keinen Allrad habe? Für das persönliche Image des Fahrers und das Erklimmen der städtischen Gehsteigkanten reichen 2 angetrieben Räder allemal - und sind ein paar tausender billiger.

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