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KanzelkogelKampf um den gesperrten Berg

Wegen der Sprengungen des nahen Steinbruchs herrscht laut Alpenverein Gefahr in Verzug. Der Weg Nummer 4 wurde gesperrt, Wanderer üben Kritik.

Der Kanzelkogel
Der Kanzelkogel © Preis
 

Die meisten Grazer kennen diesen Berg, wohl die wenigsten waren auf seinem Gipfel. Und wer die derzeit 618 Höhenmeter des Kanzelkogels bislang noch nicht erklommen hat, wird es auch nicht mehr tun – denn der Gipfel ist durch einen Bauzaun abgesperrt. Der Grund: Der Steinbruch an der Nordseite habe die Gipfelzone erreicht, immer wieder komme es zu Sprengungen.

„Das Schlimme aber ist, dass auch immer wieder Leute über diesen Zaun kraxeln und sich in Lebensgefahr begeben“, ärgert sich Walter Strasser vom Alpenverein, Sektion Graz. Deshalb zog der Verein nun die Konsequenzen: „Aus Sicherheitsgründen müssen wir den Weg Nummer 4 vom Kanzelsattel zum Gipfelanstieg auflassen und sperren“. Es wurden Warnschilder aufgestellt, um Wanderer den aussichtslosen Aufstieg zum Gipfel zu ersparen.

Der Gipfel am Berg
Der Gipfel am Berg Foto © KK

Bei manchen Wander-Begeisterten stößt diese Maßnahme aber auf scharfe Kritik. Viktor Pölzl etwa ist nicht nur Verfasser von zahlreichen Wanderfoldern, er ist wegen des Kanzelkogels auch seit Monaten in ständigem Kontakt mit den Behörden, schickt fast täglich Mails und Briefe aus, um seiner Empörung Ausdruck zu verleihen. „Der Alpenverein steht auf der falschen Seite. Es kann doch nicht seine Ausgabe sein, von einem der schönsten Wandergebiete abzuschrecken“, poltert er. Die Sperren wegen etwaiger Sprengungen würden jeweils nur 15 bis 20 Minuten dauern, außerdem wisse er, Pölzl, von einem Waldweg auf der dem Steinbruch abgewandten Seite des Kanzelkogels bis zum Südgipfel, weit weg von den Absperrungen des Betriebsgeländes. Fazit: „Der Alpenverein gibt ohne Not die Markierung auf den Kanzelkogel auf“, denn dieser sei weiterhin ein ausgezeichneter Aussichtsberg in alle Richtungen.

Strasser gibt freilich zu, dass „nach Paragraph 33 des Forstgesetzes jedermann den Wald zu Erholungszwecken betreten und sich dort aufhalten darf. Es ist aber jedem Wanderer eine Eigenverantwortung mitgegeben, der sich in diesem Bereich aufhält, vor allem bei Sprengungen, die zu verschiedenen Zeiten durchgeführt werden“.

Die Leute kraxeln über den Zaun. Wir müssen den Weg aus Sicherheitsgründen auflassen und sperren.

Walter Strasser, Alpenverein

Der Alpenverein betreut im Naherholungsgebiet Graz rund 450 Kilometer Wanderwege, in der Steiermark, Kärnten und Salzburg sind es sogar insgesamt 1200 Kilometer. Auch Strasser hadert mit den Schwächen des „stillen Servituts“, dem Recht, das man sich nach 30 Jahren ersitzen kann. „Aber das ist ein sehr schwaches Recht. Sich am Kanzelkogel auf einen Rechtsstreit mit dem Steinbruchbesitzer einzulassen, hat meines Erachtens keinen Sinn.“

Der Kanzelkogel wird indes vermehrt zum Brennpunkt der Auseinandersetzung – und zum Schilderwald. Neben den Warntafeln befinden sich hier seit ein paar Tagen selbst gemalte Zusatztafeln. Auf diesen steht: „Wegefreiheit statt illegaler Wegsperren.“

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