Andritz überschwemmt"Es war an der Grenze zur Katastrophe"

Andritz war am Mittwochabend besonders heftig von den Regenfällen betroffen. Die Hochwasserschutzmaßnahmen haben gegriffen - aber im Bezirk fordert man weitere Schritte, um die Bewohner vor Überflutungen zu schützen.

© Obenaus
 

Im Grazer Stadtbezirk Andritz kam es am Mittwochabend zu großflächigen Überschwemmungen. Betroffen waren Gebiete um den Andritz- und Falkenbach, die teilweise über die Ufer getreten sind. Straßen standen unter Wasser, Häuser waren allerdings nur vereinzelt betroffen, wie Bezirksvorsteher Johannes Obenaus (ÖVP) betont. Wohl aber der Golfplatz.

Für Obenaus war man "knapp an der Grenze zur Katastrophe", wie er sagt. "Viel mehr hätte es nicht mehr regnen dürfen". Ansonsten wären viel mehr Privatpersonen betroffen gewesen. "Gott sei Dank haben die Hochwasserschutzmaßnahmen gegriffen", sagt er. Wenngleich es hier noch einiges zu tun gäbe: "Der Linearausbau beim Andritzbach muss dringend vorangetrieben werden", sagt der Bezirksvorsteher.

Auch die Gärten von Privathäusern verwandelten sich in einen See Foto © Obenaus

Auch die anderen Ausbau- und Renovierungsmaßnahmen, vor allem entlang der beiden betroffenen Bäche, müssten zügig umgesetzt werden, fordert Obenaus.

Investitionen in den Hochwasserschutz

Andritz war in den letzten Jahren immer besonders von den starken Regenfällen betroffen. Hier wie auch im restlichen Stadtgebiet wurden daher Millionen in den Hochwasserschutz investiert: "Gemeinsam mit dem Land haben wir in den letzten zehn Jahren 62 Millionen Euro in Schutzmaßnahmen investiert", sagte Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) erst im Mai gegenüber der Kleinen Zeitung.

Der Linearausbau beim Andritzerbach muss dringend vorangetrieben werden

Johannes Obenaus, Bezirksvorsteher Andritz

Zwölf Kilometer Rückhaltebecken und der Linearausbau - also eine Verbreiterung der Bäche - auf einer Strecke von 13,6 Kilometern haben zu einer deutlichen Entspannung geführt.

Stadt will Lücken rasch schließen

Nagl sichert zu die die offenen Lücken rasch zu schließen: Aktuell arbeitet man am Schöckl- und am Stufenbach. Kommendes Jahr folgt der Rest vom Petersbach - ein Projekt, dem, heißt es aus dem Büro des Bürgermeisters, jahrelange Verhandlungen mit Anrainern vorangegangen waren: „Das ist privatrechtlich nicht so einfach.“

Überschwemmt war auch der Parkplatz beim Golfplatz Andritz Foto © Obenaus

Die Umsetzungsschritte für 2019 seien vonseiten der Stadt jedenfalls fix und fertig geplant und budgetiert, hieß es vor wenigen Wochen. Im Rathaus betonte man jedoch, dass dafür die Beteiligung des Landes halten müsse. Zuletzt waren Gerüchte im Umlauf, wonach die für Schöckl- und Mariatrosterbach sowie die Rückhaltebecken St. Peter und Messendorfbach vorgesehenen Mittel umgeschichtet werden könnten. Nagl hofft aber, dass das Land „sicherlich am Schutz der Grazerinnen und Grazer weiter interessiert“ sein wird.

Land unterstützt die Stadt

Landesrat Hans Seitinger (ÖVP) betonte in diesem Zusammenhang zuletzt, dass mit dem Hochwasserschutzprogramm „Grazer Bäche“ die „richtigen Schritte gesetzt wurden“. Die in immer größerer Dichte auftretenden Naturkatastrophen würden das zeigen: „Wir sehen aber leider auch, dass sich der Maßnahmenbedarf täglich erhöht, zumal sich bisher harmlose Rinnsale auch zu großen Bedrohungen entwickeln können.“

Kommentare (1)

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Hochwasserschutz hin oder her -

kaum war das Rückhaltebecken in Weinitzen fertig wurden sofort Grundstücke aus dem Hochwasserschutzgebiet in Baugelände umgewidmet.
Siehe Kohlbacher Häuser nördlich vom Popelkaring - wo gerade vor 14 Tagen mit dem Bau begonnen wurde. Der Bach war gestern an der Grenze zum Übergehen.
Man kann nur hoffen, daß das nächste Hochwasser dort alles unter Wasser setzt und man den zuständigen Ortspolitiker zur Verantwortung zieht.

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