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GRAZ

Vandalismus? Wirbel um Naziopfer-Gedenksteine

Wurde „Stolperstein“ mit Säure überschüttet – oder hat einfach Streusalz den Schaden angerichtet? Polizei hat Tatort zuerst geputzt, jetzt ermittelt sie. Von Gerald Winter-Pölsler

Daniela Grabe, Obfrau des Vereins "Gedenkkultur in Graz", holte die Stolpersteine in die Stadt
Daniela Grabe, Obfrau des Vereins "Gedenkkultur in Graz", holte die Stolpersteine in die Stadt © Jürgen Fuchs
 

Wie groß muss der Hass sein, um die Opfer ein zweites Mal auslöschen zu wollen?“ fragt auf dem Nachrichtendienst Twitter das Roma-Service. Dazu ein wurde ein Foto gepostet, das einen ramponierten, völlig blauen „Stolperstein“ in der Oeverseegasse zeigt.

Mit dem Projekt „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig wird Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Die derzeit 51 Steine sind vor den letzten Wohnhäusern der Opfer in den Gehsteig eingelassen.

 

Daniela Grabe Der ramponierte Stolperstein in der Oeverseegasse - nachdem ihn die Polizei geputzt hat
Der ramponierte Stolperstein in der Oeverseegasse - nachdem ihn die Polizei geputzt hatFoto © Daniela Grabe

Daniela Grabe, Obfrau des Verein „Gedenkkultur in Graz“, ist über den ramponierten Stolperstein erschüttert. „Ich habe mit einer Anrainerin gesprochen, vor vier Tagen war der Stein noch in Ordnung – und jetzt schaut er so aus.“ Ihr Verdacht: ein Säureattentat oder ein Vandalenangriff mit einer Lauge.

 

STOLPERSTEINE

Derzeit liegen auf Grazer Gehsteigen 51 "Stolpersteine". Sie erinnern an Opfer des Nationalsozialmus. In die Oberfläche sind der jeweilige Name der Opfer und biografische Daten eingraviert. Und die Stolpersteine liegen dort, wo die Opfer zuletzt gewohnt hatten. Die Idee zu den Stolpersteinen hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig. Seit 2013 gibt es diese Naziopfer-Gedenksteine auch in Graz - wie schon zuvor in Slazbrug und rund 650 Städten in Deutschland.

Grabe hat die Polizei informiert, über deren Vorgehen zeigt sie sich aber irritiert. „Ich habe das Gefühl, dass die Polizei das nicht wirklich ernst nimmt. Die Polizisten, die sich das angeschaut haben, haben den Stein sogar geputzt – das ist vielleicht gut gemeint, aber doch seltsam.“ Vor allem vor dem Hintergrund, dass vor Kurzem in Salzburg zwei junge Männer mit rechtsradikalem Hintergrund unter anderem wegen Vandalismus gegen die dortigen Stolpersteine verurteilt wurden.

Der Leiter der Polizeiinspektion Karlauerstraße, Herbert Kohlroser, sagt: „Wir kennen den Fall, sehen derzeit kein strafbares Delikt. Aber die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen, auch über die Salzburger Fälle müssen wir uns noch kundig genau informieren.“

Eine Möglichkeit laut Polizei: Dass Streusalz und Witterung zu einer Oxidation der Messing-Oberfläche des Stolpersteins geführt hat. Für Grabe ist diese Erklärung unbefriedigend. „Der Hersteller hat mir versichert, dass der Stein nur durch Säure so beschädigt werden kann.“

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