Pedro Cabrita Reis weiß, was er nicht will: "Kunst in Restaurants." Der 51-jährige Portugiese, bei Documenta und Biennale(n) erprobter internationaler Kunststar, hält das Museum für den am besten geeigneten Ort, dem Publikum ästhetische und andere Erfahrungen zuzumuten, zu ermöglichen. Museen seien weder Gefängnisse für Kunst noch Vergnügungsparks: "Meine Werke haben keinerlei Knöpfe, auf die man drücken kann." Interaktiv seien sie natürlich trotzdem: "Im Sinne geistiger Auseinandersetzung. Ich bin da altmodisch: Dort das Werk, hier der Betrachter und dazwischen ein Abstand gegenseitigen Respekts."

Schock. Pedro Cabrita Reis hat nun für das Kunsthaus Graz "True Gardens#6" realisiert. Wie für die meisten anderen Künstler vor ihm war die erste Begehung der Blauen Blase "ein Schock". Wie bei den meisten anderen vor ihm wurde daraus "eine Herausforderung". Gelungen ist ein beeindruckender Raum mit der seit 2000 fünften Metamorphose "Wahrer Gärten" (Nummer 5 "existiert nur in meinem Kopf").

Einzigartige "Beete". 88 aus schlichten Schalungsbrettern gezimmerte "Beete", jedes in seinen Abmessungen ein Unikat, hat Cabrita Reis im Raum verteilt. Beleuchtet sind sie mit ebenso schlichten Neonröhren, außerdem abgedeckt mit Glasplatten. In diesen spiegeln sich die Leuchtstoffringe der "Nozzles", der Ausstülpungen der Kunsthaushülle. "Der Mensch kann die Natur nicht meistern", sagt der gedrungene Mann mit dem klugen Blick und der Beredsamkeit des vielseitig Gebildeten. Die Kunst könne die Natur aber transzendieren: "Aus einem Baum wird der Baum."

In der Nähe des Sakralen. Cabrita Reis, der im Gespräch immer wieder auf seinen Liebling Tintoretto verweist, rückt Kunst in die Nähe des Sakralen. Neben Raum und Licht ist Stille eine Konstante in einem Werk, dem sich jeder individuell nähern müsse: "Ästhetische Erfahrung ist ein durch und durch subjektiver Prozess."

Paradies. "True Gardens #6", reduziert und monumental zugleich, sind so gesehen ein Paradies für persönliche meditative Versenkungen. Wie sagt Pedro Cabrita Reis im Katalog im Gespräch mit Peter Pakesch: "Ich würde lieber mit geschlossenen Augen sehen."