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Graz

Metal-Forschung: "Männliche Musik" war einmal

Eine Grazer Musiksoziologin untersucht Bedeutung von Geschlechter-Bildern in Metal-Musikszene. Ihre Beobachtung: das Geschlechterverhältnis unter Musikern und Konsumenten ist ausgeglichen

© AP
 

Männerbands wie Black Sabbath, Led Zeppelin und Deep Purple standen Ende der 1970er-Jahre am Beginn der Metal-Bewegung. Die Musik, Künstler und Anhänger waren seither unter dem Verdacht, Okkultismus, Totalitarismus und Sexismus zu fördern. Heute ist die Strömung in der Musikindustrie ein wachsender Wirtschaftsfaktor - und nicht mehr eine ausschließlich männliche Domäne. Eine Grazer Musiksoziologin untersucht, welche Rolle Geschlechter-Bilder dabei spielen.

Nietenbewehrte, tätowierte, muskelprotzende langhaarige Burschen, die ein archaisches Männerbild verkörpern: Dieses Bild von Exponenten und Fans der Metal-Szene sei heute weitgehend ein Klischee, meint Susanne Sackl-Sharif, die an der Universität Graz geschlechtsspezifische Aspekte der Strömung untersucht. "Ende der 1970er-Jahre, als das entstanden ist, was wir heute Metal nennen, waren fast alle beteiligten Musiker Männer und die Musikrichtung eine von Männern für Männer", so Sackl-Sharif im Gespräch mit der APA. Mittlerweile sei es nach einer Krise Ende der 1980er-Jahre zu einer großen Ausdifferenzierung gekommen.

Metal-Szene wächst

Das Geschlechterverhältnis in Produktion und Konsumation der Musik sei mittlerweile ausgeglichen, meint die Forscherin. "Seit den 1990er-Jahren finden sich immer mehr Frauen in Metal-Bands, teils gemischtgeschlechtliche Bands, teils auch rein weibliche Gruppen", erläutert Sackl-Sharif. Dabei sei zu beobachten, dass in gemischtgeschlechtlichen Bands Frauen als Front-Sängerinnen zum Einsatz kommen. "Am seltensten spielen sie Gitarre".

Generell sei zu sehen, dass die Metal-Szene wachse und es "viele verschiedene Sub-Stile, die nicht über einen Kamm geschert werden können", gebe. "So boomt zum Beispiel gerade Mittelalter-Metal mit Dudelsack und anderen folkloristischen Instrumenten", schildert die Grazer Musikologin und Soziologin. Populär seien auch "Symphonic-Metal", das sich besonders durch pompöse Arrangements mit symphonischen Elementen auszeichnet. "Metalcore" wiederum engagiere sich politisch und propagiere u.a. vegane Ernährung.

"Durch die Vielfalt der Szene gibt es ebenso unterschiedliche Fan-Szenen, deren Mitglieder nicht unbedingt an ihrem Aussehen zu erkennen sind", so die 28-jährige Wissenschafterin. Sie hat Fans aus der steirischen Landeshauptstadt und aus Voitsberg interviewt und gebeten, über ihre Einstellungen rund um Metal zu sprechen. Tenor der meisten Interviews: "Wirklich beschreiben lässt sich Metal nicht, man muss die Musik einfach hören."

Das überraschende Ergebnis der ersten Auswertungen der Aussagen, die auf geschlechtsbezogene Vorstellungen hin untersucht wurden: Genderaspekte wurden von den befragten männlichen und weiblichen Fans kaum angesprochen. "Offenbar betrachten sie die Musik selbst als geschlechtslos", so die Forscherin. Okkultismus und Satanismus sei "nur am Rande ein Thema". Totalitarismus wurde in den Interviews aktiv abgelehnt, die Inszenierung von Aggressivität sei von den Fans vielfach als "Parodie" interpretiert worden. Wichtiger seien den Anhängern vielmehr "Rebellion und der Ausdruck von Power und Stärke - einfach kraftvolle Musik". Allen Fans gemeinsam sei die Einstellung, "nicht Mainstream sein zu wollen".

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