Hier in der Nähe des Puch-Museums will man vom Bremsen nichts wissen: Zunächst machte der frühere „Sturzplatz“ einem neuen Ressourcenpark Platz, nun bastelt man längst an einer echten Premiere für Graz – soll doch im künftigen „Energiewerk“ nicht mehr recyclingfähiger Müll verbrannt werden. Die seit drei Jahren laufenden Vorbereitungen für die in der Puchstraße (auf Höhe der Mur) geplante Anlage biegen nun in die Zielgerade.
Das Verfahren für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) „befindet sich in der finalen Phase“, bestätigt Alice Loidl, zuständige neue Vorständin bei der Holding Graz. Sie könne und wolle dem Zeugnis der Landesprüfer nicht vorgreifen, aber bei den bislang begutachteten Daten schaue es sehr gut aus – was keine Selbstverständlichkeit in einem Mammutverfahren sei, das immerhin 200 Expertinnen und Experten beschäftigte. Geben sie alle letztlich grünes Licht, „kann der Baubeschluss noch heuer erfolgen“, so Loidl.
Rechnungshof involviert
Vor diesem Startschuss im Grazer Gemeinderat schaltet sich dann auch der Rechnungshof ein. „Eine Vorhabenskontrolle wurde unsererseits ja schon durchgeführt, derzeit bereiten wir einen Durchführungsbeschluss vor“, so Hans-Georg Windhaber, Leiter dieses städtischen Kontrollamtes. Das betreffende Papier werde dann von den zuständigen Stadtregierern im Gemeinderat vorgelegt.
Das Energiewerk soll ja aus Sicht von Stadt und Holding Graz „ökologisch nachhaltige Fernwärme“ erzeugen und so nicht nur zur „Dekarbonisierung“ bei der Versorgung beitragen, sondern auch zu mehr Unabhängigkeit von Gaslieferungen. Aber nimmt man dafür eine Verschlechterung der Luftqualität und Abgase für die Puntigamer Bevölkerung in Kauf? Nein, das habe man – noch vor dem laufenden UVP-Verfahren – gleichsam als Erstes geprüft, betonte Umweltamtsleiter Werner Prutsch: „Es würden alle Grenzwerte eingehalten, man spricht von ,irrelevanten Werten‘“.
Reaktion auf Kritik
Auf die Kritik von Experten gegenüber der Kleinen Zeitung, wonach das Grazer Werk um 250 Millionen Euro „die teuerste Müllverbrennungsanlage Europas sei“ – und dennoch zu klein konzipiert –, antwortete wiederum Holding-Vorständin Loidl: Sie könne unterschiedliche „Blickwinkel“ verstehen, man müsse aber „alle Details kennen“, um die Sinnhaftigkeit dieses Projekts zu erfassen.