„Rien ne va plus“ hieß es am Eröffnungstag nicht nur am Roulette-Spieltisch: „Nichts geht mehr“ mussten die Türsteher am 20. Oktober 1984 auch zu vielen Gästen sagen, die der Eröffnung des Grazer Casinos beiwohnen wollten, denn mit mindestens 2500 Gästen platzten die Räumlichkeiten aus allen Nähten. Sie stürzten sich auf das „Gratisbuffet mit 1200 Kilo Fleisch und 400 Flaschen Sekt“, wie die Kleine Zeitung damals schrieb – und verfolgten, wie Marisa Mell, Grazer Schauspielstar, mit dem Wurf der Goldenen Kugel das Casino eröffnete. Mit dabei: Finanzminister Franz Vranitzky, Schlagersängerin Wencke Myhre, Sänger Taco, Casino-General Leo Wallner und Vranitzky-Vorgänger Herbert Salcher.

Am morgigen Donnerstag feiert das Grazer Casino nun seinen 40. Geburtstag – nach einer bewegten jüngeren Geschichte. Erst 2017 wurde das Casino um 8,5 Millionen Euro groß umgebaut und das Restaurant als Haubenlokal „Cuisino“ nach außen verlegt, kurz darauf wurde die tschechische Sazka-Gruppe zum Hauptaktionär der Casinos Austria und die lange Coronapause wurde für einen erneuten Umbau genützt, mit dem man wieder aufs Glücksspiel fokussierte: Das Restaurant ist wieder mitten im Spielgeschehen zu finden, die Kleinkunstbühne „Casineum“ sperrte nicht mehr auf. Man setzt seither wieder voll auf eine Ausrichtung auf „das klassische Stadtcasino“, wie 2022 vermeldet wurde. „Wir knüpfen wieder an die Vor-Corona-Zeit an“, sagt Manuel Haderer, der im Dezember 2022 neuer Direktor des Casinos Graz wurde: Nachdem zwischendurch Online-Spiele geboomt hatten, habe sich das Freizeitverhalten rasch wieder geändert. Heuer war das Konzernergebnis der Casinos Austria und Österreichische Lotterien Unternehmensgruppe unterm Strich um 18,4 Prozent auf 182,89 Millionen Euro gestiegen, der Bruttospielertrag kletterte auf 1,48 Milliarden Euro. Der teilstaatliche Betrieb sei damit einer der größten Steuerzahler.

Insgesamt 9,2 Millionen Gäste begrüßte man im Grazer Casino in den letzten 40 Jahren. Für den gebürtigen Niederösterreicher Haderer, davor Leiter des Casino Kleinwalsertals, ist Graz „perfekt als Casino-Standort“: „Wir sind die zweitgrößte Stadt Österreichs, haben ein großes Einzugsgebiet und viele Touristen kommen gerne her.“ Die zentrale Lage und das prächtige historische Gebäude würden dazu auch einiges beitragen. Das umsatzstärkste Casino liegt zwar in Wien, man sei österreichweit aber gut im Ranking verortet.

Gäste setzen auf Poker und Spielautomaten

Das Spielverhalten hat sich über die letzten 40 Jahre freilich stark verändert – nicht nur in Graz. Roulette und Black Jack stehen bei „Ausgehgästen“ weiterhin hoch im Kurs, aber der Trend geht zu Spielautomaten in jeglicher Form. Und: „Poker wird sehr gut angenommen, sowohl als Cash-Game als auch in Turnierform“, weiß Haderer. Neu ist die „Xperience Zone“ mit LED-Wall und Partymusik, die es bisher in nur vier Casinos österreichweit gibt.

117 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind 40 Croupieren und Croupiers und zwei Lehrlinge in der Gastronomie, sind im Grazer Casino beschäftigt, darunter auch ein Team, das im Umgang mit offensichtlich spielsüchtigen Gästen geschult ist. „Wir sprechen hier von ganz wenigen Fällen, die aber deswegen nicht weniger schützenswert sind“, betont Haderer. Im Spielerschutz würde Früherkennung an oberster Stelle stehen, weshalb man mit Gästen unmittelbar Gespräche führe, bei denen sich ein problematisches Besuchs- oder Spielverhalten abzeichne.

Warum James Bond out ist

Nicht alle würden zum Spielen ins Casino kommen, Gastro-Packages wie „Dinner & Casino“ würden gut ankommen. Das „Magische Menü“ mit Zaubereinlagen hatte man gerade wieder im Probelauf, damit soll es 2025 weitergehen. Ob man andere Angebote für nicht-spielende Gäste wie etwa das Casineum oder den Gastgarten in der Landhausgasse in Zukunft wieder aufleben lassen wolle, darüber hält sich Haderer noch bedeckt: „Noch geheim!“ Man blicke jedenfalls optimistisch in die Zukunft: „Wir freuen uns über die steigende Nachfrage und arbeiten stetig an der Weiterentwicklung.“

Übrigens: Auch, wenn es bei der glamourösen Eröffnung vor 40 Jahren noch ganz anders ausgesehen hat, mit einem Klischee möchte Haderer aufräumen: „‚James Bond‘-Dresscode braucht es keinen.“ Wichtig sei nur ein gepflegter Eindruck, der zum Casino-Flair passe.