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AusseerlandDie "Neinstimme" von Altaussee

Maria Haim war die einzige Person in Altaussee, die beim Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland mit Nein stimmte. Jetzt ist ein Buch über sie erschienen.

Die Anschlusskundgebung in Bad Aussee wenige Tage vor der Abstimmung im April 1938 © Kammerhofmuseum
 

In Altaussee hieß sie bis zuletzt einfach nur „die Neinstimme“. Ihr richtiger Name war Maria Haim, vulgo Kössler. Sie kreuzte bei der Volksabstimmung 1938, als es um die Frage ging, ob Österreich an Nazi-Deutschland angeschlossen werden sollte, als einzige im Ort Nein an. Damals war sie erst 21 Jahre alt. „Diese Frau ging mir nicht mehr aus dem Kopf, ich wollte es ganz genau wissen. Was war damals los in Altaussee? Wo nahm sie den Mut her, sich einer allgemeinen Begeisterung entgegenzustellen“, schreibt Autor Wolfgang Martin Roth, der nun ein Buch mit dem Titel „Die Neinstimme von Altaussee“ verfasst hat.

Anhand öffentlicher Quellen und auch aus Gesprächen zeichnet er die Umstände nach. In der NSDAP-Parteichronik heißt es etwa dazu: „Der 10. April ergibt eine 100-prozentige Abstimmungsbeteiligung. Eine der abgegebenen Stimmen im Hotel Berndl weist sage und schreibe ein ,Nein’ auf. Wie die Nachforschungen ergaben, wurde diese eine Neinstimme zum größten Verdruß der ganzen Gemeinde von einer schwachsinnigen Bauerndirne abgegeben, die damit in das schöne Abstimmungsergebnis einen nicht mehr gut zu machenden Schönheitsfehler brachte.“

Roth ist überzeugt: „Mit diesem Nein lag ein Stigma über Haim, das sie auch nach dem Krieg nicht loswurde.“ Ihre Motivation zum Nein dürfte auch mit ihrem Glauben zusammenhängen. „Sie war sehr katholisch, aber nicht von außen, sondern von innen“, erklärt eine Zeitzeugin. Roth meint. „Obwohl die Bischöfe damals ein Ja propagierten, hatte sie in ihrem Katholizismus eine Rückzugsposition und blieb eigenständig.“
Roth ist bei den Recherchen über Maria Haim, die heuer 100 Jahre alt geworden wäre, schnell an Grenzen gestoßen. „Die Leute reden bis heute nicht darüber“, erklärt er. So ist es ihm auch nicht gelungen, ein Bild von Haim aufzutreiben. „Ich arbeite weiter daran, vielleicht schaffe ich das ja für die zweite Auflage.“
Das Buch ist im Verlag Sonderzahl erschienen, ISBN 978-3-85449-469-0.

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Danke für Ihr Verständnis.

cleverstmk
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Schweigen ist Gold

Bis heute kann niemand sagen, wieviel Raubkunst etc im Salzbergwerk war.
Und vielleicht kann es auch sein, dass so manches - auch was NAZI Bonzen vergraben haben doch gefunden wurde. fakt ist: da haben ganz schon viele ordentlich profitiert. Da zählt ein aufrechter mensch wie Fr Haim wenig - leider bis heute.

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reschal
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8
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Das wäre ein Forschungsprojekt

Kirche und Staat sollten hier genauer nachforschen lassen. Solch mutige Menschen dürfen nicht vergessen werden.

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KarlZoech
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12
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Danke für diesen hochinteressanten Bericht

und auch für den Kommentar in der Print- bzw. E-Paper-Ausgabe.
Wenn Maria Haim schon bislang keine offizielle Ehrung erfuhr, so hat sie es verdient, dass wenigstens dieser Bericht erschien.

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