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Am Amazonas in PeruGrazer Forscher entdecken älteste fossile Muschellarven

Forscher haben die bisher ältesten Nachweise von Larven der Unionid-Muschel (Fluss- oder Teichmuschel, Anm.) entdeckt. Die Fossilien werden auf ein Alter von rund 13 Millionen Jahre geschätzt. Gefunden wurden sie im Rahmen einer internationalen Kooperation des steirischen Universalmuseum Joanneum und der Universität Graz im Amazonasgebiet von Peru, wie das Universalmuseum am Montag mitteilte.

Geologische Geländearbeit am Amazonas bei Porvenir © W. E. Piller
 

Die steirischen Paläontologen waren rund sechs Wochen im peruanischen Amazonasgebiet unterwegs. Sie erforschen eigentlich die Evolutionsbiologie des Pannonischen Sees, der vor elf bis fünf Millionen Jahren vor unserer Zeitrechnung zwischen Alpen und Karpaten existierte. Dazu haben sie sich auch nach Peru aufgemacht, um dort die Entwicklung eines ähnlich alten Sees zu vergleichen, schilderte der Leiter des Projektes Martin Gross von der Sammlung Geologie und Paläontologie des Universalmuseums Joanneum auf Anfrage der APA.

Die Forscher entnahmen an zahlreichen Orten Gesteinsproben, deren Alter und Entstehungsbedingungen erforscht werden sollten. Nahe des Amazonas und etwa 55 Kilometer südlich des von Iquitos gelegenen Dorfes Porvenir fanden sie tonige und sandige Gesteine. Sie beinhalteten zum Teil massenhaft fossile Schnecken und Muscheln. Nachdem sie die Gesteinsproben im Labor auflösten und den Rückstand unter dem Mikroskop analysierten, erkannten sie sehr kleine kalkige Schalen, die sie als Larven der Süßwassermuscheln (Unioniden) identifizierten.

Das Alter dieser gerade einmal 0,3 Millimeter großen Glochidien wurde auf rund 13 Millionen Jahre datiert. "Der Fund ist von großer biologischer Bedeutung, weil diese fossilen Larven - sogenannte Glochidien - bisher eigentlich unbekannt sind. Nur durch diese speziellen Larvenstadien konnten sich Süßwassermuscheln weltweit verbreiten, sind aber auch gerade deswegen heute stark gefährdet", betonte Gross.

Unioniden sind bekannt als "Süßwassermuscheln" und in Seen, Flüssen und sogar in heimischen Gartenteichen zu finden. Diese Gruppe von Muscheln gibt es seit über 220 Millionen Jahren. Sie zeichnen sich durch eine spezielle Art der Fortpflanzung aus: Die befruchteten Eier wachsen in den Kiemen der Muttermuscheln zu Larven heran. Diese hängen sich dann als Parasiten an Fischen fest und reifen dort zu jungen Muscheln.

Es wird angenommen, dass sich diese Art der Fortpflanzung schon vor Hunderten von Millionen Jahren entwickelt hat, dennoch gibt es nur wenige Fossilfunde von Larven, die außerdem bisher kaum wissenschaftlich beschrieben worden sind. Diese winzigen, nur schwach verkalkten Glochidien sind sehr anfällig, im Zuge der Fossilisation durch Zerbrechen oder Auflösung zerstört zu werden. Die bisher ältesten belegten Nachweise wurden deswegen lediglich in sehr jungen Gesteinen gefunden und sind "nur" etwa 120.000 Jahre alt. "Ich glaube, dass sie schon viele Forscher gesehen, aber nicht als solche erkannt haben. Ich hoffe, dass jetzt mehr Forscher darauf schauen", sagte Gross. Die vorliegenden Funde hat die Grazer Gruppe vor kurzem im "Journal of Systematic Paleontology" veröffentlicht.

Der Fund werfe laut Gross ein neues Licht auf die Evolution dieser Weichtiere, die wichtiger Bestandteil von Süßwasser-Ökosystemen sind. Sie verbessern die Wasserqualität und die Sauerstoffversorgung am Gewässerboden und sind durch Speicherung und Aufbereitung von Nährstoffen wichtiger Teil der Nahrungskette.

Interessanterweise fehlen den fossilen Amazonas-Glochidien die "Haken" am Schalenrand, mit denen sie sich an den Fischen einhaken und die eindeutig eine parasitische Lebensweise belegen würden. Einige heute lebende Arten von Diplodon (eine südamerikanische Süßwassermuschelgattung, Anm.) sind ebenfalls "hakenlos" und parasitieren nicht an Fischen. Bisher betrachtete man den Verlust der Haken als eine spezielle, sekundäre Anpassung. Die nun vorliegenden Fossilfunde könnten aber auch darauf hinweisen, dass die Haken eine sehr junge evolutionäre Entwicklung sind und damit - möglicherweise - auch das Parasitieren an und die Verbreitung der Unioniden mit Fischen.

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