Wie prognostiziert, entwickelten sich die süd-weststeirischen Berge seit Wochenbeginn zum Neuschnee-Hauptquartier. Bis zu 110 Zentimeter Schnee kamen auf der Weinebene hinzu, bis zu 60 Zentimeter auf der Pack (ja selbst 24 Zentimeter am Grazer Schöckl). Für Probleme sorgte das nicht nur auf vielen Passstraßen, sondern vor allem beim Stromnetz.

4000 weststeirische Haushalte waren zwischenzeitlich ohne Strom. "Wir haben die Anzahl unserer Monteure vervierfacht, weil es oft Schwerstarbeit ist, im meterhohen Schnee überhaupt zu den beschädigten Stromleitungen zu gelangen", schildert Urs Harnik-Lauris, Sprecher der Energie Steiermark.

Noch 200 Haushalte ohne Strom

Mittwochnachmittag waren noch rund 200 Haushalte ohne Strom (Dienstagfrüh waren bis zu 250 Trafo-Stationen ausgefallen). Bei der Energie Steiermark geht man davon aus, bis "zum Abend fast überall wieder eine Stromversorgung zu gewährleisten". 

Trafo-Stationen fielen aus

Am Dienstag war es hingegen noch ein Auf und Ab: Kaum hatte man wieder ein paar Hundert Haushalte am Netz, fielen anderswo wieder Trafo-Stationen aus, weil der Schnee immer schwerer wurde.
Ebenso mühsam: "Weil Wege oft so zugeschneit sind, kommen wir mit den Notstromaggregaten nicht oder nur schwer zu abgelegenen Häusern."

Verkehrslage entspannt sich

Am Mittwoch gingen die Aufräumarbeiten intensiv weiter. Zwischen Stampf und Modriach war die Landestraße wegen umgestürzter Bäume gesperrt, erst am Nachmittag kam die Freigabe. Auch der Straßenerhaltungsdienst des Landes (STED) konnte erst am Mittwoch sinngemäß durchatmen. Am Dienstag waren noch 680 Tonnen Salz zu streuen und 15.000 Pflug-Kilometer zu fahren, berichtet man beim STED.

Erst am Mittwoch wurde bekannt: Am Dienstag kam ein Autofahrer von der B 70 ab, stürzte im Pkw 50 Meter einen steile Böschung herunter. Der Mann konnte erst nach knapp 20 (!) Stunden Hilfe holen. "Wir hätten ihn vermutlich nicht gefunden, wenn er sich nicht befreit hätte", so FF-Kommandant Murgg.

"Wasser-Einsätze kommen zeitverzögert"

Höchst gefordert sind seit Montagfrüh die Feuerwehren der Bezirke Leibnitz, Deutschlandsberg, Voitsberg und Murtal. Die wurden laut Feuerwehrsprecher Thomas Meier in den letzten zwei Tagen zu rund 350 wetterbedingten Einsätzen gerufen. Neben Schneebruch-Aufarbeitung und Unfallhilfe (in Neumarkt kam 21-Jährige mit ihrem Pkw am Dach zum Liegen, etliche Autos und Lkw galt es abzuschleppen) sorgen aber auch Überschwemmungen für Einsätze, Keller wurden im Südwesten überflutet. In Deutschlandsberg hat es 56 Liter pro Quadratmeter geregnet. "Die Wasser-Einsätze kommen zeitverzögert, zum Teil steigen die Flusspegel ja noch an", so Meier.

Unfall vor der Autobahnabfahrt Vogau
© Ff Kaindorf/Sulm

Die gute Nachricht: Mit Schnee und Regen ist es im Südwesten jetzt vorbei. Es wird kühler. Die nächste Schneefront am Wochenende trifft eher den Norden der Steiermark.

Erhebliche Lawinengefahr

Auf den Bergen, vor allem im Murtal und der Südweststeiermark, herrscht am Mittwoch erhebliche Lawinengefahr – das ist die Stufe 3 von 5, bei der laut Lawinenwarndienst und Bergrettern die meisten Vorfälle passieren. Vor allem Ski-Tourengeher sind zu allerhöchster Vorsicht aufgerufen. Vor allem der Triebschnee kann schnell Lawinenabgänge auslösen. Alle aktuellen Lawinen-Infos hat der Lawinenwarndienst Steiermark.

© lawinenwarndienst steiermark

 

Hochbetrieb im Packabschnitt der A2

Als hätte er es geahnt: "Den Schnee auf den Straßen haben wir im Griff. Haarig wird’s, wenn der Strom ausfällt", sagte Markus Bratschko, für den Packabschnitt (A2) zuständiger Autobahnmeister in Unterwald schon am Montag – seinen Blick auf die Bäume neben Stromleitungen gerichtet, die sich unter der schweren Schneelast bogen.

Das Video: Mit dem Räumfahrzeug über die Pack

Wenige Stunden und zig Zentimeter Neuschnee später trat ein, wofür man sich in höchster Eile am Wochenende vorbereitet hat: Der Strom war weg, die auf bis zu 1100 Meter Seehöhe liegenden Autobahntunnel mussten auf Betrieb mit Notstromaggregat umgeschaltet werden. Das Gerät ist vorsorglich am Sonntag angeliefert worden. Für die Autofahrer hieß dies am Dienstag bis zum späten Nachmittag: Blockabfertigung.

"Wenn die Stromversorgung eines Tunnels ausfällt, kann man gewisse Funktionen mit Notstromaggregaten garantieren, aber bei Weitem nicht alle, zum Beispiel die Lüftung", erklärt Asfinag-Sprecher Walter Mocnik. Nachsatz: "Unsere Mitarbeiter und die lokalen Einsatzkräfte waren rund um die Uhr auf den Straßen, um den Verkehr zu regeln."

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