Hand aufs Herz: Die jahrelangen Bemühungen, den Jugendschutz in Österreich zu vereinheitlichen – und Gesetze über alle Bundesländer anzugleichen – sind nicht gelungen. Wenn überhaupt gibt es einen Minimal-Konsens – seit 2017 vor allem bei den Ausgehzeiten und ab 2019 eingeschränkt bei den Konsumationsregeln von Alkohol. So sind Bier, Wein und Co. unter 16 überall untersagt. Mit Ausnahme im nicht-öffentlichen Bereich in Wien, Niederösterreich, Tirol und dem Burgenland.

Allgemein werden in den neun abweichenden Werken viele Bereiche abgedeckt – darunter die Möglichkeit zu reisen, zum Autostoppen, für Glücksspiele oder Altersvorgaben für Kinofilme. So weit, so ungleich. Wirklich verwirrend wird es aber bei der Einstufung zu "jugendgefährdeten Medien", wo die Unterscheidung zwischen sexuellen Handlungen, der Missachtung der Menschenwürde und Pornografie nicht bundesweit einheitlich ist. Das ist in Zeiten einer permanent verfügbaren Internetverbindung auf Mobiltelefonen und Tablets nicht nur ein veralteter Zugang, sondern auch grob fahrlässig.

So geht das Steiermärkische Jugendgesetz auf diese "jugendgefährdeten Medien" erst in Paragraf 20 von insgesamt 33 ein. Ohne die Worte "Internet", "Handy" oder "Smartphone" auch nur ein einziges Mal zu nennen. Das zeigt: Es bedarf eines dringenden Blicks auf die Rechtslage – nicht um die jungen Steirer (weiter) einzuschränken, sondern deren aktuelle Lebenswelt abzubilden. Ansonsten erfüllt das Land Steiermark Paragraf 1, Absatz 1, Zeile 2 des eigenen Regelwerks nicht. Nämlich "Kinder und Jugendliche vor Gefahren und Einflüssen zu schützen, die sich nachteilig auf ihre körperliche, geistige, seelische, sittliche, ethische, charakterliche und/oder soziale Entwicklung auswirken".