Stockdunkel ist es auf der einspurigen Straße, links und rechts stehen Einfamilienhäuser, keine einzige Laterne brennt. Deswegen kommt Christa (76) mit einer großen Kerze in den Händen. Seit 52 Jahren lebt sie in Hausmannstätten. Ihr Ziel ist der helle kleine Wiesenfleck vor dem Marterl, den man von Weitem sieht. Ein grell leuchtender Akkustrahler sorgt dafür.

Drei Stunden und 43 Minuten ist es her, seit in der Gemeinde das Licht ausgegangen ist – Blackout sozusagen. Aber nur theoretisch. "Wir üben, um gerüstet zu sein", sagt Bürgermeister Werner Kirchsteiger. Von Freitag, 15 Uhr, bis Samstag, 15 Uhr, ist ein Einsatzstab unter seiner Leitung von einem steiermarkweiten Stromausfall ausgegangen, der länger als 48 Stunden dauern wird. Das Gemeindezentrum – also Gemeindeamt, Polizei, Rotes Kreuz und Kinderkrippe – und das Feuerwehrhaus hat man vom Netz genommen. Und gleich wieder mit zwei Notstromaggregaten versorgt. Einzelne Straßenbeleuchtungen blieben Freitagnacht aber ausgeknipst.

Gemeinde kann nicht für alles sorgen

Wie in der Judendorfstraße, wo Christa wohnt. Der kleine helle Wiesenfleck, auf den sie zusteuert, ist einer von sechs Informationspunkten, den die Gemeinde für ihre 3700 Bewohner aufgebaut hat. "Ich bin hierhergekommen, um zu erfahren, was ich machen müsste", sagt die Steirerin. "Es ist gut zu wissen, dass sich jemand kümmert." Mit ihr haben sich eine Handvoll Leute versammelt. "Im Sommer wär ich zumindest mit meinem Gemüsegarten versorgt", scherzt Maria (80). Heinz (66) und seine Frau Sigrid (64) überlegen laut, sich ein Notstromaggregat für zu Hause zuzulegen.

Spätestens seit der Energiekrise geistert das Thema Blackout in mehr und mehr Köpfen herum. Die Übung in Hausmannstätten soll keine Panik auslösen, im Gegenteil: "Wir wollen beruhigen. Die Bevölkerung soll sehen, wir sind vorbereitet", sagt Bürgermeister Kirchsteiger, fügt aber gleich hinzu: "Dinge wie Essen oder Medikamente können wir nicht bieten, da wollen wir die Leute an den Infopunkten darauf aufmerksam machen, was sie selbst tun können." Über die Gespräche bekommt der Einsatzstab im Rahmen der Übung aber auch mit, ob oder wo die Bewohner Hilfe brauchen – so wie das eben auch im Ernstfall funktionieren würde.

Wohin sollen die 600 Schulkinder?

Die Infos trägt man im Gemeindezentrum zusammen. Dort surrt und knattert das Notstromaggregat. Für 60.000 Euro hat man es im Frühjahr angeschafft, dazu 3000 Liter Diesel. Geschäftiges Treiben herrscht im Raum des Einsatzstabs, To-do-Listen und Karten hängen an den Wänden, im Hintergrund ist eine Stimme aus einem der Funkgeräte zu hören. 100 Leute von der Feuerwehr über die Polizei, die Bezirkshauptmannschaft und das Militärkommando bis hin zum Wasserverband nehmen an der Übung teil. In sechs Stabsstellen aufgeteilt, hat man die Infopunkte eingerichtet und spielt Szenarien durch. Sollte zum Beispiel der Strom ausfallen, während die 600 Schulkinder Unterricht haben, sollen die, die nicht abgeholt werden können, ins Gemeindezentrum gebracht werden.

Ob sich eine Gemeinde ein Stromaggregat holt oder nicht, ist ihre Sache, erklärt Harald Eitner vom Katastrophenschutz des Landes. Gemeinsam mit dem Zivilschutzverband habe man die Gemeinden aber zu solchen Maßnahmen aufgerufen, viele seien dem schon gefolgt. "Ein Blackout ist etwas, das wir nicht kennen, das wir nur errechnen können", deswegen seien Übungen wichtig, sagt Eitner. Auch wenn der Experte eher ein Strommangel-Szenario für wahrscheinlicher hält. Da müsste man den Strom dann lenken, also gezielt abschalten. Das Land arbeitet an Plänen dazu.

Infobroschüre auf Gemeinde zugeschnitten

In Hausmannstätten ging die Übung "sehr gut" zu Ende, sagt Vizebürgermeister Patrick Dorner. Mit dem vollgetankten Stromaggregat (300 Liter) kommt man im Gemeindezentrum länger durch als gedacht, nämlich vier Tage, hat man errechnet. Aber auch auf Dinge, die man verbessern kann, ist man draufgekommen: "Der Antennenstandort für die Funkgeräte wird aufs Dach verlegt, so sind wir besser erreichbar", sagt Dorner. Die Übung werde noch ausführlich evaluiert, am Ende soll eine auf die Gemeinde zugeschnittene Infobroschüre zu Blackouts herauskommen.

Video: "Blackout - Was man wirklich braucht, wenn plötzlich der Strom ausfällt"