Nichts ist so unvorhersehbar wie die Zukunft, heißt es. Und dennoch ist es mehr als ein Blick in die Glaskugel, den die steirische Landesstatistik mit ihrer aktuellen Publikation wagt. Wichtigste Kennzahl dabei: 2048. In diesem Jahr soll unser Bundesland nämlich den Höchststand bei der Bevölkerungszahl erreichen. 26 Jahre geht es laut der Prognose also noch kontinuierlich bergauf, ehe 1.275.639 Einwohnerinnen und Einwohner erreicht werden sollen. Vor allem der steirische Zentralraum wird ein starkes Plus verzeichnen können, wohingegen die peripheren Regionen an Bevölkerung verlieren werden. Den größten Anstieg wird der Bezirk Graz-Umgebung mit einem Zuwachs von 16,1 Prozent verzeichnen. Im Gegensatz dazu betrifft das größte Minus den Bezirk Murau (minus 16,3 Prozent).

Wie aber kommt man genau auf diese Aussichten? „Es fließen Annahmen in die Modelle ein, die für uns als Experten am wahrscheinlichsten sind“, erläutert Martin Mayer, Leiter des Referats Statistik und Geoinformation. So können etwa die Geburten- und Sterbezahlen auf die nächsten Jahre hin als relativ gesichert herangezogen werden, „diese ändern sich nicht dramatisch“. Auf der anderen Seite gibt es natürlich Unsicherheitsfaktoren beim Zuwachs: „Die Zuwanderung ist auf die lange Dauer schwer kalkulierbar, weil sehr volatil“, sagt Mayer. Man denke nur an nie vorhersehbare Flüchtlingskrisen. „Der Ukraine-Krieg oder das Jahr 2015, das sind dann Extreme, die wir aber herausrechnen müssen.“ Eine Sonderstellung zwecks schwerer Kalkulierbarkeit habe zudem die Landeshauptstadt: „Graz ist das für die Steiermark, was Wien für Österreich ist, nämlich von solchen internationalen Ereignissen immer am meisten betroffen.“

Zurück zu den Ausblicken: Seit 1997 verzeichnet die Steiermark eine negative Geburtenbilanz. Dieser Trend wird sich bis zum Jahr 2050 verstärken. Bis 2047 soll laut der Landesstatistik ein positiver Wanderungssaldo diese negative Geburtenbilanz jedoch noch übersteigen können. Nach 2048 dürfte es dann zu einem leichten Bevölkerungsrückgang kommen. Dies betrifft vor allem den ländlichen Raum, wo die Abnahme bereits früher einsetzt. So wurde errechnet, dass es bis 2040 in diesen Regionen zu einem Rückgang um minus 4,8 Prozent kommt. „Bei kleineren Gemeinden werden sogar Rückgänge von minus 11,6 Prozent bis 2040 prognostiziert.“

Spannend in Bezug auf Alterung sind Unterschiede zwischen Bezirken: Die Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte schreitet fort. Bezirke wie Leoben oder Bruck-Mürzzuschlag hatten aber bereits größere Rückgänge: „Das dämmt sich ein“, so Mayer, „Die Alterung hat da bereits zugeschlagen, steigt dort deshalb nicht mehr so stark an wie anderswo.“ Bei jetzt noch „jüngeren“ Bezirken (Leibnitz, Weiz, Graz-Umgebung) folgt diese Entwicklung noch.

Einhergehend mit der negativen Geburtenbilanz wird sich der Anteil der Kinder und Jugendlichen (unter 20 Jahre) weiter verringern. Betrug 2021 der Anteil noch 18 Prozent, so wird dieser bis 2050 auf 16,6 Prozent sinken. Steigen wird hingegen die Zahl der ab 65-Jährigen von 20,7 Prozent im Jahr 2021 auf 30,1 Prozent im Jahr 2050. Das bedeutet gleichzeitig, dass fast jeder Dritte dann im Pensionsalter sein wird. In der Altersgruppe der Personen ab 85 Jahren wird sich die Zahl von rund 35.800 im Jahr 2021 auf über 88.000 im Jahr 2050 weit mehr als verdoppeln.

Parallel dazu steigt die Lebenserwartung im Land: Betrug sie im Jahr 2021 bei Männern 79,3 Jahre und bei Frauen 84,2 Jahre, so soll sie sich laut Prognose 2050 auf 85,3 Jahre bei Männern und 89,2 Jahre bei Frauen erhöhen.