Es klingt technisch, ist aber nichts weniger als die heimische Landwirtschaft in Zahlen gegossen: Alle zehn Jahre ist die Statistik Austria von der EU aufgefordert, über die "Agrarstrukturerhebung" festzustellen, wie sich die Zahl der Bauernhöfe und ihrer Produktionsweisen im Zahnjahresschnitt verändert hat.

Jeder 9. Betrieb hat aufgehört

Kurz zusammengefasst: Zwischen 2010 und 2020 hat wieder jeder neunte Bauernhof aufgehört, dafür wurden die verbliebenen größer. Das Höfesterben hat sich aber zuletzt etwas eingebremst.

Die wichtigsten Ergebnisse im Detail

  • 2020 gab es in Österreich 154.953 land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Das sind um 11 Prozent weniger als 2010. 
  • Zwischen 2000 und 2010 sowie in der Dekade davor hörten jeweils rund 20 Prozent der Betriebe auf.
  • Demzufolge sieht Agrarminister Norbert Totschnig "deutliche Anzeichen", dass das mit dem Strukturwandel verbundene Höfesterben "stark eingebremst werden konnte".
  • In der Steiermark ging die Zahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe um 14,7 Prozent zurück (auf 33.605) – in Kärnten blieb die Anzahl annähernd gleich (18.228).

Weniger kleine, mehr große Betriebe

  • Die bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche pro Bauernhof stieg um 26 Prozent auf nunmehr 23,6 Hektar pro Betrieb.
  • Während Höfe zwischen 10 und 30 Hektar die stärksten Rückgänge aufwiesen (rund 35 Prozent), gab es bei Höfen über 50 Hektar (plus 31 Prozent) das stärkste Wachstum.

Weniger Personal, mehr Bio

  • 2020 waren in diesen Betrieben 420.018 Personen beschäftigt – zum Vergleich: In den 1950er-Jahren waren es noch 1,6 Millionen.
  • Ein starkes Plus gab es bei Bio-Landwirtschaft: 24.809 Betriebe oder 22,4 Prozent wirtschafteten 2020 nach biologischen Richtlinien. 2010 waren es 15,1 Prozent.
  • Der Anteil an frauengeführten Betrieben blieb mit 35 Prozent ebenso nahezu konstant wie der Anteil der Vollerwerbsbetriebe mit 36 Prozent.
  • 93 Prozent der Betriebe in Österreich sind noch immer Familienbetriebe. Auch Statsitik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas sagt: "Familien sind und blieben das Rückgrat der heimischen Landwirtschaft."

Klein, im Vergleich zu anderen Ländern

Unsere Land- und Forstbetriebe sind laut Totschnig nach wie vor klein strukturiert, auch wenn der Trend zu leicht größeren Betrieben anhält. Die durchschnittlich landwirtschaftlich genutzte Fläche von hierzulande 23,6 Hektar sei noch immer klein im Vergleich zu Deutschland (63 Hektar), Dänemark (75 Hektar) oder USA (180 Hektar).

Auch die heimische Tierhaltung ist im internationalen Vergleich klein strukturiert. Im Schnitt werden 34 Rinder oder 112 Schweine pro Betrieb verzeichnet. Auch hier ein Vergleich: Deutschland 85 Rinder, 1300 Schweine. Niederlande: 3400 Schweine pro Betrieb.

Weniger Schweine, mehr Geflügel

Auch innerhalb der Tierarten hat sich seit 2010 viel verändert. So sank der Schweinebestand (2,78 Millionen) in Österreich binnen zehn Jahren um 14,3 Prozent, der Rinderbestand (1,85 Millionen) um 8,6 Prozent. Indes stieg der Geflügelbestand um 36,5 Prozent auf 19 Millionen – was den geänderten Gewohnheiten der Konsumenten entspricht>>Mehr dazu in dieser Studie<<

Sechs Prozent weniger Nutzfläche

Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Versorgungssicherheit hin. Zumal in den letzten 10 Jahren auch die land- und forstwirtschaftliche Nutzfläche um 6 Prozent abgenommen habe. "Die Agrarstrukturerhebung führt uns klar vor Augen, wie wichtig es ist, unsere Wiesen, Wälder und Äcker vor der weiteren Verbauung zu schützen."

Statistik-Austria-Boss Tobias Thomas und Agrarminister Norbert Totschnig bei der Präsentation der Agrarstrukturerhebung
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