Steirer des TagesKostenlose Nachhilfe für die, die es sich nicht leisten können

Vier Steirer sorgen dafür, dass sozial benachteiligte Schüler kostenlose Nachhilfe bekommen.

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Michael Kvas, Gottfried Reyer und die Geschwister Qendresa und Qendrim Shabani © Stockhammer
 

"Wir wissen, wie das ist, wenn keiner helfen kann", erzählen Qendresa (27) und Qendrim Shabani (29). Sie organisieren im Rahmen des Projekts "P3" kostenlose Nachhilfe in Graz für alle Schüler im Alter von zehn bis 14 Jahren – insbesondere für jene aus sozial benachteiligten Familien.

"Sehe mich oft in den Kindern wieder"

Die beiden Geschwister können sich gut in die Lage ihrer Schützlinge hineinversetzen: 1992 sind die beiden mit ihren Eltern aus dem Kosovo nach Österreich gekommen. "Ich sehe mich oft in den Kindern wieder. Bildung war unseren Eltern immer wichtig, aber sie haben uns nie wirklich unterstützen können", so Qendrim Shabani.

In Kleingruppen und an verschiedenen Grazer Standorten erhalten die Kinder Unterstützung von ehrenamtlichen Nachhilfelehrerinnen und -lehrern – darunter etwa Lehramtsstudierende – in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch. Einmal die Woche und für zweieinhalb Stunden findet die Nachhilfe statt.

Zum Projekt

Seit 2017 bietet der Verein "bit social" kostenlose Nachhilfe für Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren an. An mehreren Standorten in Graz wird in Mathematik, Deutsch und Englisch gefördert. Ab Herbst sollen auch Online-Tools unterstützen. Finanziert wird das Projekt durch Spenden und Förderungen der Stadt Graz.

Nachhilfe-Projekt in ihrer Freizeit

"Vor allem in Coronazeiten ist das Aufholen von Stoff noch wichtiger geworden", sagt Qendresa Shabani, die im Gymnasium in Gleisdorf unterrichtet. Ihr Bruder ist Lehrer an der Mittelschule Kalsdorf. Das Nachhilfe-Projekt machen die beiden in ihrer Freizeit. Das Ziel ist es, den Jungen nicht nur etwas beizubringen und sie zu motivieren, sondern auch Vorbild zu sein. Qendresa Shabani berichtet: "Manchmal schauen mich die Mädchen verwundert an und fragen: Was, du kannst Albanisch und hast studiert?" Der Großteil der Kinder habe einen Migrationshintergrund.

Vor vier Jahren wurde das Projekt vom Verein "bit social", der wiederum zur "bit group", einem Grazer Bildungsanbieter, gehört, ins Leben gerufen. "Damals haben wir geschaut: Wo ist der größte Bedarf? Viele Familien können sich schulische Nachhilfe nicht leisten", sagt Michael Kvas (37), der wie Qendrim und Qendresa Shabani von Anfang an im Projekt involviert ist.

Auf der Suche nach weiteren Lehrern

Nun ist man auf der Suche nach Nachhilfelehrern. "Momentan fallen viele Lehrer aufgrund von Pensionierungen weg", erklärt Gottfried Reyer (55), Projektleiter des Vereins "bit social". Interessierte Lehrer als auch Schüler, die an der Nachhilfe teilnehmen möchten, können sich unter p3@bitsocial.at melden.

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