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Gegen MuslimbruderschaftLange geplante Razzien wurden wegen Terroranschlag verschoben

Hausdurchsuchungen unter anderem in drei Moscheen in Graz, aber auch Objekte in Ramsau und Klagenfurt. Österreichweit waren 930 Beamte im Einsatz. "Beträge in Millionenhöhe" sichergestellt, aber keine Verhaftungen.

STEIERMARK: OPERATION 'LUXOR' -  RAZZIA GEGEN MUSLIMBRUDERSCHAFT UND HAMAS IN GRAZ
Rund 340 Beamte waren allein in der Steiermark im Einsatz © APA/ERWIN SCHERIAU
 

Am Montag, 5 Uhr früh, schritten die Beamten in vier Bundesländern zur Tat. Es wurden auch in der Steiermark und Kärnten zeitgleich Razzien gegen Personen und Vereine durchgeführt, die die Muslimbruderschaft und die Hamas unterstützen sollen. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Graz mit. Ermittelt wird gegen über 70 Beschuldigte, 60 Wohnungen, Häuser sowie Geschäfts- und Vereinsräumlichkeiten wurden durchsucht. In der Folge wurden 30 Personen festgesetzt, sie sollen "zur sofortigen Vernehmung" den Behörden vorgeführt werden.

Die Staatsanwaltschaft Graz ermittle gegen über 70 Beschuldigte und auch gegen mehrere Vereine und Gesellschaften. Es besteht der Verdacht der terroristischen Vereinigung, der Terrorismusfinanzierung, der staatsfeindlichen Verbindungen, der kriminellen Organisation und der Geldwäscherei. Seitens der Staatsanwaltschaft wurde betont, dass die Razzien "in keinem Zusammenhang mit dem Terroranschlag in Wien vom 2. November stehen".

Der Aktion seien "umfangreiche und intensive, über ein Jahr dauernde Ermittlungen" des führend zuständigen Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) Steiermark zusammen mit dem LVT Wien vorangegangen. Eingebunden waren auch das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) und die LVT Kärnten und Niederösterreich.

In der Steiermark gab etwa ein Dutzend Hausdurchsuchungen in Graz und Umgebung, darunter drei Moscheen. Auch ein Beherbergungsbetrieb in Ramsau im Bezirk Liezen wurde durchsucht, wurde der Kleinen Zeitung bestätigt. Etwa 340 Beamte standen landesweit im Einsatz, darunter auch Spezialeinsatzkräfte und Diensthundeführer. Sichergestellt wurden Dokumente, Computer und Handys und auch Bargeld. Die Auswertung werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

"Wir führen derzeit einen Kampf an zwei Fronten", erklärte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Vormittag in einer Pressekonferenz. Einerseits werde im Umfeld des Attentäters ermittelt, andererseits führe man einen Kampf gegen die Förderer von Hass und Terrorismus im Hintergrund. In den frühen Morgenstunden habe man "einen entscheidenden Schlag" gegen Muslimbruderschaft und Hamas durchgeführt. Hier gehe es um das Betreiben eines kriminellen Netzwerks und um den Vorwurf der Geldwäsche. Bei der Operation "Luxor" seien mehrere Wohnungen und Geschäfte durchsucht worden, bei 30 Personen wurde eine sofortige Befragung angeordnet.

Kampf "in nächsten Wochen, Monaten und Jahren"

Die Tätigkeit von Muslimbruderschaft und Hamas solle so "zumindest unterdrückt werden". Denn Ziel der Bruderschaft sei die Einführung der Scharia, dazu wurden eigene Netzwerke aufgebaut - auch in Österreich. "Ein dramatisch gefährlicher Seitenarm ist die Hamas", ihr gehe es um Antisemitismus und dem Kampf gegen Israel. "Heute vor 82 Jahren gedenken wir den schrecklichen Novemberprogromen", erklärte Nehmammer. Deshalb müsse man heute alles tun, "damit sich das nicht mehr wiederholt".

Nun gelte es, die in Österreich lebenden Menschen - auch jene mit muslimischem Glauben - vor solchen "Extremisten zu schützen", so Nehammer. Es werde diesen Personen "nicht gelingen, eine Religion unter Generalverdacht zu stellen". Der Kampf gegen sie werde nun "in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren weitergeführt".

"Höhere Summen an Bargeld" sichergestellt

Der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, sprach von einer "konzertierten Schwerpunktaktion, ein gemeinsamer Großzugriff", der lange vorbereitet worden war. 930 Beamte seien hier im Einsatz gewesen. Hier habe es eine "breitangelegte Observation" gegeben. Man gehe hier nicht gegen eine Religion vor, sondern gegen illegale Netzwerke und Geldflüsse. Man habe "beträchtliche Vermögenswerte" sicherstellen können. Hier handle es sich um "eine höhere Summe an Bargeld", sogar "in Millionenhöhe", sagte Ruf auf Nachfrage. Aktuell seien zwei Drittel der Hausdurchsuchungen abgeschlossen, der Rest laufe noch.

Dass Ex-Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) den Codenamen "Ramses" vor der Operation verraten hatte, wollte Nehammer nicht direkt kommentieren. Aktuell wird der Einsatz als "Operation Luxor" bezeichnet. Laut Ruf laufen nun interne Ermittlungen, wie es dazu kommen konnte, dass diese Information nach außen dringen konnte.

Reform des BVT: "Scherben wieder zusammenfügen"

Die Reform des BVT sei indes in vollem Gange, man sei hier "mittendrin", so Nehammer. "Es ist leicht, eine Vase zu zerschlagen. Aber die einzelnen Scherben wieder zusammenzufügen, ist nicht so einfach", erklärte Nehammer und spielte damit auf seinen Vorgänger Kickl an, den er als Hauptschuldigen für den Zustand von BVT und LVT sieht.

Laut Ruf werde das Projekt "zumindest zwei Jahre" dauern, man strebe nun ein Jahr an. Erste Schritte seien bereits beschlossen worden. Im Fokus stehe es nun, "umfassendes Know How" aufzubauen, wenn es um die nachrichtendienstliche Aufgabe des Verfassungsschutzes geht. "Dieser Bereich ist in Österreich traditionell schwach und muss aufgebaut werden."

Aktion verschoben

Wie die Polizei berichtet, war die Operation zunächst unter dem Namen "Ramses" gelaufen und hätte vorigen Dienstag stattfinden sollen. Dies ist insofern brisant, als FPÖ-Klubobmann und Ex-Innenminister Herbert Kickl eine Operation Ramses in der Vorwoche erwähnt und in Zusammenhang mit dem Terroranschlag in Wien gebracht hatte. Die ÖVP warf Kickl darauf vor, die Polizeiarbeit massiv zu zu gefährden. Bei der steirischen Polizei bestätigt man, dass die Aktion schon in der Vorwoche geplant gewesen sei. Dass Teile davon vorzeitig publik wurden, habe den Ermittlungserfolg gefährdet. Die Verschiebung der Operation auf den 9. November war dem Terroranschlag geschuldet, die Aktion selbst habe aber nichts mit den Ereignissen in Wien zu tun, so ein hochrangiger Beamter.

privat Razzia in Graz
Polizisten vor einem der durchsuchten Gebäude in Graz © privat

Ob es sich bei den zur Vernehmung festgesetzten Personen um Männer oder Frauen handle, wurde nicht gesagt. Festnahmen und Verhaftungen seien nicht vorgesehen gewesen, so die Staatsanwaltschaft.

Schlag gegen Extremismus

Mit den Razzien Montagfrüh seien "Wurzeln des politischen Islams gekürzt" worden, teilte Innenminister Nehammer (ÖVP) mit. "Wir gehen gegen diese kriminellen, extremistischen und menschenverachtende Organisationen mit aller Härte und allen Möglichkeiten des Rechtsstaats vor", betonte er in einem schriftlichen Statement.

Nehammer
Innenminister Karl Nehammer verfolgte den morgendlichen Einsatz Foto © BMI

Neben Innenminister Karl Nehammer nahm auch Integrationsministerin Susanne Raab (ebenso ÖVP) Stellung: "Mit diesem Schlag gegen die Muslimbruderschaft machen wir ernst im Kampf gegen radikale, extremistische Ideologien. Wir lassen nicht zu, dass extremistisches Gedankengut in Österreich verbreitet wird und werden auch weiterhin konsequent dagegen vorgehen", erklärte sie in einer schriftlichen Stellungnahme.

Was bedeuten die Codewörter "Luxor" und "Ramses"

Ramses: Ramses II., auch Ramses der Große genannt (* um 1303 v. Chr.; † 27. Juni 1213 v. Chr.), war der dritte altägyptische König (Pharao). Er regierte rund 66 Jahre und ist damit eines der am längsten amtierenden Staatsoberhäupter der Welt. Er gilt als einer der bedeutendsten Herrscher des Alten Ägypten, während seiner Regierungszeit erreichte das Land eine wirtschaftliche und kulturelle Hochblüte. Durch sein diplomatisches Handeln gelang es Ramses II., einen fast fünfzigjährigen Frieden mit seinen Nachbarvölkern zu erhalten.

Luxor: Ist eine ägyptische Stadt am östlichen Ufer des Nils etwa im Zentrum Oberägyptens. Luxor bedeutet übersetzt "die Stadt der Paläste". In und um Luxor befinden sich einige der wichtigsten archäologischen Stätten Ägyptens, aufgrund derer der Tourismus einen der wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt bildet. 

Kommentare (99+)
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georgXV
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Islam

und die Islamisierung unserer westlichen Wertegemeinschaft schreitet weiter voran.
Bereits in der 2. Hälfte dieses Jahrhunderts wird die Mehrzahl der in Europa lebenden Menschen muslimischen Glaubens sein.
Dies ergibt sich rein statistisch aus der Reproduktionszahl (= Kinderkriegen)

UHBP
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@georg...

Nah, da gibt es wohl nur eine Möglichkeit das zu ändern.
Selber mehr Kinder bekommen!

Balrog206
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Überbevölkerung

Ist aber auch ein Klima Problem ! 😉

HASENADI
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georgXV,

wenn sich die kath.Kirche weiterhin so verschlossen rückwärtsgewandt aufführt, wird das geschriebene Szenario Realität werden. Deswegen schlafe ich jetzt aber nicht schlechter, Sie schon?

pregwerner
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Alles längst bekannt...

Das Thema "Muslimbruderschaft & Co" war uns als solches längst bekannt!

So berichtete die KLEINE ZEITUNG bereits am Mo den 9.7.2007 (!) auf Seite 12 ausführlich über die Problematik! (Vielleicht lässt sich die Seite auf der ONLINE-Print-Plattform so weit zurückrecherchieren?)

Bei mir löste der Artikel einst Bedenken aus, weswegen ich diesen archivierte und heute derart genau darauf hinweisen kann.

Vor den Organisationen und den möglichen Folgenhaben uns grotesker Weise Muslime selbst gewarnt!

tigeranddragon
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Wieso

groteskerweise?

Die Muslimbrüder sind Extremisten, der Großteil der Moslems nicht.

Man sieht ja, was bei uns passiert, wenn man vor Rechtsextremisten warnt.....oder meinen sie, es wäre grotesk als Österreicher vor Rechtsextremisten zu warnen?

ordner5
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Bedrohung bleibt.

Solange Omas und Fans endlos demonstrieren, wird sich nicht viel ändern.

Landbomeranze
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Sie bleibt aber auch deshalb,

weil uns die Sicherheitsbehörden nach den unverzeihlichen Schlampereien mit nachdrücklicher Ignoranz weiter verarschen wollen. Heute in Thema wurde vom ORF bei einer der geschlossenen Moscheen gezeigt, wie dort Islamisten frisch und fröhlich zum Abendgebet ein- und ausmarschieren. Diese Querköpfe sind nicht imstande, dort Sicherheitskräfte zu postieren, die den dort anlandenden Islamisten erklären, dass sie schleunigst verschwinden sollen, wenn sie nicht inhaftiert werden wollen. Schön langsam glaube ich auch, dass alles unter dem Titel Aktionismus steht, um die gravierenden und nicht zu glaubenden Fehler der österr. Sicherheitsbehörden (BVT) in Vergessenheit geraten zu lassen.

Isidor9
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Wer sind die österreichischen Hintermänner/frauen?

Dass die Moslembrüder unsere Gesellschaft zu einem Kalifat auf Basis der Scharia umwandeln wollen, ist bekannt. Nicht bekannt sind jene Institutionen,Plattformen ,Vereine und Privatpersonen, die sie dabei unterstützten. Die gehören jetzt vor den Vorhang. Auch wenn jetzt so mancher Politiker oder Uniprofessor das Fracksausen bekommt,weil er diese Banditen wissentlich oder unwissentlich unterstützt hat.

Leop
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TTT

Hallo nur einen Satz:Es ist ein weltweites Problem, und es wird in nächster Zeit auch so bleiben.

Anndrea
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Aufwand

Der Aufwand der jetzt betrieben wird um vom Versagen der Nehammer-Truppe abzulenken ist ja köstlich. Das macht die Toten aber auch mehr lebendig.

checker43
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Noch

dazu wurde letzten Montag/Dienstag schon rausposaunt, dass man Dienstag Früh eigentlich Razzien machen wollte, aber der Anschlag dazwischenkam. Das ist Profitum.

Ragnar Lodbrok
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Intelligente

suchen in Krisenzeiten nach Lösungen, während die Idioten nach Schuldigen suchen.

UHBP
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@rag...

Intelligente versuchen Krisen zu verhindern, während die Idioten nach Schuldigen (Justiz, Kickl, etc.) suchen.

si1976
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Ragnar Lodbrok

Perfekte Meldung wäre die Lösung zum Problem.
Bist halt ein echter Wikinger

Anndrea
9
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@Ragner Lodbrok

Gib ihnen vollkommen recht.

Zuerst war die Justiz schuld.
Dann war Kickl schuld.
Und danach war der Slowakische Geheimdienst schuld.

Sind das die Idioten, die sie gemeint haben?

smithers
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Wieso bitte mehr lebendig?
Wie stellen sie sich das vor?

Die Sache ist wohl traurig genug.

logon 1
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Problemlösung:

IS-Sympathisanten sind wegen Unterstützung einer entsetzlichen Mördertruppe mindestens 10 Jahre wegzusperren mit Staatsbürgerschaftsentzug und sofortigem ,kontrolliertem Landesverweis.
Wer wegen eines unbewiesenen Jenseitsschmarrns Andersgläubige meuchelt, hat in Europa, immer noch ein Kulturkontinent ,nichts verloren. Ihr weiteres Schicksal interessiert nicht, weil unser Leben sie auch nicht interessiert.

schadstoffarm
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Sehr kulturell

Ist dein Post aber auch nicht. Durch ignorieren unseres Rechtsstaates und Faible für unpraktikable Lösungen bist eher islamist als aufgeklärter Europäer.

logon 1
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..die bis jetzt praktizierten Lösungen haben Europa..

..hunderte Terrortote gekostet.
Zur Logik: wer gegen Islamismus schreibt ,ist kaum selbst Islamist.
Naive Typen verfahren mit diesen Terroristen auf die weiche Tour.
Die Ergebnisse wurden sichtbar.

halelale
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Gilt das auch für FPÖ Wähler mit Verweis auf die NSU

oder für Identitäre mit finanzieller Unterstützung des Christchurch Attentäters?

logon 1
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..bei sinnerfassendem Lesen des Textes ..

..ist von Islamisten die Rede.

heri13
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Der Nehammer soll zurücktreten,

und seine Türkisen Bandenmitglieder mitnehmen.
Nur so können wir wieder ein demokratisches Land werden.

si1976
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heri13

Natürlich ist das Innenministerium nich ganz unschuldig. Aber wie viele
Unschuldige wurden seit Flüchtlingsbeginn 2015 vergewaltigt und ermordet
und wer war damals Schuld ? Auch türkis ?
Und alle wussten das da sehr viel Radikale bei uns Unterschlupf suchten.
Damals das total versagen der SPÖ !!!!!!!!!

schteirischprovessa
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Das einzige, das dafür sprechen könnte, dass Nehammer zurücktreten könnte,

ist, dass dies der Wunschtraum von linken Roten und rechten Blauen ist.
Aber die sind selbst in ihrer Interessensgemeinschaft gemeinsam so in der Minderheit, dass dies nicht einmal als Wunschtraum sondern nur als Illusion zu bezeichnen ist.
Wobei ja vor allem die Blauen die Auferstehung von Kickl als Innenminister wünschen. Dort gibt es dann aber selbst in dieser spaßigen Interessensgemeinschaft geteilte Meinungen.

Trieblhe
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@heri

Ach ja? Wie sind kein demokratisches Land mehr?

 
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