Neue ZweifelTodesfall im Umfeld von oststeirischem Arzt: Gutachter glaubt nicht an Suizid

Für die Polizei war es ein Selbstmord. Doch ehemaliger Gerichtsmediziner schließt Suizid praktisch aus. Der Todesfall im Umfeld eines oststeirischen Arztes gibt viele Rätsel auf.

Der oststeirische Arzt war wegen Quälens der Kinder angeklagt, in erster Instanz aber freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat berufen
Der oststeirische Arzt war wegen Quälens der Kinder angeklagt, in erster Instanz aber freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat berufen © Penz
 

Es geht um einen angeblichen Selbstmord im Umfeld jenes oststeirischen Arztes, der angeklagt war, seine vier Kinder gequält und vernachlässigt zu haben. Der Pensionist Alois H. starb durch einen angesetzten Schuss an der Schläfe. Die Waffe gehörte dem Arzt, der mit der Tochter des Opfers ein Verhältnis hatte.

Wenige Tage nachdem die junge Frau die Beziehung mit ihrem Hausarzt beendet hatte, wurde ihr Vater tot aufgefunden. Die örtliche Polizei ging sofort von einem Selbstmord aus. Erst als die Tochter daran starke Zweifel hatte, wurde eine Obduktion durchgeführt.

Der Gerichtsmediziner fand keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden. Die kriminaltechnischen Experten im Bundeskriminalamt schon. Sie schlossen damals schon aus, dass Alois H. die kleinkalibrige Pistole (6,35 mm) selber abgefeuert hatte. An seinen Händen fanden sich keinerlei Schmauchspuren. Solche hätten, laut BK, aber vorhanden sein müssen.

Neues Gutachten

Nun, dreieinhalb Jahre später, beauftragte die Tochter einen pensionierten Wiener Gerichtsmediziner mit einem Gutachten. Das Ergebnis liegt jetzt vor: Professor Johann Misslewitz zur Kleinen Zeitung: "Ich schließe einen Selbstmord mit ziemlicher Sicherheit aus."

Der linke Arm des Betroffenen war wegen eines Bruches funktionsunfähig, der rechte chronisch stark beeinträchtigt, heißt es im Gutachten. "Das ist für mich nicht so ausschlaggebend", sagt der Experte. "Ganz wesentlich aber ist, dass keine Schmauchspuren vorhanden sind. Die Erklärung, die ein Chefinspektor dafür gefunden hatte, klingen für mich abenteuerlich."

"Ein Fehler nach dem anderen"

Es gab, laut Gerichtsmediziner, keine Tatortarbeit. Die Gattin des pflegebedürftigen Alois H. gab an, mit ihrem Liebhaber im Nebenzimmer geschlafen und daher keinen Schuss gehört zu haben. Ob das stimmt, hätte man durch Schalldruckmessungen feststellen können, sagt Misslewitz. "Doch solche wurden nie durchgeführt. Da wurde ein Fehler nach dem anderen gemacht." Wie Alois H. in den Besitz der Waffe kam, ist ebenfalls völlig ungeklärt.

Die LKA-Mordgruppe erhielt bis heute keine Ermittlungsaufträge. Die Staatsanwaltschaft hat den Fall abgebrochen. Allerdings: Das nun vorliegende Privatgutachten kennt die Anklagebehörde noch nicht.