InterviewKartnig nach Insolvenz: "Mir kann jetzt nichts mehr passieren"

Der frühere Sturm-Präsident über Luxus, Fehler und Reue.

Der Ex-Sturm-Präsident zeigt sich gut gelaunt © (c) Stefan Pajman
 

Gerade haben Kreditschützer die Meldung über seine Privatinsolvenz ausgeschickt, da haben wir Hannes Kartnig am Telefon: Im Plauderton bestätigt er, was anderen den Schlaf rauben würde. Ja, es sind 8,8 Millionen Euro an Schulden da, die sich aus den Gerichtskosten von 1,4 Millionen, den Steuerschulden und der Finanzstrafe zusammensetzen, die das Urteil im Prozess gegen ihn ergeben hat. Nur Stunden später treffen wir den einst so polarisierenden Sturm-Präsidenten zum Gespräch – offensiv und gut gelaunt, mitten im Grazer Operncafé. Nein, ein Hannes Kartnig versteckt sich nicht.

Herr Kartnig, die Freiheitsstrafe ist verbüßt, nun kommt der Privatkonkurs. Wie geht es Ihnen?
Hannes Kartnig: Ich bin seit einem Jahr in Pension, ich kann mit dem Geld, das ich habe, und mit ein bisserl Hilfe von meinem Sohn leben. Es geht mir gut.

Sie brachten in den letzten Jahren eine Haft hinter sich, hatten die Fußfessel, waren Freigänger. Im Rückspiegel, wie war die Zeit?
Kartnig:Mir ist viel Unrecht geschehen. Ich knabbere immer noch an der Verurteilung wegen Betrugs. Ich bin doch kein Betrüger, ich habe doch nur beim Land um eine Förderung angefragt, wir hätten für Sturm einen Kredit aufgenommen und das Land hätte die Ausfallshaftung übernommen. Ich wollte niemanden betrügen. Die Schwarzgeldzahlungen an die Spieler waren etwas anderes. Ja, das habe ich getan, so wie es alle Fußballklubs und alle meine Vorgänger getan haben. Da ist nie etwas passiert, da habe ich das Risiko genommen, weil ich gedacht hab, es passiert auch mir nichts.

Was war für Sie das Schlimmste im Gefängnis?
Kartnig: Dass da die Wirtschaftskriminellen mit Mördern und Gewaltverbrechern untergebracht sind. Ich habe den Grazer Amokfahrer getroffen und Vergewaltiger. Da überlegst du schon, ob du raus zum Spazieren gehst. Das muss ich dem Justizminister sagen, dass er das ändert.

Haben Sie aus Ihrer Sicht keine Fehler begangen?
Kartnig: Ja, doch, ich war zu dumm, dass ich das mit dem Schwarzgeld gemacht habe. Hätte ich gewusst, dass da was passieren kann, hätte ich das auch nie getan. Aber so war ich das Bauernopfer für den ganzen österreichischen Fußball. Und ich sage, das, was mir passiert ist, wünsche ich jenen in der Causa GAK ganz sicher nicht.

Warum sind Sie auch in der Zeit der Prozesse nie leiser aufgetreten, sogar mit Fußfessel in Oper und in Restaurants gegangen?
Kartnig: Aber da ist mir doch auch unrecht getan worden. Diese Besuche waren mir von der Justizanstalt in Graz erlaubt. Aber in Wien hat man dann entschieden, dass mir die Fußfessel weggenommen wird.

Die Leute haben eben genau hingeschaut, Sie haben eben über Jahre so demonstrativ auf großem Fuß gelebt, polarisiert, provoziert. Verstehen Sie nicht, dass da ein Promi-Malus greift?
Kartnig: Ja, das waren Neider. Was die Leute nie verstanden haben: Ich war doch der einzige Fußball-Präsident, der diesen Sport verkauft, vermarktet hat. Da gehört es dazu, dass man provoziert, den Gegner mit Schmäh nimmt. Das bringt einen in die Medien, dann kommen die Sponsoren, so treibt man Geld auf. Ich hatte damals unter den anderen Präsidenten nur den Rudi Quehenberger in Salzburg, der da mitgespielt hat. Heute gibt es gar keinen mehr, der Fußball so verkauft. Sturm ist heute ein Sparverein, der vielleicht zwei Millionen auf der Seite hat, aber der Fußball, der da gespielt wird, ist zum Vergessen.

Aber Sturm mischt doch ganz vorne mit ...
Kartnig: Ja, in der Indianer-Liga, das ist ja alles kein Fußball. Da würde meine alte Mannschaft von damals ja noch gewinnen.

Hannes Kartnig riskiert also immer noch gern eine dicke Lippe?
Kartnig: Ja, selbstverständlich, ich habe keine Angst, mir kann ja jetzt nichts mehr passieren. Den Konkurs muss ich jetzt noch durchstehen.

Gibt’s gar keine Reue?
Kartnig: Nein, was heißt Reue, wie gesagt, hätte ich gewusst, was da auf mich zukommt, hätte ich das mit dem Schwarzgeld nicht gemacht. Schauen Sie, in der Glanzzeit, solange ich Erfolg hatte, wir Meister wurden und die Champions League auch noch aufgegangen ist, sind die Leute bei mir Schlange gestanden. Als der Glanz bröckelte, brachen viele weg. Aber die Guten sind alle geblieben.

Vermissen Sie Ihr Seitenblicke-Leben manchmal?
Kartnig: Schauen Sie, ich war dort ja immer, um wichtige Leute zu treffen, Schmähs und Geschäfte zu machen. Ich war immer locker, nie ein G’spritzter, und ich hab sie alle gekriegt, die Normalen und die Akademiker, die Journalisten, weil sie immer gewusst haben, ich bringe ihnen „a guate G’schicht“. Aber wenn ich mir heute die Seitenblicke anschaue, das ist ein Tatütata, das mich nicht interessiert.

Fehlt Ihnen der Luxus der fetten Jahre?
Kartnig: Eigentlich nicht. Ich habe ja alles gehabt, alles schon erlebt, ich brauche keinen Flieger, kein Schiff, keine Opernredoute mehr, ich bin da gesättigt.

Was wünschen Sie sich noch?
Kartnig: Dass ich gesund bleibe, es zum Leben reicht und ich ein bisschen Schmäh führen kann.

Wie viel Geld haben Sie zur Verfügung?
Kartnig: Ich bekomme eine Pension von 2400 Euro im Monat und zahle ein Viertel an meine Ex-Frau. Aber es geht sich aus.

Kommentare (4)

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Pei
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O tempora, o mores.....

Früher hat man sich in solcher Situation wenigstens etwas bedeckt gehalten, heutzutage gibt man Interviews im Kaffeehaus ......

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Lodengrün
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Er schmeisst das Geld

anderer Leute in hohem Bogen hinaus, 98% sind fuer immer verloren und er macht noch immer auf grossen Macker. Er hat wirklich einen enormen Schaden in seiner software. Das Geld ist verloren, die Mitmenschen sind die Verlierer und Zahler, er lacht.

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plolin
1
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Boa,

mir wird schlecht, wenn ich sowas lese.
Wie kann man nur so präpotent sein?

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stadtkater
1
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98% Schuldennachlass

zu Lasten der Steuerzahler (Finanzschulden und Gerichtskosten) und das Vermögen rechtszeitig auf Frau und Sohn übertragen - ein wahrer Durchschummler!

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