Autofreier TagSteirische Pendler klopften Öffis auf ihre Tauglichkeit ab

Sechs steirische Pendler testeten eine Woche lang den Umstieg vom Auto auf andere Verkehrsmittel. Zum heutigen „Autofreien Tag“ ziehen sie Bilanz.

Oftmals bietet sich die Eisenbahn als brauchbare Alternative zum Auto an © KLZ/Scheriau
 

Rund 333.000 Steirer pendeln regelmäßig zwischen Wohn- und Arbeitsort – zwei Drittel davon mit dem eigenen Auto. Diese Zahlen fördert, wie berichtet, der steirische Pendlerreport 2017 zutage. Doch wie kann es bewerkstelligt werden, dass mehr Pendler auf alternative Verkehrsmittel wie Zug, Bus, Straßenbahn oder Fahrrad umsteigen? Welche Hindernisse lauern, welche Vor- und Nachteile ergeben sich durch einen Umstieg? Diesen Fragen geht das steirische Klimabündnis nach und suchte gemeinsam mit der Kleinen Zeitung sechs Pendler, die in der laufenden Europäischen Mobilitätswoche auf ihrem Arbeitsweg freiwillig aufs Auto verzichten und andere Transportmittel nutzen. Am heutigen „Autofreien Tag“ berichten sie über ihre Erfahrungen (siehe Beiträge unten).

„Wir wollen mit der Aktion bewusst machen, dass es oftmals gute Möglichkeiten alternativer Mobilität gibt“, sagt Friedrich Hofer, Regionalstellenleiter beim Klimabündnis. „Nicht immer lässt sich der Umstieg einfach umsetzen, aber oft ist Mobilität eine Gewohnheitssache und die Vorteile öffentlicher Verkehrsmittel werden erst beim Umstieg bewusst.“

Die Teilnehmer:

Gabriel Nievoll, 23 Jahre Foto © Martina Pachernegg

Zug und Bus auf der Strecke Kindberg - Leoben

Gabriel Nievoll: Ich bin experimentierfreudig und habe mein Auto gegen ein Ticket für den Zug getauscht. Mit dem Auto bin ich bisher 30 Minuten in die Arbeit nach Leoben/Göss gefahren, mit dem Zug und dem Anschlussbus brauche ich jetzt eineinhalb Stunden. Freilich, das ist zeitraubend. Aber mittlerweile nütze ich die Fahr- und Wartezeiten und lese. Außerdem kann ich in aller Ruhe im Zug munter werden. Beim Autofahren kann man sich nicht zurücklehnen und entspannt aussteigen. Das ist ein Luxus, auf den ich in Zukunft das eine oder andere Mal zurückgreifen werde. In Sachen Pünktlichkeit kann ich nicht klagen. Mein Zug war immer pünktlich, mein Anschluss zum Bus hat gut funktioniert. Ich habe mich sogar schon nach den Tickets erkundigt. Für spontane Zugfahrten ist mir der Tageskartenpreis zu hoch, aber die Monatskarte ist ein faires Angebot. Protokoll: Martina Pachernegg

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Raimund Arch, 56 Jahre Foto © Juergen Fuchs

Fahrrad auf der Strecke Dobl - Graz

Raimund Arch: Ich habe auf dieser Strecke schon ziemlich alle Verkehrsmittel getestet, mit dem Fahrrad läuft es gut. Allerdings musste ich diese Woche einmal auf den Bus umsteigen, weil durch den Regen schon zwei Garnituren meiner Kleidung durchnässt waren. Mit dem Fahrrad bin ich etwa 55 Minuten unterwegs, fahre im Schnitt 23 km/h. Da kommt es mir entgegen, dass ich in meiner Firma die Möglichkeit habe zu duschen. Was mir aufgefallen ist: Speziell bei Regenwetter halten die Autofahrer nicht ausreichend den nötigen Sicherheitsabstand ein. Das ist als Radfahrer ziemlich unangenehm. Leider gibt es auf meiner Strecke nicht durchgehend Radwege, was in unserer Gegend ein großer Schwachpunkt ist. Wann immer es möglich ist, werde ich weiter mit dem Rad zur Arbeit fahren. Es geht mir darum, mit möglichst wenig Fremdenergie von A nach B zu kommen. Protokoll: Günter Pilch

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Mobilitaetswoche - Hartberg
Katharina Schweighofer, 21 Jahre Foto © Harald Hofer

Bus auf der Strecke Hartl/Kaindorf – Graz

Katharina Schweighofer: Normalerweise fahre ich mit dem Auto. Ich habe in Graz eine Garage gemietet, wo ich es unterstellen kann. Der Bus ist genauso von den Verkehrsverhältnissen abhängig wie der Pkw. Am Montag bin ich wegen des starken Verkehrs an der Grazer Stadteinfahrt pünktlich bei meiner Arbeitsstelle angekommen, während ich am Dienstag eine halbe Stunde zu früh war. Wenn ich selbst fahre, weiß ich, wann ich starten muss, um pünktlich zu sein. Auch mit meinen Freizeitaktivitäten lassen sich die Fahrzeiten schwer vereinbaren: In dieser Woche musste ich auf meinen Taekwondo-Kurs und auf meinen Klavierunterricht verzichten. Und obwohl ich einmal früher aus dem Büro hätte gehen können, hätte es nichts genützt, weil ich auf den Bus hätte warten müssen. Ich bleibe beim Auto. Ab Oktober kann ich eine Fahrgemeinschaft bilden. Protokoll: Harald Hofer

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Christian Knittelfelder, 37 Jahre Foto © Helmut Steiner

E-Bike auf der Strecke St. Stefan/R. – Auersbach

Christian Knittelfelder: Ich wollte das schon immer machen. Die Mobilitätswoche war eine zusätzliche Motivation. Am ersten Tag hat es schon Überwindung gekostet, aufs E-Bike zu steigen – weil es kalt war. Aber als ich bei meiner Arbeitsstelle angekommen bin, hatte ich das Gefühl, schon etwas geschafft zu haben. Am Abend waren die 25 Kilometer retour dann ein gutes Workout – ein Wohlfühlfaktor, wenn die Sonne scheint. Eine Stunde habe ich für die Strecke mit dem E-Bike gebraucht. Mit dem Auto bin ich gut 20 Minuten unterwegs. Am Dienstag und Mittwoch bin ich wegen des starken Regens nicht gefahren. Bei so langen Strecken hat das wenig Sinn. Da ich Gleitzeit habe, kann ich mir den Arbeitsbeginn gut einteilen. Ich bin auf den Geschmack gekommen und kann mir vorstellen, einmal pro Woche per E-Bike zur Arbeit zu fahren. Aber nicht im Winter. Protokoll: Helmut Steiner

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Beate Elsnigg, 54 Jahre Foto © KK

Zug und Bus auf der Strecke Kaindorf/Leibnitz – Graz

Beate Elsnigg: Als meine Firma ihren Sitz noch in der Annenstraße hatte, bin ich immer gependelt. Damals war das wegen der Nähe zum Hauptbahnhof unkompliziert. Jetzt arbeite ich in St. Peter und brauchte mit Zug und Bus 3,5 Stunden pro Tag zum Pendeln. Mit dem Auto ist es nur eine Stunde. Problematisch war vor allem das lange Warten. Weil ich nicht Gleitzeit arbeite, kann ich mich nicht nach den Busfahrplänen richten. Auch ist mein Fußweg von der Firma zur Haltestelle stark von Lkw befahren und unsicher, weil es keinen Gehsteig gibt. Einige meiner Freizeitaktivitäten musste ich diese Woche ausfallen lassen, weil ich nicht rechtzeitig zu Hause war. Am Zugfahren gefällt mir, dass es viel entspannender ist als Autofahren und dass ich in Ruhe die Kleine Zeitung lesen kann. So komme ich viel frischer in der Arbeit an. Die Öffis waren außerdem immer pünktlich. Protokoll: Barbara Kluger

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Wolfgang Schlegl, 41 Jahre Foto © KLZ/Hiebl

E-Bike und Zug auf der Strecke Friesach – Wildon

Wolfgang Schlegl: Statt mit dem Auto zu fahren, war ich diese Woche mit dem E-Bike zum Bahnhof Stübing unterwegs und habe dann den Zug bis Wildon genommen. Es hat alles klaglos funktioniert, die Züge waren äußerst pünktlich und fahren jede halbe Stunde. Nur am Dienstag musste ich doch das Auto zum Bahnhof nehmen, weil es so stark geregnet hat. Morgens kann ich mit der S-Bahn von Stübing direkt nach Wildon durchfahren, bei der Rückfahrt am Nachmittag muss ich in Graz umsteigen. Das geht aber ohne Probleme am selben Bahnsteig. Mit dem Auto habe ich von Tür zu Tür etwa 35 Minuten gebraucht, mit E-Bike und Zug dauert es etwa 55 Minuten. Im Gegenzug kann ich so aber während der Zugfahrt schon kleinere Arbeiten erledigen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ab jetzt weiterhin die Eisenbahn nehmen und mir Monatskarten besorgen werde. Protokoll: Günter Pilch

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