Fünf Mal kommen Grazerinnen und Grazer im Jahr zu einem vergünstigten Preis in die Reststoffzone des Ressourcenparks in der Sturzgasse. Sieben Euro kostet eine Einfahrt bis 200 Kilogramm, um Sperrmüll zu entsorgen, ab der sechsten Einfahrt sind es 14 Cent pro Kilo. Die Abgabe von Material wie kaputten Elektrogeräten, Möbeln oder Farben ist überhaupt kostenlos. Ähnliches gilt für die insgesamt neun Ressourcenparks im Rest der Steiermark – das Entsorgen von Müll soll so niederschwellig wie möglich gehalten werden.

Für so manche scheint das Angebot allerdings nicht attraktiv genug, denn Waldstücke und öffentliche Müllsammelstellen mutieren immer wieder zu Sperrmülldeponien. Kühlschränke, Reifen, ganze Zimmereinrichtungen werden mitten in Wohnsiedlungen, an Müllinseln oder in der freien Natur entsorgt und sorgen für zusätzliche Arbeit für die Gemeindemitarbeiter. Die Instagram-Seite „Graz Wellness“ hat daraus inzwischen einen Running-Gag gemacht und postet regelmäßig Fotos von an Mülleimern entsorgten Reifen in ihren Storys.

Was in den Sozialen Medien für Lacher sorgt, ist für die Mitarbeitenden der Holding Graz mit zusätzlichem Aufwand verbunden. In der Landeshauptstadt hat man aufgrund der Problematik inzwischen ein eigenes Sammelstellenfahrzeug eingeführt, wie Thomas Hofer, Abteilungsleiter der Stadtreinigung, erzählt. „Zwei Mitarbeitende fahren mit dem Lkw Montag bis Freitag die Stadt ab, um unsachgemäß entsorgten Sperrmüll aufzusammeln.“

Ganze Zimmereinrichtungen mussten schon von der Stadtreinigung aufgesammelt werden
Ganze Zimmereinrichtungen mussten schon von der Stadtreinigung aufgesammelt werden © Holding Graz

Sperrmüll via App melden

Mit Greifer und Kran wird der Müll dann auf den Lkw gehoben und entsorgt, so Hofer. „Ohne technische Hilfe würde das nicht gehen“, sagt er, denn es gebe nichts, was die Leute nicht schon auf der Straße entsorgt hätten, kann er sich manchmal nur wundern. „Von der Waschmaschine bis hin zu ganzen Küchenblöcken und Bettgestellen hatten wir schon alles dabei.“

Die „Schau auf Graz“-App sei für die Mitarbeitenden ein Segen, so der Abteilungsleiter. „Dort melden Bürgerinnen und Bürger Sperrmüll, der herumliegt, und schicken Fotos von dem Standort, das spart uns Stunden an Sucharbeit“, ist er dankbar für die Hilfe aus der Öffentlichkeit. Denn auch am Plabutsch wurden bereits mehr als einmal alte Möbel mitten im Wald abgeladen, das Gebiet abzusuchen würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Auch seitens der Abteilung für Grünraum und Gewässer bekäme man immer wieder Hinweise.

Neun Ressourcenparks, mehr sind in Planung

Warum die Leute ihren Müll nicht sachgemäß entsorgen, kann sich Hofer nicht erklären. „Am finanziellen kann es bei den paar Euro, die die Einfahrt in die Sperrmüllzone kostet, wirklich nicht liegen.“ Ingrid Winter von Referat Abfall- und Ressourcenwirtschaft beim Land Steiermark tippt vielfach auf Bequemlichkeit, will aber betonen, dass die Nutzung der Ressourcenparks steiermarkweit zum größten Teil sehr gut angenommen wird. „Natürlich fallen einem die negativen Beispiele immer sofort auf, grundsätzlich muss man die Leute aber auch dafür loben, dass sie mehrheitlich ihren Müll sachgerecht entsorgen.“

Thomas Hofer
Thomas Hofer © Holding Graz

Neben den neun existierenden Ressourcenparks seien aufgrund des Bedarfs und der Nachfrage bereits weitere in Planung, informiert Winter. „Wir treiben diese Strategie des Landes weiter voran und sind hier fachlich unterstützend für die Gemeinden und Abfallwirtschaftsverbände in den Regionen tätig. Die Ressourcenparks haben sich als zukunftsfähige Sache etabliert.“

Verboten: Müll neben Tonne stellen

Dennoch sorgt falsch entsorgter Müll für höheren Personalaufwand, wie Hofer weiß. „Wenn es am Papier keinen Verursacher gibt, muss es eben jemand anders wegräumen – in diesem Fall wir.“ Gleichzeitig erschwere der neben den Sammelbehältern abgestellte Müll den Zugang zu den Inseln, ergänzt Winter. Falsche Entsorgung führt zudem dazu, dass Materialien aufwändig nachträglich sortiert und oft dann nicht mehr richtig recycelt werden können. „Es ist übrigens auch nicht erlaubt, seinen Müll einfach neben die Tonne zu stellen, wenn diese voll ist“, betont Winter. „Aber wenn eine Person anfängt, finden sich leider schnell Nachahmer.“

Jedes Jahr verschreiben sich außerdem Freiwillige im Rahmen des Steirischen Frühjahrsputzes dem Aufsammeln von liegengelassenem Müll. Heuer läuft die Aktion noch bis 9. Mai, so Winter. „Wir sind dankbar, dass sich Freiwillige bereiterklären, den Müll anderer Leute zu entsorgen, schön wäre allerdings, wenn das gar nicht erst notwendig wäre.“