Der Steinbruch mit einem Volumen von 1,5 Millionen Kubikmetern soll mit Wasser geflutet und in einen Wärmespeicher umgewandelt, das Wasser über Solarpanele auf 38 Hektar und ein Biomasseheizwerk aufgeheizt und ins Grazer Fernwärmenetz eingespeist werden. Diesen „Sonnenspeicher Süd“ wollen Heimo Ecker-Eckhofen und Gilbert Frizberg in Wildon realisieren. Zum Unmut Dutzender Anrainer und der Gemeinde Dobl-Zwaring. Nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, dass das Projekt keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchlaufen muss, kämpfen die Anrainer nun vor den Höchstgerichten darum, dass das Großvorhaben nicht ohne UVP errichtet werden darf. Mit dabei ist auch Robert Ranftl, der Obmann der Initiative „Rettet das Kainachtal“.
Anrainer befürchten existenzielle Auswirkungen
Für Anwalt Franz Unterasinger ist klar: „Projekte in vergleichbarer Dimension haben eine UVP gebraucht, es ist nicht nachvollziehbar, wenn das beim Sonnenspeicher Süd nicht der Fall ist“, sieht er dann zumindest eine „Gesetzeslücke“. Die Beschwerde ist „wegen der Verletzung verfassungsgesetzlich gewährleisteter Rechte“ beim Verfassungsgerichtshof eingereicht. Die Anrainer befürchten nicht nur Verkehr, Staub und Lärm durch die Bauarbeiten, was in einem Feinstaubsanierungsgebiet auch Relevanz habe, Grundstücksentwertungen, die Veränderung des Mikroklimas, existenzielle Bedrohungen für ihre Landwirtschaften und viele weitere negative Auswirkungen.
Gemeinde Dobl-Zwaring nicht unter Beschwerdeführern
Die Beschwerde hat keine aufschiebende Wirkung, die Projektbetreiber können es also weiterverfolgen. Blitzen die Anrainer beim VfGH ab, haben sie schon den Antrag gestellt, dass der Akt zur weiteren Überprüfung an den Verwaltungsgerichtshof abgetreten wird. Nicht unter den Beschwerdeführern ist die Gemeinde Dobl-Zwaring. Bürgermeisterin Waltraud Walch erklärt, warum: „Wir haben uns entschieden keine außerordentliche Revision einzulegen, die ja eben keine aufschiebende Wirkung hat.“
Mega-Projekt soll 2029 in Betrieb gehen
Die Investoren haben im Jänner ihren Zeitplan so skizziert: Baustart Mitte 2027, „2029 wollen wir in Betrieb gehen.“ Das Projekt soll rund 270 Millionen Euro kosten. 15 Millionen Euro aus nationaler und EU-Förderung sind bewilligt, weitere EU-Subventionen sind in Aussicht. Die Geothermie würde 400 bis 500 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr liefern, der Sonnenspeicher Süd bis zu 360 GWh. Das entspricht 60 Prozent des gesamten Grazer Fernwärmebedarfs. Die Stadt selbst arbeitet ja an der Müllverbrennungsanlage „Energiewerk“ (180 GWh) und will die Abwärmenutzung bei der Papierfabrik Sappi (60 bis 120 GWh) sowie die energetische Klärschlammverwertung (55 GWh) forcieren. Energielandesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP) nannte den Sonnenspeicher Süd vor dem Hintergrund der kriegsbedingten Teuerung jüngst eines der entscheidenden Projekte im Land, die entschlossen umzusetzen seien.