Es gibt Phasen im Leben eines jeden Menschen, in denen gibt es Turbulenzen, da ist der Weg, der bis dahin schnurgerade verlief, plötzlich nicht mehr gerade. Er ist holprig, es gibt Gabelungen, bisweilen stolpert man und zieht sich auch die eine oder andere schmerzhafte Blessur zu.

Auch der Weg von Aglaia Szyszkowitz war lange Zeit gerade und eben, da gab es kein Stolpern, nur ein Vorwärts. Die Liste ihrer Filme – der Durchbruch gelang der Schauspielerin 1998 mit dem Kinofilm „2 Männer, 2 Frauen – 4 Probleme“ – ist beeindruckend. Mehr als 170 Film- und Fernsehproduktionen sollten es in der Folge werden. Die gebürtige Grazerin war Dauergast auf den Bildschirmen von Millionen Menschen.

Bis 2021, mitten in der Corona-Pandemie, der Weg plötzlich nicht mehr gerade verlief – beruflich, gesundheitlich und privat. Ein Burnout, die Trennung von ihrem Mann, ein missglückter Umzug nach Wien, die Rückkehr in ihre Heimatstadt Graz, weniger Rollenangebote, gesundheitliche Sorgen. „Es war für mich brutal hart“, gibt die 58-Jährige im Gespräch mit der Kleinen Zeitung unumwunden zu. Ein zweites Standbein, einen Plan B, hatte sie nicht. Zu lange lief in der Erfolgsspur alles glatt.

„Die Strahlende“ strahlt wieder

Es ist ein milder Frühlingstag in Graz. Vorsichtig blinzelt die Sonne durch die Wolken. Aglaia Szyszkowitz – ihr Vorname bedeutet übrigens „Die Strahlende“ – sitzt im Cafe Promenade, nippt an ihrer Limonade – und strahlt.

Ich musste hier in Graz quasi bei Null anfangen und mir ein neues Leben aufbauen. Es macht mich stolz, dass ich das mit Hilfe von guten Freundinnen und Freunden so gut hingekriegt habe und jetzt arbeitstechnisch wieder voll ausgelastet bin“, freut sich die Mimin und fügt schmunzelnd hinzu: „Die meisten Menschen sind zu feig, etwas zu verändern, auch wenn sie nicht glücklich sind. Das zumindest kann ich von mir jetzt nicht mehr behaupten.“

Die Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz blickt nachdenklich in die Ferne
In diesem Jahr steht Aglaia Szyszkowitz wieder viel vor der Kamera. Aber auch abseits davon ist sie voll ausgelastet. © KLZ / Stefan Pajman

Und jetzt leuchten ihre Augen wieder. Szyszkowitz gibt Kindern und Jugendlichen Schauspielunterricht, sie hat eine Coachingausbildung absolviert und coacht Künstler und Führungskräfte, sie ist in der Erwachsenenbildung tätig und steht wieder viel vor der Kamera. Und bei diesem Thema wird das Strahlen noch eine Nuance heller. Brandaktuell: Sie übernimmt eine Hauptrolle in einer deutschen Krimiserie. 30 Drehtage stehen im Sommer in Bayern an. „Im nächsten Jahr sind es sogar 60“, freut sich die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. Sie wird eine Kommissarin mimen. „Irgendwie ist das auch eine Rückkehr zu meinen Anfängen“, sagt Szyszkowitz. Denn mit ihrer Rolle als Kommissarin Jenny Berlin fing einst alles an.

Mit Heino Ferch vor der Kamera

Im März dreht sie an der Seite von Heino Ferch. In dessen Samstagabend-Krimireihe „Ingo Thiel“ übernimmt die Steirerin eine Episodenhauptrolle. Im April und Mai steht sie für „Die Toten von Salzburg“ vor der Kamera, im Juni für einen weiteren Altaussee-Krimi. Wenn sie von ihren Drehterminen erzählt, dann lächelt Aglaia Szyszkowitz. „Spielen ist und bleibt meine größte Leidenschaft – was für ein Glück, dass ich das zu meinem Beruf gemacht habe.“

Eine neue Mitbewohnerin

Und auch wenn sie ihr neues Leben nach wie vor immer wieder herausfordernd findet, alleine ist sie aber mittlerweile nicht mehr, wie Aglaia Szyszkowitz verrät. Zum einen gibt es da Kater Nepomuk. „Und ich habe seit Kurzem eine sehr sympathische Mitbewohnerin, eine Kunstgeschichtsstudentin aus der Oststeiermark. Sie ist 22 und ich lerne täglich von ihr.“ Und dann sagt sie noch etwas. „Jetzt bin ich so gut aufgestellt, dass ich weiß, dass mein Leben funktioniert – in jeder Hinsicht. Zum ersten Mal seit 34 Jahren habe ich die Freiheit, zu machen, worauf ich Lust habe. Ich bin endlich unabhängig und langsam lerne ich diesen Zustand zu schätzen und zu genießen“, freut sich Aglaia Szyszkowitz. Und man freut sich mit ihr.