Das Jahr war noch jung, als sich die Tragödie ereignete. An einem kalten Wintermorgen fällt ein 57-jähriger Steirer eine Buche, rutscht dabei am eisigen Hang ab und stürzt samt Baum in einen 15 Meter tiefer gelegenen Bach. Der Notarzt kommt, aber die Verletzungen sind zu schwer. Wenige Tage nach dem Unfall – am 3. Jänner verstarb der Mann aus dem Bezirk Weiz im Krankenhaus.

Der Unfall ist kein Einzelfall – das zeigt der Blick in die Vergangenheit und in die Gegenwart. Im Jahr 2024 starben in der Steiermark 14 Menschen bei Forstunfällen, in keinem Bundesland war die Fallzahl höher. Im Jahr 2025 ging die Anzahl der tödlichen Unfälle zurück, bis Oktober 2025 wurden in der Steiermark zwei gemeldet. Der Wald bleibt dennoch gefährlich. Just diesen Sonntag verunglückte ein 56-Jähriger aus Unzmarkt-Frauenburg bei Arbeiten im Wald. Ein Baumstamm verselbstständigte sich, geriet ins Rutschen und riss den Mann um. Auf der sieben Kilometer langen Forststraße bahnten sich Einsatzkräfte vom Roten Kreuz und der Polizei vorsichtig den Weg zum Schwerverletzten. Vom Notarztteam versorgt, liegt der Mann mittlerweile im LKH Judenburg.

Jeder Forstunfall ist vermeidbar

Klar ist: Jeder Fall ist einer zu viel. Und: Jeder ist vermeidbar, sagt Stefan Zwettler, Leiter der Abteilung Forst und Energie in der steirischen Landwirtschaftskammer. „Es geht darum, dass Forstarbeiten wirklich Profis überlassen werden, die die richtige Schutzkleidung tragen und sich den Gefahren auch bewusst sind“.

Forstarbeiten – das heißt Schwerarbeit und es heißt das Hantieren mit großen Kräften sowie noch größeren Spannungen. In dem Moment, in dem die Motorsäge das Halteband durchtrennt, sind im Holz Spannungen aufgebaut, die auf Fingernagelgröße dem Gewicht eines Kleinwagens entsprechen. Zwettler sagt: „Arbeiten am Stamm können auch schnell, wie ein Katapult wirken.“

Der Winter als Herausforderung

Die kalte Jahreszeit ist besonders gefährlich. Das zeigen auch Zahlen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Im Durchschnitt ereignen sich knapp ein Viertel der Forstunfälle in den Wintermonaten. Glatte Flächen, schlechte Sichtbedingungen und die Witterung allgemein tragen in dieser Zeit erheblich zur Unfallhäufigkeit bei. Hinzu kommt: Die schlechte Witterung verzögert die Zufahrt von Rettungskräften manchmal um Minuten – Minuten, die entscheidend sein können. Zwettler sagt: „Forstarbeiten alleine im Wald sind lebensgefährlich.“

Stefan Zwettler
Stefan Zwettler © Alexander Danner

Der Winter ist aber nicht nur die gefährlichste Zeit, sondern für Forstarbeiten oftmals auch die entscheidende Zeit. „In einem Monat kommt der Borkenkäfer, umso wichtiger ist, dass jetzt schon viel Holz aus dem Wald geschafft wird“, sagt Zwettler. Die Unwetter der vergangenen Woche verstärken den Handlungsbedarf zusätzlich. Abbrechende Äste oder verschneite Baumkronen sind eine Gefahr – für Spaziergänger, Waldbewohner und Forstarbeiter.

Die steirische Landesregierung ist sich der Gefahr bewusst. Das Land fördert demnach seit Jahren die Anschaffung von Schutzausrüstung. Hinzu kommt ein Sicherheits-Hunderter, der von der Sozialversicherung ausbezahlt werden kann. Der steirische Wald soll so sicherer und Tragödien vermieden werden.