Eine gute halbe Stunde dauerte der Überfall auf die Filiale der Steiermärkischen Sparkasse in der Stattegger Straße in Graz-Andritz am Mittwochnachmittag. Für die fünf Angestellten, die mit Klebeband an Sessel gefesselt von einem bewaffneten Räuber in Schach gehalten wurden, muss es sich noch deutlich länger angefühlt haben.

Als der mit strohblonder Perücke, schwarzer Schirmkappe, randloser Sonnenbrille und FFP2-Maske maskierte Mann kurz vor 15.45 Uhr von einer Angestellten in die Bank gelassen wurde, gab es schon lange keinen Kundenverkehr mehr. Einigen der Mitarbeiter kam der nervös wirkende „Kunde“ allerdings bekannt vor. Tatsächlich war er schon zu Wochenbeginn in ähnlicher Aufmachung in der Filiale gewesen – nur um diese unter einem Vorwand auszukundschaften, wie sich herausstellen sollte.

Angestellte wurden an Bürosessel gebunden

Diesmal schob der Unbekannte einen Zettel mit dem Wort „Überfall“ über das Pult, bedrohte die drei Frauen und zwei Männer mit einer Pistole, kassierte deren Handys ein und drängte sie in ein Büro. Dort nötigte der Räuber eine Mitarbeiterin unter vorgehaltener Waffe, ihre Kolleginnen und Kollegen mit Klebeband an deren Bürosesseln zu fixieren und schließlich auch noch Wollhauben über den Kopf zu ziehen.

Bevor er auch die fünfte Angestellte fesselte, sollte diese dem Täter den Tresor öffnen. Das gelang ihr aber erst mit Hilfe eines Kollegen, der dafür vorübergehend von seiner Fixierung befreit wurde. Schließlich machte sich der Mann an den Kundenschließfächern zu schaffen. Ihm gelang es allerdings nur, einige wenige davon aufzubrechen. Auch dabei soll er sich nicht gerade geschickt angestellt haben. Die Beute (die Höhe ist unbekannt) packte er in eine große schwarze Sporttasche mit Rollen, danach verschwand er in unbekannte Richtung. Erst nach einiger Zeit konnten sich die Angestellten selbst befreien und Alarm schlagen.

Der Täter dürfte kein Profi gewesen sein

Der Überfall weist einige Parallelen zu jenem kurz vor Weihnachten auf, als ein Räuber mit Latexmaske in der Raiffeisenbank in der Grazer Zinzendorfgasse zuschlug. Auch dieser kam außerhalb der Öffnungszeiten, ließ sich enorm viel Zeit und hatte es ausschließlich auf die Kundenschließfächer abgesehen. Auch die Statur würde passen. Doch im Gegensatz zum Täter von Mittwoch dürfte das ein Vollprofi gewesen sein, glauben die Ermittler. Außerdem sei die Vorgehensweise etwas anders gewesen. Doch so lange beide Fälle nicht geklärt sind, lässt sich ein Zusammenhang nicht ganz ausschließen.

Es mag also nur Zufall sein, dass nach sieben Wochen schon wieder ein Bankräuber in Graz zuschlug. Denn in den beiden Jahren zuvor hatte es in der Steiermark jeweils nur noch einen Banküberfall gegeben. „Es zahlt sich einfach nicht mehr aus“, heißt es bei der Polizei. Denn beinahe jeder Überfall werde früher oder später geklärt.