Ein bisschen verdutzt wirkt der 16-Jährige schon, wie schnell man vor Gericht kommen kann. Dabei ist sein rasantes Tempo der Grund der Aufregung. Weil seine Freunde auch einen hatten und er unbedingt dazugehören wollte, kaufte sich der Schüler mit dem Geld vom Ferialjob einen E-Scooter, der offenbar von Haus aus schneller ging als die erlaubten 25 km/h. Den Rest dürfte der technisch Begabte selbst erledigt haben. Mit 70 Sachen war er angeblich unterwegs, als die Polizei ihn aufhalten wollte.
Schuldig? „Ja, es stimmt so“, gesteht er kleinlaut gegenüber Richter Raimund Frei. Es war laut Polizeibericht eine „wilde Verfolgungsjagd“, es hätte alles noch viel schlimmer enden können. Erst stellte sich der Fahrer des Streifenwagens quer. „Ich hab dann aber schnell zurückgesetzt, um eine Kollision zu verhindern, damit er sich nicht verletzt.“
Zum Glück weit langsamer erfasste er dann einen Beamten und stieß ihn um. „Ich habe mich am Lenker festhalten können, sodass ich nicht mit dem Kopf aufgeknallt bin“, sagt der Polizist, der Schürfwunden davontrug, dem reumütigen jungen Mann aber nichts nachträgt. „Nein. ich will kein Geld von ihm.“
„Warum sind Sie überhaupt davongefahren?“, fragt der Richter. – „Ich hatte Angst, dass mir der Scooter weggenommen wird.“ Das hat inzwischen der Papa erledigt: „Wir haben ihn nach Ungarn verschenkt.“
Ein Schuldspruch wegen versuchten Widerstands, versuchter Nötigung und Körperverletzung klingt mehr als beeindruckend – wird aber „unter Vorbehalt der Strafe“ ausgesprochen. Heißt: Nur wenn er wieder etwas anstellen sollte, wird eine Strafe ausgesprochen. Vorerst bleibt er unbescholten und Fußgänger.