Auf dem Grazer Leonhardfriedhof spielten sich am Mittwochnachmittag unfassbare Szenen ab. Eine 73-jährige Grazerin hatte das Grab ihres verstorbenen Ehemannes besucht, als sie direkt am Grab von einem unbekannten Mann attackiert und schwerst verletzt wurde. Der Täter fügte der Pensionistin mit einem Stanleymesser Schnittverletzungen am Hals und im Gesicht zu und flüchtete danach.

Die Attacke dürfte sich gegen 16.40 Uhr zugetragen haben. Unmittelbare Zeugen für die Tat gibt es keine. Zwei Friedhofsbesucher fanden die schwer verletzte Frau einige Zeit später. Sie war zu diesem Zeitpunkt noch ansprechbar, konnte aber im Schock keine genauen Angaben zum Täter machen. Die Frau wurde vom Roten Kreuz mit lebensgefährlichen Verletzungen ins LKH-Uniklinikum eingeliefert, sie wurde noch am frühen Abend notoperiert. Sie befinde sich weiterhin in intensivmedizinischer Behandlung, ihr Zustand sei mittlerweile stabil, so die Polizei am Donnerstag.

Keine Täterbeschreibung, Polizei setzt Suchhunde ein

Eine sofort eingeleitete Fahndung brachte keinen Erfolg, was auch an der kaum vorhandenen Täterbeschreibung liegt. Fest steht nur, dass die Attacke von einem Mann durchgeführt worden war. Am Tatort wurden Teile der Klinge eines Stanleymessers sichergestellt, die im Zuge der heftigen Attacke abgebrochen sein dürften.

Am Donnerstagvormittag suchte die Kriminalpolizei am Friedhofsareal nach Spuren, dabei wurden auf den schmalen Wegen zwischen den Gräbern auch Suchhunde eingesetzt.

„Das ist erschreckend, das ist eigentlich ein Hort des Friedens“, zeigte sich eine Friedhofsbesucherin über die Nachricht erschüttert, Angst verspüre sie deshalb aber nicht. Gerne spaziere sie über den Leonhardfriedhof, am Vormittag habe sie sich noch auf eine Bank gesetzt - „Heute ist es so schön still.“ Friedhofsverwaltung und Pfarre wollten keine Stellungnahme abgeben.

Polizei sucht dringend nach Zeugen

Über Motiv und Hintergründe der Bluttat gibt es derzeit nur Spekulationen. Erhebungen im Umfeld des Opfers brachten keine Ansatzpunkte, so Polizeisprecher Heimo Kohlbacher zur Kleinen Zeitung. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die 73-Jährige nur zufällig Opfer wurde – möglicherweise eines psychisch Kranken.

Ermittelt werde jedenfalls wegen versuchten Mordes. Das Landeskriminalamt (LKA) Steiermark sucht dringend nach Zeugen. Wer etwas Verdächtiges wahrgenommen hat, kann sich jederzeit unter den Nummern 0 59 133 60 -3333 (LKA-Journaldienst) oder dem Notruf 133 melden.