Der polizeiliche Einsatz gegen den globalen Drogenschmuggel ist und bleibt ein Kampf gegen Windmühlen. „Die Täter sind international bestens vernetzt, gut strukturiert und hochflexibel“, skizziert der Ermittlungsbereichsleiter gegen Suchtmittelkriminalität, Erich Schnedl vom Landeskriminalamt. Aber wie finden die Suchtmittel ihren Weg eigentlich in die Steiermark? „Es gibt ein Überangebot an Kokain aus Südamerika, das über große die Häfen in Belgien, den Niederlanden, Spanien und an der Adria, etwa via Koper, nach Europa gelangt.“

Das ist auch der Hintergrund des Comebacks des weißen Pulvers (wir berichteten). Ist der Stoff einmal auf europäischem Boden, haben die Täter leichtes Spiel. Transport und Verteilung im EU-Schengenraum sind meist ohne großes Risiko von Kontrollen abzuwickeln. Schnedl: „Die kroatische Grenze zu Bosnien ist inzwischen ja auch Schengen-Außengrenze.“ Von dort weg gibt es quasi freie Fahrt quer durch Europa.

Cannabis kommt via Balkanroute nach Österreich

Die Polizei hält ihrerseits mit intensiver internationaler Vernetzung und der Kraft von Europol dagegen, um der Drogenmafia die Stirn zu bieten. Schnedl: „Aber unsere Erfolge, also Sicherstellungen großer Drogenmengen, wirken sich allenfalls vorübergehend auf den Preis aus.“ Gibt es solche großen Ausfälle reagiere die Szene eben hochflexibel und schaffe die Suchtmittel von anderen Häfen herbei. Während Kokain aus Südamerika den Weg eher von Spanien oder Belgien und den Niederlanden zu uns findet, kommt Cannabis vor allem über die Balkanroute ins Land, wo ja auch große Plantagen betrieben würden.

In Südosteuropa ist der Drogen-Hotspot in Sachen Cannabis. Solche Hanfplantagen gebe es aber auch in Ostösterreich, dort aber ebenfalls meist von Tätergruppen aus dem Balkan. Schnedl: „Die geografische Lage spielt hier immer eine wichtige Rolle. Der große Grenzübergang Nickelsdorf begünstige dort die Lage, so wie auch die Achse von Belgrad nach Wien.

Die Drogen-Hotspots in der Steiermark

Die Frage der Lage spielt auch in der Steiermark eine Rolle. Als steirische Drogen-Hotspots hat die Exekutive besonders die Räume Graz und das Leibnitzer Feld im Auge. Hier begünstigen die Ballungsräume, aber auch die Balkanroute das Geschäft. Von Leoben zieht sich ein weiterer Hotspot-Raum via Bruck-Kapfenberg bis nach Mürzzuschlag: „Hier ist es geografisch die Achse Graz-Wien, die Drogengeschäfte begünstigt.“ Die meistkonsumierten illegalen Substanzen - bundesweit und auch in der Steiermark - sind Cannabis und Kokain, wie auch das Abwassermonitoring belegt (wir berichteten). Schnedl betont, dass die Suchtmittel-Beschaffung längst auch abseits urbaner Räume kein Problem mehr sei: „Man bekommt alles - und das bis in den letzten Winkel der Steiermark.“

Wo in Graz Drogendelikte zu verorten sind

Die Erfahrungen der Polizei vom Grazer Straßenmarkt zeigen aber, dass etwa in den Parks offensiv hauptsächlich mit Cannabis gedealt wird, manchmal gibt es inzwischen auch Kokain. Um an Heroin zu gelangen, müsse man schon eher Szenen-Kenner sein, meint der Grazer Drogenkoordinator Ulf Zeder. Er hat sich auch die Mühe gemacht die Anzeigenstatistik der Polizei bezüglich Suchtmitteldelikten einmal auf den Stadtplan umzulegen. und so die Drogen-Hotspots in der Stadt zu identifizieren. Da sind Cannabis-Delikte geballt in den Parks wie Volksgarten, Metahof- oder auch Stadtpark verortet. Die Opioidszene hält sich eher in der Innenstadt an einer einschlägigen Ecke auf. Aber eigentlich sind die Drogen-Delikte quer übers ganze Stadtgebiet verteilt.

Zahl der steirischen Drogentoten sinkt wieder

Den internationalen Drogenhandel jemals eindämmen zu können, sei eine Illusion, weiß der Kriminalbeamte Schnedl. Auch deshalb gehöre eine intensive Aufklärungs- und Präventionsarbeit nach wie vor zum Kampf gegen Drogen dazu. Die gute Nachricht von der Suchtmittelfront: Die Zahl der Drogentoten, die im Nachhall der Corona-Jahre massiv gestiegen ist, scheint sich wieder zu „normalisieren. In der Steiermark gab es 2019 gezählte 13 direkt drogenbezogene Todesfälle, also Überdosen. 2020 waren es 25, 2021 24 Fälle und 2023 sogar 26 Todesfälle. Für das heurige Jahr liegt man mit Ende November bei 12 Drogentoten, also etwa auf Vor-Pandemie-Niveau.