DopingHauke und Baldauf nach Geständnis auf freiem Fuß

Max Hauke und Dominik Baldauf sowie ein kasachischer Sportler gestanden laut Staatsanwaltschaft Innsbruck Eigenblutdoping.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Max Hauke und Dominik Baldauf
Max Hauke und Dominik Baldauf © APA/BARBARA GINDL
 

Max Hauke und Dominik Baldauf haben Eigenblutdoping gestanden und sind auf freien Fuß gesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck teilte in einer Aussendung am Donnerstag mit, dass die beiden namentlich nicht genannten ÖSV-Skilangläufer und ein kasachischer Sportler am Nachmittag enthaftet worden sind.

Das Trio sowie zwei estnische Langläufer waren am Mittwoch im Zuge einer Anti-Doping-Razzia gegen ein international agierendes Netzwerk im Rahmen der Nordischen Ski-WM in Seefeld in Tirol festgenommen worden.

Die beiden ÖSV-Läufer und der Kasache hätten umfangreiche Angaben gemacht, gab die Staatsanwaltschaft bekannt. Da nach dem derzeitigen Ermittlungsstand nicht anzunehmen sei, dass die verdächtigen Athleten auf freiem Fuß die Ermittlungen beeinträchtigen würden, liegen keine Gründe für eine Untersuchungshaft vor, hieß es. Deshalb habe die Staatsanwaltschaft ihre Enthaftung angeordnet.

Bis zu drei Jahre Haft

Den fünf Sportlern drohen bis zu drei Jahre Haft. Sie könnten wegen des Vergehens des Sportbetrugs angeklagt werden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, Hansjörg Mayr. Doping selbst sei nach österreichischer Rechtslage nämlich nur strafbar, wenn man es bei jemand anderen anwendet. Wenn man sich als Sportler selbst dopt, sei das nach dem Dopinggesetz nicht strafbar. "Es gibt aber eben das Vergehen des Sportbetrugs", erklärte Mayr.

Auch sportrechtlich drohen Konsequenzen. Die österreichische Anti-Doping Agentur (NADA) wird als zuständiges Organ demnächst Disziplinarverfahren gegen die unter Blutdopingverdacht stehenden Hauke und Baldauf einleiten, kündigte die NADA an. Dem Duo droht eine Sperre von vier Jahren. Es könne aber auch sein, dass sie durch die Mitwirkung beim Aufdecken von Hintermännern als Kronzeugen eine Reduktion erhalten.

Die beiden estnischen Athleten sind laut Staatsanwaltschaft noch in Haft. Ihre Vernehmungen seien noch nicht abgeschlossen. Auch die beiden in Seefeld festgenommenen Komplizen des Sportmediziner würden vorerst in Haft bleiben, denn auch bei ihnen seien die Vernehmungen noch nicht abgeschlossen. Am Freitagvormittag soll in diesen vier Fällen über eine mögliche Verhängung der U-Haft entschieden werden.

Haftbefehl gegen deutschen Mediziner

Gegen den im Zusammenhang mit Doping-Razzien in Erfurt festgenommenen deutschen Sportmediziner ist dagegen ein Haftbefehl erlassen worden. Der Arzt werde nach einem Termin beim Ermittlungsrichter in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht, sagte ein Sprecher des Erfurter Amtsgerichtes am Donnerstag.

Der Mediziner Mark S. war am Vortag ebenso wie ein mutmaßlicher Komplize in Erfurt festgenommen worden. In dessen Praxis sollen neben Ski-Langläufern nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" auch Fußballer, Schwimmer, Radsportler, Handballer und Leichtathleten behandelt worden sein. "Es werden sicherlich auch noch andere Sportarten betroffen sein", hatte am Mittwoch Dieter Csefan vom österreichischen Bundeskriminalamt (BK) gesagt und von einem weltweit agierenden Netzwerk und einer "kriminellen Organisation" gesprochen.

Schon früher belastet

Dem Sportmediziner aus Erfurt war in seiner früheren Rolle als Radsport-Teamarzt schon die Verwicklung in Doping-Praktiken vorgeworfen worden. Er hatte dies stets bestritten, nachdem er vom ehemaligen Rad-Dopingsünder Bernhard Kohl schwer belastet worden war.

Dem verhafteten Mediziner droht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Sollte dem Arzt und seinen mutmaßlichen Komplizen in der Causa ein gewerbs- oder bandenmäßiges Delikt nachgewiesen werden, sieht das 2015 verabschiedete deutsche Anti-Doping-Gesetz einen Freiheitsentzug von einem bis zu zehn Jahren vor.

In Österreich wurde indes Kritik am Umgang mit der Doping-Causa laut. Der österreichische Anti-Doping-Experte Wilhelm Lilge hält es für unglaubwürdig, dass das enge Betreuungsumfeld von Eigenblut-Doping betreibenden Athleten nichts von den Manipulationen mitbekommt. "Das ist lächerlich, die Leute werden für blöd verkauft. Es ist undenkbar, dass Trainer, die immer dabei waren, nichts mitbekommen haben", sagte Lilge. Die abrupte Leistungssteigerung von Eigenblutdoping sei so signifikant, dass Betreuer das registrieren müssten.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

Thetis
0
1
Lesenswert?

diese kollektive empörung

ist sowas von verlogen. gibt es tatsächlich jemand der glaubt, dass solche leistungen über viele wochen alleine durch viel training möglich sind? die wortspenden von trainern und funktionären sehe ich als selbstschutz derer und sind einfach nur zum kotzen. mir tun die erwischten sportler wirklich leid.
und überhaupt die razzia mit der kobra! stand ein terroranschlag bevor? wurde eine familie verprügelt? bis zu 3 jahre haft drohen! außer, dass die uns belogen haben, haben sie nur ihrer eigenen gesundheit geschadet! sportbetrug! wer kam hierbei zu schaden? für eine vergewaltigung gibts 4 monate und dafür sind 3 jahre möglich??? wo bleibt die verhältnismäßigkeit?

beobachter2014
5
17
Lesenswert?

Strafe

Der, der das Video weiter gegeben und die Journalisten, die es ins Netz stellen, werden hoffentlich auch angeklagt und verurteilt! Datenschutz, Verletzung der Intimsphäre ..... ganz abgesehen vom menschlichen Aspekt!
Die haben mehr verbrochen als die beiden Sportler!
Dazu wird auch noch die Kommentarfunktion entfernt (daher mein Kommentar hier)! Werden wohl zu viele die Medien kritisiert haben ....

plolin
2
3
Lesenswert?

Das Video ist ein Wahnsinn !

Die menschliche Würde ist unantastbar.
Sollte man meinen. Als ich das besagte Video sah, bekam ich Gänsehaut . Plötzlich tat mir der "Täter", ein sonst sympathischer, junger Bursche, unendlich leid. Frage an die Medien: Musste das sein?

FCQEBB6DRV2U5205
3
9
Lesenswert?

mittlerweile

haben ja sämtliche Medien mitgezogen, auch der ORF. meiner Meinung nach verstößt das Video schon gegen einen Teil von Punkt 1 des Pressekodex. - Wahrung der Menschenwürde. Absolut traurig sowas.

"Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. "

HPIK1RXCA6MZ63IL
5
14
Lesenswert?

Ich bin auch ein Kritiker

der Dopingsünder, aber das geht wohl über jedes Maß hinaus. Eine unglaubliche Fehlleistung. Hoffentlich greift der Chefredakteur energisch durch und versetzt die Verantwortlichen.

fwe81
8
9
Lesenswert?

Lächerlich

Ohne Doping hätten es die zweitklassigen Langläufer nie in interessante Medien geschafft... 😂😂😂

DoNuT_1985
4
22
Lesenswert?

Sündenbock gefunden?

Und wieder hat man die zwei Buhmänner, über die man sich empören kann und kommod drauf eindreschen, bis sich der erste Sturm gelegt hat.

Allerdings: bei 6 (!) Einzelfällen seit 2002 alleine im ÖSV/Nordisch frag ich mich schon, ob es wirklich genügt, sich als "Opfer" darzustellen, ein paar unhaltbare Köpfe rollen zu lassen und dann wieder zur Tagesordnung überzugehen.

Natürlich kann man seine Athleten nicht 24 Stunden lang überwachen und Kasernierung während eines Bewerbs ist zwecks der Moral wohl auch nicht förderlich, aber etwas mehr als "Sensibilisierung" und Kooperation mit Anti-Doping-Agenturen kann man wohl machen - könnte der ÖSV nicht selbst kontrollieren, Leistungsdiagnostik mit Blutabnahmen werden wohl oft genug gemacht, eine Übererfüllung der Pflichtproben wäre wenigstens mal ein Signal, dass man Interesse daran hat, nicht nur als Verband "supersauber" dazustehen.

Die Trotzreaktion Schröcksnadels, den Langlauf quasi zu stutzen und eher im Breitensport aufzustellen, hört sich auch eher nach Resignation als nach einem richtigen Plan dagegen an, spätestens 2022 wieder erwischt zu werden.