Charly KahrMissbrauchsvorwürfe gegen Schladminger Ski-Legende

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wurden nun neue Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Schladminger Charly Kahr bekannt. Ehemalige Athletinnen von Kahr beschuldigen den Ex-Damentrainer der Übergriffe.

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Charly Kahr war einer der erfolgreichsten ÖSV-Trainer
Charly Kahr war einer der erfolgreichsten ÖSV-Trainer © (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Michael Riedler)
 

Nach der Diskussion um Ski-Legende Toni Sailer und der sexuellen Missbrauchs-Debatte um und im ÖSV wurden nun neue Vorwürfe laut. Eine ehemalige ÖSV-Athletin, die anonym bleiben will, äußert in der "Süddeutschen Zeitung" Vorwürfe gegen den Schladminger Ex-Trainer Charly Kahr (86).

Die Zeitung veröffentlicht den Vergewaltigungsvorwurf auf ihrer Homepage wie folgt: "Ich habe schon geschlafen, da ist Kahr auf einmal ins dunkle Zimmer gekommen und hat mich vergewaltigt. Ich habe ihn erst bemerkt, als er schon auf mir lag. Er war ganz sicher nicht betrunken. Ich hätte mich wehren sollen. Aber das traust du dich in dem Moment nicht. Er war mein Trainer, du hast zu ihm aufgeschaut als 16-jähriges Mädchen. Der Trainer hat ja immer eine besondere Rolle für die Jugend. Ich war jedenfalls total geschockt, da kannst du nicht um Hilfe rufen. Ich bin einfach dagelegen, habe keine Reaktion gezeigt. Er hat auch nichts gesagt, es hat sich alles im Dunkeln abgespielt. Ich hatte zum Glück keine Verletzungen. Aber ich habe die ganze Nacht geweint. Ich war ein junges Mädchen, ein bisschen dumm und unerfahren, da hat er diese Situation natürlich ausgenutzt."

Medienberichten zufolge sollen noch mehr Ex-Rennläuferinnen Vorwürfe gegen ihn erhoben haben. Generell wird von bis zu 50 Jahre zurückliegenden häufigen Vorfällen seitens einiger ÖSV-Betreuer gesprochen. Kahr war von 1966 bis 1970 ÖSV-Damentrainer, danach coachte er das Herrenteam erfolgreich, unter ihm wurde auch Franz Klammer 1976 Olympiasieger.

Eine zweite Ex-Skirennläuferin erklärte ebenfalls in einer eidesstattlichen Erklärung, dass Kahr sie im Winter 1976 im Rahmen des Weltcups in Quebec vergewaltigen wollte. Sie sei vom damals bereits als Herren-Cheftrainer arbeitenden Steirer mit den Worten "Heut' kommst du dran!" in ein Zimmer gezerrt worden, habe aber ins Bad flüchten können, wo sie sich einsperrte und später flüchtete. Kahr sei damals wie der ebenfalls im Zimmer anwesende Toni Sailer schwer betrunken gewesen. Die Betroffene hatte ihre Geschichte schon im November im "Standard" erzählt, damals ohne Namen zu nennen.

Anwalt weist die Vorwürfe zurück

Weiters befragte die Zeitung Kahr, der über seinen Anwalt Manfred Ainedter folgendes veröffentlichte: "Namens und auftrags meines Mandanten habe ich Ihnen mitzuteilen, dass die gegen meinen Mandanten erhobenen Vorwürfe samt und sonders aus der Luft gegriffen sind und kein einziger der von Ihnen genannten Vorfälle jemals stattgefunden hat."

Kahr selbst äußerte sich später gegenüber der Kleinen Zeitung persönlich und sichtlich zerknirscht: "Mir bleibt nichts erspart. So etwas brauchst im Leben und das mit 86 Jahren...".

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Danke für Ihr Verständnis.

Sepp57
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Mittlerweile haben

sich die Hinweise so verdichtet, dass die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass da doch was dran ist.
Wenn es stimmt, müssen die zur Verantwortung gezogen werden, egal ob es "Legenden" sind oder nicht. Solche Legenden brauch ma net . .

HPIK1RXCA6MZ63IL
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Nomen est Omen

Spät, aber doch noch: Downhill - Charly!

Oberwoelzer
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ÖSV,

Ich verurteile solche Taten inbesondere an abhängigen Jugendlichen auf das schärfste und sollten diese Taten bewiesen werden gehören die Täter ohne Rücksicht auf Rang und Namen verurteilt.Die Frage stellt sich warum haben die Betroffenen Skidamen die aus Angst um ihre Karriere die Taten verschwiegen haben,aber nach ihrer Aktiven Zeit hätten sie ihr Stillschweigen brechen können und nicht 40 Jahren warten .Wie es scheint steht hinter dieser Sache ein System das nicht nur die Beschuldigte sondern auch den ÖSV schaden will........

HPIK1RXCA6MZ63IL
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@Oberwoelzer

Zum Zeitpunkt des Ausscheidens aus dem Rennsport waren alle diese Sportler noch jung und mussten sich auf eine berufliche Karriere nach dem Sport konzentrieren. Und da der Arm des ÖSV auch in dieser Hinsicht sehr lang gewesen sein könnte, wäre dieser Schritt womöglich nicht klug gewesen. damals war auch die juristische und gesellschaftliche Sensibilität diesbezüglich noch nicht so angespannt. Die eidesstattliche Erklärung einer Teamkollegin von der Betroffenen über den Vorfall informiert worden zu sein, ist schon starker Tobak für den Herrn Kahr. Aber er hat ja eh eine gewieften Anwalt genommen.

Genesis
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Alter schützt vor Strafe nicht

Wie bei den Verbrechern des 2. Weltkriegs oder sonst wo gilt dieser Leitsatz somit auch in diesem Falle. Ob damit (ausser den Medien) jemanden geholfen ist bleibt offen. Jedenfalls wird mir der ÖSV immer suspekter und erreicht dabei schon fast das tiefe Niveau des ÖFB.

dude
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An das Redaktionsteam!

Zeile 1 dieses Artikels: "Die POSSE um Ski-Legende Toni Sailer".
Wenn Sie die Berichterstattung darüber im Standard gelesen hätten, würden Sie diesen Fall nicht lapidar als Posse bezeichnen. Ganz egal ob Toni Sailer schuldig oder unschuldig war, ob er hineingelegt wurde oder sich nur einen "lustigen" Herrenabend machen wollte, eine Posse war diese Geschichte definitiv nicht!

fon2024
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andaman

zuerst Sailer jetzt Kahr der nächste wahrscheinlich der Hoppichler ,vielleicht fällt noch jemand ein nach 50 jahren zubeschuldigen.

dude
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Danke an das Redaktionsteam!

"Diskussion" paßt wesentlich besser!

Sicherheitsfachkraft
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Wirklich alles was hier in me too angeprangert wird, ist, wenn es wahr ist sehr , sehr schlecht und nicht Nachzuvollziehen!

Jedwede Übergriffe sind grundsätzlich auf das Strikteste abzulehnen. Jedwede übergeordnete Person (Lehrer, Trainer etc.) kann über seine Schutzbefohlenen nicht herrschen und sehr viele davon tun es auch nicht! Übergriffe gab und gibt es leider immer wieder, aber ich persönlich denke, dass diese me too Geschichte schön langsam, aber leider auch SICHER über das Maß hinausgeht! Ja, mir ist sehr wohl klar, dass sogar die ehemalige Frau Landeshauptmann Klasnik, neben sehr vielen anderen honorigen Personen für diese Übergriffe als Ansprechperson tätig ist, aber wäre es da nicht vielleicht viel Sinnvoller ....... "wenn siche ine anonyme Betroffene, vorher mit diesen loyalem Menschen in Kontakt setzt, bevor sie über die Medien, namentlich einen sehr geschätzten Mann des Österreichischen Skisports namentlich denunnziert?"

cleverstmk
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Traurig

auch wenn es lange zurückliegt ist es für betroffene ein furchtbares Erlebnis.
Denkmal hin oder her- Schröcknadel müsste endlich seine Haltung ändern und restlos aufklären. Für sein Zögern gibt es ohnehin nur eines: Rücktritt

dude
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Seien Sie nicht so streng, Clever...

... der Schröcksnadel kennt den Herrn Kahr wahrscheinlich nur ganz flüchtig und hat ihn nur ein paar mal im Vorbeigehen gesehen. So wie er auch sagte, daß er den Herrn Sailer nur ganz flüchtig von Kitzbühel kannte...

socke1
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Wenn es stimmt...,

dann soll das Schladminger Denkmal aber gewaltig zu wackeln und zu stürzen beginnen!
Sein Alter spielt dabei keine Rolle!

zyni
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Die Schilderungen sind für mich glaubhaft,

solch kriminelle Taten kann man nicht einfach so erfinden.

Buero
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So was brauchst

Nicht wenn du schon 86 bist, aber schon gar nicht, wenn du 16 bist und von einem solchen Schw .... abhängig. Und noch dazu in einer Zeit wo womöglich auch die Eltern auf der Seite der Mächtigen waren oder du dich nichts sagen getraut hast. Die Eltern: "Endlich hat es das Mädl ins Team grschafft und jetzt erfindets so blöde Sachen. Wie kannst DU uns so etwas antun ...." Ja, die Sportlerinnen standen damals unter grossem Druck von allen Seiten und vor allem alleine da. Bin auch von Charly Kahr enttäuscht. Es gilt die Unschuldsvetmutung. Ja und es muss alles auf den Tisch. Er hat es damals ja den Mädchen auch nicht erspart.

Paddington
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Es ist nie zu spät

Wenn es tatsächlich zu diesen Übergriffen gekommen sein sollte (es gilt die Unschuldsvermutung), dann ist es menschlich gesehen völlig egal, wie lange das her ist. Unrecht bleibt Unrecht.

nuramrande
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Auf den Punkt gebracht

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Jeder, der meint, dass derartige Vorfälle nach so vielen Jahren nicht mehr aufgewärmt werden sollten, sollte sich einmal in die Rolle der Opfer versetzen.

Buero
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Anonym heisst

Unerkannt vor den Gaffern und Sensationsgeilen. Vor Gericht ist sie bei ihren Aussagen eh nicht anonym. Ja, so sind die Trainer. Und ich denk ein paar Reporternamen werden auch bald dazukommen ...

plolin
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Wer behauptet das?

Warum anonym? Scheint so, als ob sämtliche Trainer und Betreuer böse Vergewaltiger sind bzw. waren.
Stellt sich wieder die Frage: warum erst jetzt?

checker43
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Warum

nicht? Es soll keiner die Hoffnung haben, dass die Jahre etwas zudecken.