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Anna GasserAnna Gasser "muss nicht unbedingt gegen Männer antreten"

Anna Gasser (27) gilt als Favoritin für „Österreichs Sportlerin des Jahres“. Abseits des Snowboards wurde die Kärntnerin längst zu einer Marke.

OeSV EINKLEIDUNGSPRAeSENTATION: GASSER
© APA/EXPA/JOHANN GRODER
 

Freestyler lassen sich nicht gerne reglementieren. Weil die Kreativität verloren gehen könnte. Wie schaffen Sie diese Ambivalenz, stylisch zu sein und gleichzeitig viele Sponsorverpflichtungen zu erfüllen?
ANNA Gasser: Sie ermöglichen es mir ja erst, dass ich so snowboarden kann. Ich müsste sonst arbeiten, statt auf dem Brett zu stehen. Für mich ist diese Unterstützung ein Segen.

Inwiefern?
Ich muss im Winter schon darauf achten, mich nicht ablenken zu lassen. Aber die Sponsoren ermöglichen es erst, dass ich Trainings besser gestalten kann. Ich kann mir Ski-Doos leisten oder Trainings in Australien. Es gibt also eine positive Kehrseite der Medaille.

Wie behalten Sie den Überblick?
Ich habe nach Olympia erkannt, dass alles extrem viel wird, wenn sich niemand um all diese Dinge kümmert. Mit Sani Alibabic habe ich den perfekten Berater gefunden.

Der Sprung „Cab Double Cork 900“ hat Sie weltberühmt gemacht, mit dem 1080er haben Sie Olympia-Gold geholt. Welcher Trick kommt jetzt?
Im Sommer war ich leider verletzt. Insofern konnte ich weniger an neuen Sprüngen arbeiten. Aber ich habe einiges im Kopf. Vielleicht gelingt mir bald der Zwölfer, also der 1260er.

Das bedeutet?
Zwei Salti und dreieinhalb Drehungen um die eigene Achse. Also verkehrt abspringen und landen. Das heißt, hoffentlich landen.

Wer bringt Sie eigentlich auf solche Ideen?
Die Männer (lacht). Ich muss zugeben, dass ich viele Videos von ihnen studiere. Es gibt ja Hunderte Möglichkeiten, wie man so einen Sprung ausführt. Es geht immer darum, den eigenen Stil zu finden.

Haben Sie Vorbilder?
Mein Freund Clemens (Millauer, Anm.) steht mir zur Seite. Und Mark McMorris, der wohl eine perfekte Technik besitzt. Ich versuche mir abzuschauen, was die Burschen mit Armen oder Kopf machen. In der Luft verliert man leicht die Orientierung.

Lindsey Vonn oder Serena Williams wollen sich gerne mit Männern messen. Sie auch?
Es ist schon ein Ansporn, dieselben Sprünge auszuführen. Aber ich muss nicht unbedingt gegen sie antreten.

Sie sind 2017, also vor der Goldmedaille bei Olympia, zu „Österreichs Sportlerin des Jahres“ gewählt worden. Heuer also Formsache?
Bitte verschreien Sie das nicht.

Okay, anders gefragt: Was bedeutet Ihnen die Nominierung?
Alle Nominierten haben tolle Leistungen gezeigt. Es wäre aber schon cool und eine Riesenehre, wenn es klappen würde.

Ist es in einer Saison ohne Olympia schwieriger, Ziele zu definieren?
Seit ich Snowboard fahre, wollte ich immer, so gut es geht, snowboarden. Die Bewerbe waren ja immer nur der Zuckerguss. Es klingt abgedroschen, aber mein Ziel ist immer, besser zu werden.

Interviews, Fotoshootings, Titelstorys – haben Sie Angst, irgendwann nicht mehr im Fokus zu stehen?
Das ist nicht der Grund, warum ich snowboarde. Ich habe immer den Sport im Mittelpunkt gesehen. Daher kann ich gut damit umgehen, wenn sich die Nachfrage nach mir einmal ändert.

Snowboarden ist ja eine Lebenseinstellung. Haben Sie Angst vor dem Leben nach der Karriere?
Zu den Jungen gehöre ich ja nicht mehr, stimmt. Bis zu den nächsten Olympischen Spielen bin ich sicher noch dabei. Danach würde ich schon gerne in der Branche bleiben und vielleicht Snowboard-Filme drehen oder so.

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