Nach Indian Wells ist vor Miami – mit dem Masters-Turnier in Florida startet heute der zweite Teil des „Sunshine Swings“. Aus österreichischer Sicht fix mit von der Partie ist dank einer Wildcard nur Lilli Tagger. Die Lienzerin, die in der Weltrangliste als Nummer 112 so gut wie noch nie steht und im U19-Ranking hinter Mirra Andrejewa (WTA-Nr. 10) und Iva Jovic (16) auf Position drei liegt, trifft zum Auftakt auf eine Qualifikantin. Bei einem Sieg würde die an Nummer elf gesetzte Russin Jekaterina Alexandrowa warten.. Über zehn Spielerinnen haben ihre Nennungen zurückgezogen – darunter neben Julia Grabher auch Emma Raducanu, Barbora Krejcikova und Emma Navarro.
Apropos Gesetzte: Im „Sunshine State“ auf Position 31 gereiht ist Alexandra Eala. Die 20-Jährige ist neben Jovic, Victoria Mboko, Maya Joint, Lois Boisson und Sara Bejlek einer jener jungen WTA-Sterne, die in der vergangenen Saison zu strahlen begonnen haben. Jener von Eala ausgerechnet in Miami, wo sie im Vorjahr als Nummer 140 der Welt mit einer Wildcard ausgestattet mit Siegen über die Grand-Slam-Gewinnerinnen Jeļena Ostapenko, Madison Keys und Iga Swiatek sensationell bis ins Semifinale vorstoßen konnte. Das hatte vor ihr noch keine Tennisspielerin der Philippinen geschafft.
Kein Wunder also, dass seit jenem Erfolg die Fans des asiatischen Inselstaates Kopf stehen. Das zeigte sich auch bei den heurigen Australian Open, als Eala in der ersten Runde zwar gegen Alycia Parks verlor, ihr Match auf Court sechs aber für viel Gesprächsstoff sorgte. Tausende philippinische Anhänger hatten den Melbourne Park gestürmt, die Warteschlange vor dem Zugang zu, Platz erstreckte sich über mehrere einhundert Meter. Ihre Pressekonferenz vor dem Turnierstart verfolgten online 171.000 User, bei Carlos Alcaraz waren es zum Vergleich 29.000.
Eala, die aus Rafael Nadals Akademie auf Mallorca stammt, gilt schon lange als Vorreiterin, nachdem sie 2021 als erste Filipina ein Match auf der WTA-Tour und 2022 als erste Filipina bei den US Open einen Juniorinnen-Grand-Slam gewinnen konnte. Heute liegt Eala, die es in Indian Wells bis ins Achtelfinale geschafft hat, bereits auf Position 29 der Weltrangliste. Kann sie in Miami ihren Lauf aus dem Vorjahr nicht wiederholen, droht ihr allerdings ein Rückfall um bis zu 20 Plätze.
Das werden die zahlreichen Fans des Inselstaats in Südostasien aber mit lautstarkem Anfeuern zu verhindern versuchen. Dass Eala aus ihrer Heimat so viel Zuspruch erfährt, verwundert kaum, sind die Philippinen doch nicht mit vielen Sportstars beglückt. Schafft man es jedoch ganz nach oben, ist einem ein Volksheldstatus garantiert. So wie etwa Box-Legende Manny Pacquiao, der auch noch Jahre nach seinem Rücktritt vergöttert wird. „Ich bin noch jung und lerne deshalb erst, mit all dieser Aufmerksamkeit umzugehen, bin aber gleichzeitig dankbar dafür“, sagt Eala, die ab 6. April in Linz aufschlagen wird, zu ihrer enormen Popularität. Den Umgang mit den philippinischen Fans müssen aber auch ihre Gegnerinnen erst lernen, erweisen sich diese doch als fanatisch, extrem laut und nicht immer der Tennis-Etikette entsprechend. Man kann es ihnen nur schwer verübeln ...