Es ist keine Seltenheit, dass der erste Aufschlag von Alexander Bublik mit 220 km/h oder mehr über die Netzkante pfeift. Es ist aber auch keine Seltenheit, dass der Kasache beim zweiten Service kaum bis nichts von diesem Tempo herausnimmt. Aus dieser Risikobereitschaft ergibt sich die logische Folge, dass der gebürtige Russe (er wechselte Ende 2016 die Nationalität) auf der ATP-Tour gemeinsam mit Denis Shapovalov die meisten Doppelfehler fabriziert. Durchschnittlich sind es heuer 6,1 pro Match.
Es ist auch keine Seltenheit, dass Bublik gerne einmal von unten aufschlägt, Tweener, Stopps oder Lobs einbaut und sich damit als beliebter Tennis-Entertainer längst einen Namen gemacht hat. Zumindest unter den Fans, seine Kontrahenten sehen das mitunter ein bisschen anders. Eine Seltenheit ist es allerdings, dass der 27-Jährige Erfolge auf Sand feiert. Seine bisherigen vier Turniersiege fixierte der 1,96-Meter-Hüne seinem Spielstil gemäß allesamt auf schnellen Belägen. Umso mehr erstaunt nun nach dem Viersatzsieg über Jack Draper der Viertelfinal-Einzug bei den French Open, wo es am Mittwoch gegen den topgesetzten Jannik Sinner geht. Für den Weltranglisten-62. wird dieses Match eine Draufgabe, eine Belohnung. „Hier im Viertelfinale zu stehen, ist ein unglaublich emotionaler Moment“, strahlte Bublik nach seinem Premieren-Ticket für die Runde der letzten Acht bei einem Grand Slam.
Und wie tickt der Kasache? „Tennis bestimmt nur 50 Prozent meines Lebens, der Rest gehört meiner Familie und Freunden. Daher habe ich Defizite und muss mit den Werkzeugen, die mir zur Verfügung stehen, auskommen. Und daher sind Siege wie gegen Jack eine Seltenheit“, spricht Bublik ganz offen über seine Einstellung. Nachsatz: „Wenn es heißen würde, du gewinnst ein Grand Slam, kannst mit 40 aber nicht mehr richtig gehen, verzichte ich auf den Titel.“ Einen Sieg gegen Sinner würde er am Mittwoch aber schon mitnehmen.