Die Euphorie hallte bei den 99ers noch lange nach dem Verlassen der Linzer Eisfläche. In einer hochspannenden letzten Runde des Grunddurchgangs stießen die Grazer den KAC, der sich mit Heimkehrer Marcel Witting verstärkt hat, noch vom Thron. Zum ersten Mal seit 2019 ist dieses Kunststück wieder gelungen und nur ein Spieler aus der damaligen Equipe feierte auch dieses Mal. „Es ist schon richtig cool. Aber dennoch ist es irgendwie anders als damals.“ 2019 hatte man mit so einem Coup überhaupt nicht gerechnet. „Das haben wir damals nicht so erwartet, es war absolut nicht im Plan,“ sagt Lukas Kainz. Dieses Mal war ein Spitzenplatz das Ziel und wie unter Doug Mason (70) wurde auch unter Dan Lacroix (56) die Champions League erreicht.
Für den Stürmer ist das der Lohn von zwei Jahren kontinuierlicher Arbeit: „Im Vorjahr, als wir zusammengekommen sind, haben wir sehr viel gelernt. Wir hatten da auch schon eine Mannschaft, mit der es möglich gewesen wäre, aber da haben ein paar Kleinigkeiten noch nicht so gepasst. Wir sind nun noch eingespielter, die Leute sind noch vertrauter und auch in der Kabine ist die Stimmung noch ein bisschen besser. Das ist das Alzerl mehr, mit dem du einfach noch erfolgreicher sein kannst.“ Damals warfen die Grazer, bei denen unter anderem auch Dwight King, Colton Yellow Horn oder Ty Loney spielten, Linz im Viertelfinale 4:2 raus und spielten dann gegen den KAC. Der spätere Meister gewann die Serie glatt 4:0.
Kainz spürt in der Mannschaft ein ähnliches Selbstvertrauen wie in der Saison 2018/19: „Es ist schwierig zu beschreiben, aber es ist so ein spezielles Gefühl in der Mannschaft. Auch wenn du einmal eine Partie verlierst, weißt du einfach, dass du die nächste gewinnst. Da gibt es gar keinen Grund, etwas in Frage zu stellen, zu zweifeln oder Panik zu bekommen.“ Auch im abschließenden Spiel in Linz agierten die Grazer kompakt und das vor allem auch im Rückzugsverhalten. „Dan hat seine Prioritäten und da gehört auch dazu, dass alle fünf Spieler denselben Gedanken auf dem Eis haben und als Einheit funktionieren. Das spricht er an, wenn es nicht so ist. Ganz egal, ob es die erste Linie ist mit den Topscorern oder die Vierte ist. Das macht es auch für alle einfacher, wenn du das Vertrauen darin hast, dass es jeder macht.“
Kainz erkennt durchaus Parallelen zwischen Mason und Lacroix: „Beiden ist es wichtig, dass wirklich alles passt. Nicht nur auf dem Eis. Dass jeder zufrieden ist und die Stimmung innerhalb der Mannschaft gut ist. Dass wir zusammenwachsen und zusammenhalten. Sportlich haben beide einen Plan und wollen den auch umgesetzt haben. Es weiß dann aber auch jeder einzelne, was zu tun ist.“
Der aktuelle Kader der Grazer ist nicht nur eingeschworen, sondern auch bereit, und so wird der eine oder andere Spieler im Play-off zusehen müssen. Da gilt es dann, das Ego hinten anzustellen. „Ob dann alle damit umgehen können, wird sich zeigen. Wir hatten diese Situationen schon während der Saison und es ist jeder damit sehr gut umgegangen. Ich habe das Gefühl, dass keiner hinterfragt: Warum spiele ich nicht und er schon? Jeder weiß, dass er sich fit halten muss, wenn er nicht spielt und sich im Training reinhauen muss.“
Wunsch: ein österreichischer Play-off-Gegner
Wer sein Wunschgegner für das Play-off ist, will er nicht konkret beantworten. Immerhin gilt es ja noch das am Mittwoch beginnende Pre-Play-off abzuwarten. Aber: „Von der Stimmung her würde ich es cool finden, gegen eine österreichische Mannschaft zu spielen, was definitiv ein mögliches Szenario ist.“ Selbst Linz hätte nach der bitteren Serie im Vorjahr einen gewissen Charme. „Vielleicht täte es uns gut, wenn wir die Sache endgültig abschließen könnten.“ Dass die Mannschaft die Emotionen aus der verlorenen Rekordserie im Vorjahr gut unter Kontrolle hat, zeigte sie beim 3:1. „Natürlich waren da viele Emotionen dabei. Aber wir haben davor und auch im Spiel darüber nicht nachgedacht. Wir wollten nur unsere Arbeit erledigen.“
Das haben sie mit Platz eins auch formidabel getan. „Prinzipiell haben wir nichts gewonnen. Aber wir haben uns eine gute Ausgangsposition mit dem Heimvorteil im möglichen siebten Spiel über die ganzen Serien geschaffen. Der erste Pick und auch die möglichen Gegner im späteren Verlauf können Vorteile sein. Plus: Es gibt uns natürlich auch zusätzliches Selbstvertrauen.“