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Roman Weger: "In einer normalen Woche laufe ich 200 Kilometer"

Roman Weger, dominiert seit mehr als einem Jahrzehnt den Marathonsport in Österreich. Im Interview spricht er über Doping, physische Defizite und Olympia-Touristen.

© APA
 

Sie starten am Sonntag bei "Kärnten Läuft" - wie geht man mit der Gewissheit in ein Rennen, dass man der beste Österreicher wird?

ROMAN WEGER: Werde ich das? Wenn Erwin Kemboi, der gerade eingebürgert wurde, antritt, kann ich das abschreiben. Aber auch sonst kann man sich nie sicher sein. Natürlich bin ich nicht schlecht, aber während eines Rennens kann viel passieren und mit Christian Robin habe ich im Leichtathletik Club Villach einen starken Kollegen, der mich sicher fordern könnte. Im Training sage ich immer zu ihm: Du wirst immer stärker, ich immer schwächer - irgendwann treffen wir uns in der Mitte. "Kärnten Läuft" ist heuer eine Formüberprüfung für den New York City Marathon im November.

Was haben Sie sich für diesen Bewerb vorgenommen?

WEGER: In Amerika sind die Masters-Läufe, also jene für alte Kerle wie mich, besser dotiert. Im letzten Jahr kam der Sieger in meiner Altersklasse in 2:23 ins Ziel - das kann ich auch schaffen.

Wie sieht bei Ihnen eine Trainingswoche aus?

WEGER: In dieser Woche habe ich mich geschont, es waren rund 140 Trainingskilometer. Ich will heute schließlich eine Leistung erbringen. In einer härteren Woche sind es schon 200 Kilometer.

Wie viel müssen Sie essen, damit Sie jemals satt werden?

WEGER: (lacht) Das wunderte auch schon meinen Trainer, dass ich mit so wenig Nahrung solche Umfänge trainieren kann. Anscheinend kommt mein Körper mit sehr wenig Nahrung zurecht.

Und im Kopf müssen Sie nach all diesen Kilometern mit sich aber wirklich im Reinen sein.

WEGER: Alleine trainieren kann auf Dauer sehr mühsam werden. Aber mittlerweile habe ich Trainingspartner, mit denen ich beim Dauerlauf reden kann, Zwei, drei Mal pro Woche trainiere ich auch mit meiner, ähm, Freundin Sylvie. Und die Tempoeinheiten mache ich ohnehin seit 20 Jahren mit meiner Schwester. 50 Prozent meines Erfolges habe ich sicher ihr zu verdanken. Sie sitzt am Rad und spult genau die Zeiten runter, die ich ihr ansage. Und da muss ich nicht nachdenken. Ich schau', dass ich am Hinterrad bleibe.

Warum sagten Sie ,ähm Freundin'?

WEGER: Weil Frau vielleicht schon passender ist, wir heiraten im September.

Sie wurden heuer 40 - schon ans Aufhören gedacht

WEGER: Ehrlich gesagt: Ich fände es schade, jetzt aufzuhören. Ich bringe noch immer meine Leistungen, habe Spaß und die Verschleißerscheinungen hat jeder andere 40-Jährige auch. Der wesentliche Unterschied: Ich brauche mehr Zeit, um mich zu regenerieren. Was ich früher geschafft habe, ist jetzt undenkbar. In meinen 20er-Jahren habe ich neben dem Laufsport auch noch leistungsmäßig geklettert. Jetzt gehe ich es etwas ruhiger an.

Wie sind sie eigentlich zum Marathon gekommen?

WEGER: Über meinen Trainer, Hans Bachlechner, der heuer leider viel zu früh verstorben ist. Er hat mich dazu motiviert, weg von der Bahn und auf die Straße zu gehen. Auch aus dem einfachen Grund, weil ich mir hier ein Taschengeld verdienen konnte. Bei einer Wien-Marathon-Übertragung war ich 15 Minuten lang im Bild - welcher andere Leichtathlet in Österreich kann das von sich behaupten? Den ersten Marathon bin ich 1997 gelaufen - und irgendwann war ich unter der 2:20 Marke und habe beschlossen, mehr Zeit zu investieren.

Eine andere Sportart als Laufen hat Sie nie interessiert?

WEGER: Doch, kreuz und quer. Ich war bis zum 14. Lebensjahr ein guter Skifahrer - aber mit einer Körpergröße von 167 Zentimetern müsste ich breiter als höher sein, damit was weitergeht. Später bin ich dann geklettert, aber weil ich im Laufen Erfolge feierte, bin ich dabei geblieben. Und der Triathlon, zu dem viele wechseln, der ist aus mehreren Gründen nichts für mich. Die Szene ist nicht meine, ich schwimme zu schlecht und fürs Radfahren bin ich auch zu sehr Hendl, um die harten Übersetzungen zu treten.

Beim Blick ins Archiv haben wir viele Fotos von Ihnen gesehen - unter anderem mit Doping-Sünderin Susanne Pumper. Wie verseucht ist der Sport?

WEGER: Doping - ein schwieriges Thema. Man sagt immer: Es gibt nur ein paar schwarze Schafe. Ich sage immer: Nur ein paar werden erwischt. Podestplätze müssen nach Jahren wegen Doping korrigiert werden und manche Athleten bekommen Medaillen zuerkannt, obwohl sie mittlerweile selbst eine Dopingsperre absitzen. Daran erkennt man das eigentliche Dilemma des Spitzensports. Fakt ist, der ganze Weltklassesport ist ein Zirkus. Die Medien und das Publikum wollen Sensationen - schneller, höher, weiter. Niemand will Usain Bolt die 100 m in 10 Sekunden sehen, alle erwarten sich einen neuen Weltrekord. Im Leistungssport verdienen viele Menschen sehr viel Geld. Solange das der Fall ist, wird es immer welche geben die betrügen.

Sie klingen etwas verbittert - warum? Sie haben fünf Staatsmeistertitel.

WEGER: Ich bin nur realistisch, nicht verbittert. Wir Europäer haben nicht die physischen Voraussetzungen wie die Kenianer. Aber mit meiner Karriere bin ich zufrieden. Die Teilnahme bei einem Großereignis wäre noch schön gewesen, aber dann hätte ich mich in der Öffentlichkeit vielleicht als Olympia-Tourist bezeichnen lassen müssen. Nein, das war so besser.

Über Sie gibt es den Spruch: Er trainiert wie ein Vollprofi und hat die Voraussetzungen eines Vollamateurs. Wie schwierig ist es, als Ausdauersportler in Österreich das Auslangen zu finden?

WEGER: ,Erst die Arbeit, dann das Vergnügen', sagten meine Eltern immer. Ich kenne es nicht anders, als zu arbeiten und gleichzeitig zu trainieren. Mit 15 Jahren habe ich Maurer gelernt, nach dem Bundesheer im zweiten Bildungsweg die HTL absolviert. Abgesehen von meinem Club hier in Villach, meinem jahrelangen Ausrüstern und meinen Umfeld, habe ich den Erfolg meinem Ehrgeiz und meinem konsequenten Training zuzuschreiben. Die Frage ist halt, wo wir im Ausdauersport in ein paar Jahren stehen werden. Ich sehe keine Jugendlichen, die sich hunderte Kilometer in der Woche quälen wollen. Und auch wenn Spaß macht: Geschenkt wird da nix!

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