Es ist eine Eigenheit des amerikanischen Sportsystems. Teams haben eine Heimat, können unter gewissen Umständen aber an einen anderen Standort verlegt werden. Die Los Angeles Rams, die sich in der Nacht auf Montag mit einem 23:20 gegen die Cincinnati Bengals zum Super-Bowl-Sieger gekürt haben, können davon ein Lied singen.

Gegründet wurde der Verein der National Football League (NFL) 1936 in Cleveland. 1945 übersiedelte man ins 3771 Kilometer entfernte Los Angeles. Dort fühlte man sich bis 1980 heimisch, ehe man ein Stück weiter Richtung Süden zog, ins 40 Kilometer entfernte Anaheim. 1995 wurden die Koffer wieder gepackt, St. Louis sollte die neue Heimat heißen, knapp 3000 Kilometer von Kalifornien entfernt. Der bis dato letzte Umzug ging 2016 über die Bühne. Los Angeles ist seit sechs Jahren wieder das Zuhause der Rams, die 2000 den Super Bowl gewannen.

Die vielen Umzüge alleine wären schon eine Hollywood-Produktion wert. Der Weg zum diesjährigen Titel und alles, was drumherum passiert (ist), aber noch mehr.

Beginnen wir mit dem Vorspann: Stan Kroenke ist reich. Sehr reich. 8,5 Milliarden US-Dollar soll sein Vermögen sein. Seine Ehefrau hat als Walmart-Erbin ebenfalls ein Vermögen von rund 6,6 Milliarden US-Dollar. Aber das nur so nebenbei. Kroenke ist der Mitbesitzer der Rams. Er besitzt außerdem das NHL-Team Colorado Avalanche, das NBA-Team Denver Nuggets, das Lacrosse-Team Colorado Mammoth und MLS-Klub Colorado Rapids. Außerdem hat er den englischen Fußballklub Arsenal London mit seiner Kroenke Sports Enterprise übernommen. Mit dem Unternehmen finanzierte er auch das SoFi-Stadion in Los Angeles. Die Heimstätte der Rams (und der Los Angeles Chargers) war Austragungsort der diesjährigen Super Bowls. Kostenpunkt: Rund fünf Milliarden Dollar.

Wenn Herr Kroenke schon ein so teures Stadion bauen lässt und den Super Bowl austragen darf, sollte natürlich auch sein NFL-Team mit dabei sein. Darum wurde im Vorfeld der Saison alles dafür unternommen, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. Headcoach Sean McVay und Manager Les Snead schickten Quarterback Jared Goff nach Detroit, packten noch ein paar Draft-Picks dazu und bekamen dafür Lions-Quarterback Matthew Stafford. Dieser sollte die Rams nach zwölf durchwachsenen Jahren in Detroit in Los Angeles so richtig aufblühen. Die Saison verlief gut, das Play-off schien in Reichweite. Um auf Nummer sicher zu gehen, stellte man ihm gegen Ende des Jahres 2021 mit Star-Receiver Odell Beckham Jr. und Star-Verteidiger Von Miller noch zwei Hochkaräter zur Verfügung. Teure Verpflichtungen für die Kalifornier, die die Gehaltsobergrenze ("Salary Cap") bis aufs Letzte ausreizten. Für die nächste Saison müssen die Rams acht Millionen US-Dollar an Spielergehältern einsparen. Man hat für den Super-Bowl-Titel im eigenen Stadion also finanziell alles riskiert. Und alles gewonnen.

Der Hauptteil: Dwayne "The Rock" Johnson eröffnete den Super Bowl mit einer Ansprache in Hollywood-Manier. Auf der Tribüne nahmen unter anderem Jennifer Lopez, Ben Affleck, Orlando Bloom, Jay-Z und Beyoncé, Charlize Theron, Justin und Hailey Biber, Mark Wahlberg, Sean Penn, LeBron James und noch viele mehr Platz. Auf dem Spielfeld kürten sich die Rams zum verdienten Sieger. Für die musikalische Unterhaltung sorgten bei der Halftime-Show Eminem, Dr. Dre, Snoop Dogg, Mary J. Blige und 50 Cent.

Der Abspann: Als wäre der Heimsieg der Rams im größten Spiel des Jahres und der enorme Star-Auflauf auf der Tribüne nicht hollywoodreif genug gewesen, setzten zwei Spieler des Super-Bowl-Champions noch eines drauf. Taylor Rapp nutzte die große Bühne, machte seiner Freundin auf dem Spielfeld im Konfettiregen einen Heiratsantrag. Die Partnerin des Defense-Spielers sagte "Ja". Und Van Jefferson fuhr nach dem Spiel auf schnellsten Wege ins Krankenhaus. Dort lag seine Frau nämlich in den Wehen – nachdem sie kurz zuvor noch im Stadion saß und ihren Liebsten anfeuerte. Wenig später veröffentlichte der Receiver ein Foto: Er und seine Frau wurden Eltern eines Sohnes.

Es wäre nicht überraschend, würde der Super-Bowl-Sonntag irgendwann als Hollywood-Streifen in den Kinos zu sehen sein.