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Interview mit Sloweniens Sportministerin „Kinder haben das Recht, Sport für sich zu entdecken“

Sloweniens Sportministerin Maja Makovec Brencic (49) über Stellenwert des Sports, herrschende Strukturen, erste Berührungspunkte, neue Gesetze und wo zukünftig investiert wird.

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2012 blieb Österreich bei den Olympischen Spielen in London ohne Medaille. In Rio de Janeiro 2016 war es eine einzige. Slowenien kam da auf eine Goldene, zwei Mal Silber und eine Bronzemedaille – neben vielen anderen weltweit beachteten Erfolgen. Frau Ministerin, wie schafft es ein kleines Land wie Ihres, sich derart im internationalen Sport zu positionieren?

Maja Makovec Brencic: Sport liegt einfach in unserer DNS. Es ist in unserem sozialen und kulturellen Leben verankert. Für Slowenen ist es wichtig, Mitglied in einem Sportklub zu sein, jemanden anzufeuern, an ein Idol zu glauben.

Was ist der Hintergrund?

Maja Makovec Brencic: Das ist definitiv unsere Natur. Dank ihr sind mehr als 64 Prozent im Sport aktiv, 49 Prozent davon täglich. Das bringt uns weltweit unter die Top-10-Nationen. Und hier kommt die Natur ins Spiel, die uns wirklich gute Möglichkeiten bietet. All das funktioniert nur, weil schon im Kindergartenalter versucht wird, einen gesunden Lebensstil näherzubringen und Sport als elementaren Bestandteil zu vermitteln.

Warum legen Sie schon so früh den Fokus auf Kinder?

Maja Makovec Brencic: 271.000 Kinder waren heuer in Sportprogrammen involviert. Ich glaube fest daran, dass man so früh wie möglich mit Sport beginnen sollte. Wir vertreten die Auffassung, dass jedes Kind ein Recht hat zu erfahren, welche Sportart am besten zu ihm passt. Man weiß ja in den frühen Jahren ja nie, welche Talente in einem schlummern.

271.000 Kinder in Sportprogrammen klingen nach System ...

Maja Makovec Brencic: Wenn wir von einem offiziellen Wettkampfsystem sprechen, haben wir das gesetzlich reglementiert, um Athleten vor frühzeitiger Vermarktung und Transfers zu schützen. Zwölf Jahre sind der erstmögliche Zeitpunkt, sich als Sportler registrieren zu lassen. Bis dato lag diese Eingrenzung bei zehn Jahren für individuelle Sportarten.

Nun sind die Wahlen in Slowenien geschlagen. Welche Bilanz ziehen Sie für Ihre Amtszeit?

Maja Makovec Brencic: Wir haben nach 19 Jahren ein neues Sportgesetz verabschiedet. Dadurch werden beispielsweise Sporteinrichtungen, die durch Steuergeld finanziert worden sind, für alle Bürger zugänglich. Außerdem ermöglichen wir künftig doppelte Karrieren.

Das bedeutet?

Maja Makovec Brencic: Wir glauben, dass das Land den Athleten, die alles dem Sport unterordnen, helfen muss. Daher wurde im Gesetz verankert, dass jede Bildungsstufe für sie gratis zu erreichen ist. Schulen und Universitäten müssen flexibel sein, damit sie ihre Lernziele erreichen können. Es gibt dann noch spezielle Sport-Zusatz-Pensionen. So will der Staat zeigen, dass man auf seine Athleten stolz ist. Es ist ja nichts Neues, dass Sportler die Polizeilaufbahn einschlagen. Zukünftig können sie auch in öffentliche Unternehmen einsteigen.

Ihr Ministerium umfasst Sport, Wissenschaft und Bildung. Wie behält man den Überblick?

Maja Makovec Brencic: In dieser Kombination können wir vom Kindergartenalter Ziele definieren. Und das hat Auswirkungen auf den Sport. Slowenien ist das einzige Land, das seit 30 Jahren eine Sport-Ausbildungs-Evaluierung vornimmt. Wir haben Analysen und Resultate, was funktioniert und was nicht. Wir wissen also genau, was wir im Sport tun.

Wie darf man sich die Sportstruktur im Land vorstellen?

Maja Makovec Brencic: Das Olympische Komitee ist als tragende Säule zu sehen. Sein Verantwortungsbereich zieht sich bis zu lokalen Anliegen in Gemeinden. Es gibt die Unterteilung in olympische und nicht olympische Sportarten, wo der „Planinska zveza“, also der Alpenverband, mit 57.000 die meisten Mitglieder verfügt.

Gibt es in Slowenien Dachverbände oder politische Organisationen, die Einfluss nehmen?

Maja Makovec Brencic: Nein. Wesentlich sind Ministerium, das Olympische Komitee und die Sport-Stiftung.

Wie sieht aus Ihrer Sicht die perfekte Unterstützung im Spitzensport aus?

Maja Makovec Brencic: Es braucht eigentlich nur zwei Dinge. Eine moderne Infrastruktur und Experten. Leute, die mit Athleten fühlen können.

Experten verschlingen Geld. Wie hoch ist Ihr Budget?

Maja Makovec Brencic: Etwa 30 Millionen Euro. Aber wir erhalten viel Unterstützung von der EU. Es könnte natürlich immer mehr sein. Insgesamt würden wir wahrscheinlich noch einmal 10 bis 15 Millionen Euro pro Jahr für Verbände und die Top-Athleten benötigen. Das ist eine echte Herausforderung.

30 Millionen Euro

30 Millionen Euro beträgt das Sportbudget für Slowenien mit etwa zwei Millionen Einwohnern. Kärnten verfügt über 8,7 Millionen Euro, verteilt auf 560.000 Einwohner. Der Pro-Kopf-Wert ist damit ungefähr gleich hoch.

Wie lassen sich dann überhaupt solche Herkules-Projekte wie das nagelneue Skisport-Zentrum in Planica oder die Mehrzweckhalle Stozice finanzieren?

Maja Makovec Brencic: In Planica hat das Land zusammen mit der EU etwa 47 Millionen Euro investiert. Es ist ein Wintersport-Zentrum für Athleten aus über 40 Ländern geworden. Die Kosten des Sportkomplexes Stozice belaufen sich auf etwa 130 Millionen Euro. 1,5 Millionen hat die Regierung übernommen, der Rest wurde aus EU-Mitteln sowie von der Stadt Ljubljana mit unterschiedlichen Sponsoren finanziert. Wir haben außerdem ein modernes Ruderzentrum in Bled, ein Biathlon-Zentrum in Pokljuka und 2019 soll das Velodrom in Nove Mesto fertiggestellt werden.

Welche infrastrukturellen Schwerpunkte sind angedacht?

Maja Makovec Brencic: Wir investieren derzeit eher auf Kommunal-Ebene, als auf nationaler. Planica war das letzte Großprojekt für längere Zeit.

In Österreich wird seit Jahren über eine tägliche Sportstunde in Schulen diskutiert. Wie sieht es zum Vergleich in Slowenien aus?

Maja Makovec Brencic: Ich habe 2015 das Ministerium übernommen. Heuer im Herbst, also drei Jahre später, werden wir mit einem Pilotprojekt an 175 Volksschulen beginnen. Täglich stehen dann 45 Minuten Sport auf dem Stundenplan. Wir starten vorsichtig, wollen aber schnell die nächste Ebene erreichen.

Das alles klingt, als wären in Ihrem Land zukünftige internationale Sportkarrieren von langer Hand geplant ...

Maja Makovec Brencic: Den Top-Athleten gehört die Welt. Wir sind sehr stolz auf unsere Sportler und was sie erreicht haben. Nicht alle Karrieren können von klein auf unterstützt werden. Manche stehen für sich selbst. Slowenien sieht seine Athleten als wertvolle Botschafter des Landes.

Was ist Ihre Philosophie, sollten Sie im Amt bleiben?

Maja Makovec Brencic: Beim Besuch einer olympischen Delegation aus Peking in Slowenien wurden wir mehrmals gefragt, wie unsere Trainer mit Kindern arbeiten und wie unsere Coaches ihr Wissen erlangen. Das ist ein gutes Zeichen. Ich will in Zukunft so viele Experten wie möglich im Sport haben.

Wo will man hin?

Maja Makovec Brencic: Derzeit sind die Resultate vielleicht hervorragend. Es braucht allerdings auch Unterstützung für die nächste Generation. Vergisst man darauf, steht man einer ungewissen Zukunft gegenüber.

Welche Erwartungen hegen Sie für die nächsten Olympischen Spiele?

Maja Makovec Brencic: Unsere Athleten geben immer ihr Bestes. Um eine olympische Medaille zu holen, muss man sich gegen Top-Athleten der Top-Nationen durchsetzen. Wir sind nur ein kleines Land und daher auf jedes Resultat in jeder Sportart irrsinnig stolz.

Letzte Frage: Rauchen Sie?

Nein. Sofern es die Zeit zulässt, versuche ich, Sport zu machen. Boxen, Skifahren, Tennis.

Zur Person

Maja Makovec Brencic wurde am 27. Mai 1969 in Borovnica bei Laibach geboren.

Promovierte Ökonomin und später
Professorin an der Universität Ljubljana.

2015 übernahm sie als Mitglied
der Mitte-Links-Partei „SMC“ unter Ministerpräsident Miro Cerar das Ministerium für Sport, Wissenschaft und Bildung.

2017 stellte sie sich als Präsidentschafts-Kandidatin zur Wahl, scheiterte jedoch in der ersten Runde.

 

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