Letztes Jahr, nach seinem Wechsel zu Ferrari, da war er spätestens zur Saisonmitte bei vielen schon abgeschrieben. Nicht nur bei den Fans, sondern auch bei vielen Experten. Sieben WM-Titel hin oder her – Lewis Hamilton schien deutlich über den Zenit seiner Karriere hinaus. Ein nicht wirklich konkurrenzfähiges Auto, die meiste Zeit seinem Teamkollegen Charles Leclerc unterlegen, frustriert, anscheinend mit immer weniger Selbstvertrauen und Motivation unterwegs. Einige Experten rieten Hamilton damals, über einen Rücktritt nachzudenken. Die Stimmen, er habe den richtigen Zeitpunkt für den Rücktritt verpasst, beschädige nur noch sein Image, wurden immer lauter. Doch der so Gescholtene suchte seinen eigenen Weg, zog sich erst einmal über einen Monat ganz ins Private zurück, weg von der Öffentlichkeit, weg von den sozialen Medien.
So unterscheidet sich der Lewis Hamilton von 2026 stark von dem des Vorjahres. Nach veränderter körperlicher und mentaler Vorbereitung auf die neue Saison scheinen Frust und Selbstzweifel wie weggeblasen. „Ich glaube, es ist einfach eine Änderung der Einstellung“, so seine Einschätzung. „Dazu gehört, einfach nicht zuzulassen, dass all der Unsinn, der mich umgibt, der von allen möglichen Leuten kommt, mich davon abhält, zu wissen, wer ich eigentlich bin und wozu ich fähig bin.“ Hoffentlich haben das alle in den beiden ersten Saisonrennen gesehen, vor allem nach seinem dritten Platz in China, den er sich nach einem harten Fight mit seinem Teamkollegen Charles Leclerc sicherte. „Und egal, was so gesagt und geschrieben wird, ich trainiere härter denn je.“
Fan der neuen Generation
Sein Engagement für den Sport sei größer denn je: „Ich widme absolut alles, was ich habe, dieser Herausforderung und dem Ziel, das ich mir gesetzt habe.“ Die Vermutung, er habe 2025 sein Selbstvertrauen verloren, weist er zurück: „Das ist nur Teil der typischen Höhen und Tiefen, die man als Sportler durchlebt. Aber das Wichtigste ist, wieder aufzustehen. Und genau das habe ich getan – und bin auch ein bisschen stolz darauf, wieder an diesem Punkt angelangt zu sein.“ Was ihn sicher auch motivierte: Die Hoffnung, dass es mit der neuen Autogeneration für ihn besser werden könnte. Die etwas kleineren, leichteren und agileren Autos kommen seinem Fahrstil grundsätzlich deutlich besser entgegen als die eher trägen, schweren Ground-Effect-Autos, mit denen die Formel 1 seit 2022 unterwegs war.
Die neue Begeisterung führt dazu, dass er plötzlich auch das neue Reglement lobt, vor allem die Rennen toll findet: „Wenn man an das Kartfahren zurückdenkt, ist es dasselbe“, bemerkt er. „Es ist die beste Form des Rennsports, und die Formel 1 war schon lange, lange Zeit nicht mehr die beste Form des Rennsports, weil man anderen Autos nicht folgen konnte.“ Dass vieles davon eher mit dem Energiemanagement als nur mit der neuen Aerodynamik der Autos zu tun hat, übersieht er dabei ganz bewusst. Zwar sei er kein Fan der hohen Batterieleistung, der Show-Effekt würde aber stimmen. „Wir liefern uns tatsächlich einige Duelle. Jedes Mal, wenn wir das Auto ändern, werden es manche lieben, andere hassen. Man kann es nicht allen recht machen.“