Der Spaß ist zurück im Bullenstall – das wurde in den vergangenen Tagen und Wochen deutlich. l. Zumal Max Verstappen passend zum Rennen in Aserbaidschan einen unerwarteten Treueschwur leistete: „Ich habe immer gesagt, dass ich hier gerne bis zum Ende fahren wollen würde. Das ist immer der Traum gewesen - und der ist immer noch da.“ Nach einer Seuchensaison, inklusive frühem Fahrerwechsel und teilweise inferioren Leistungen, kam mit Neo-Teamchef Laurent Mekies die Lockerheit zurück bei Red Bull Racing. Von der Krisenstimmung nach dem Rausschmiss von Christian Horner ist nichts mehr zu spüren, vielmehr deutet viel auf Aufbruch hin. „Die Stimmung ist sehr gut“, verrät auch Motorsportberater Helmut Marko, der dem französischen Boss Rosen streut.

Denn Mekies sei der absolut richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. „Er bringt einen anderen Führungsstil mit. Der Fokus ist jetzt klar auf der technischen Ebene, auch in den Gesprächen, die er führt. Das macht sich eben bemerkbar.“ Bemerkbar machte sich das zuletzt auf dem legendären Autodrome Nazionale Monza. Weltmeister Max Verstappen, der im Sommer vor allem mit Wechselgerüchten zu Mercedes für Schlagzeilen sorgte, fuhr wie in den besten Zeiten in einer eigenen Liga. Der RB21 erwachte in Italien zum Leben und mit ihm der „Löwe“ aus den Niederlanden. „Jetzt müssen wir schauen, dass es nicht nur beim Aufschwung in Monza bleibt. Wir wollen einen Sprung machen und dafür brauchen wir auch in Aserbaidschan eine perfekte Abstimmung des Autos. Wenn das funktioniert, könnten wir das Optimum herausholen“, erklärt der Grazer vor dem schwierigen Stadtrennen auf den Straßen Bakus.

Verstappen mehr involviert

Verstappen, der sich am Formel-1-freien Wochenende mit einem Porsche Cayman auf dem Nürburgring austobte ( „Er fährt dort nächstes Jahr das 24-Stunden-Rennen“), zählt plötzlich wieder zu den Favoriten, wenn es um Rennsiege in der Motorsport-Königsklasse geht. Das hat auch mit der Harmonie zwischen ihm und Neo-Teamchef Mekies zu tun. „Der Fahrer ist bei ihm mehr eingebunden und der Zusammenhalt ist einfach besser“, sagt Marko zum Führungsstil des Franzosen, der vom Zweierteam Racing Bulls hochgezogen wurde. „Es wird nichts mehr kritiklos hingenommen, sondern hinterfragt, wie zum Beispiel bei Ergebnissen aus dem Simulator. Max ist ein erfahrener Fahrer, sein Renningenieur Gianpiero Lambiase zählt auch zu den Besten. Jetzt bringen beide ihr praktisches Wissen viel mehr ein, was uns eine breitere Basis gibt.“

Mit diesen Eindrücken könne man bei Red Bull dann das volle Potenzial des so oft kritisierten RB21 ausschöpfen. Die Richtung stimmt – auch wenn noch nicht alles innerhalb des Rennstalls auf Schiene ist. „Wir haben noch nicht alle offenen Positionen besetzt, da der Fokus in der ersten Phase voll auf dem Renngeschehen lag und liegt. Die Bereiche Marketing und Kommunikation werden derzeit noch interimistisch geleitet. Generell soll in Zukunft dann aber mehr Verantwortung in den einzelnen Departments liegen.“

WM-Chancen intakt?

Während bei Red Bull also ein frischer Wind weht, richten sich die Blicke am Wochenende in Aserbaidschan vor allem auf das zuletzt in der Kritik stehende McLaren-Team. Mit einem Doppelsieg wäre den „Papayas“ der Konstrukteurstitel nicht mehr zu nehmen. Für Gesprächsstoff sorgt aber vielmehr die Fahrer-Weltmeisterschaft, in die der Rennstall zuletzt in Monza aktiv eingriff, indem man den WM-Führenden Oscar Piastri anwies, seinen Teamkollegen nach einem verpatzten Boxenstopp vorbeizulassen. Für einige Fans ein Skandal, während es von anderen Applaus für die Entscheidung gab. Entschieden ist im Kampf um die WM-Krone jedenfalls noch nichts – 31 Punkte beträgt der Vorsprung Piastris auf Lando Norris bei noch acht ausstehenden Grand-Prix-Wochenenden. Auf Red-Bull-Star Verstappen sind es übrigens 94 Zähler. Traut man sich bei den Bullen also noch vom Titel zu träumen? „Theoretisch ist es noch möglich“, meint Marko diesbezüglich. „Aber praktisch muss so viel zusammenspielen, dass es nicht realistisch ist, dass wir das noch drehen.“