Schon das Vorspiel ließ erahnen, was auf Österreichs Nationalteam in diesem WM-Play-off-Match gegen Wales zukommen würde. Das Dröhnen der von den 33.000 Fans leidenschaftlich vorgetragenen Nationalhymne und das Ausrollen einer überdimensionalen Flagge mit dem feuerspeienden walisischen Drachen erweckte den Eindruck eines gewaltigen Einschüchterungsversuchs. Und er schien angesichts eines überfallsartigen Startprogramms der Gastgeber seine Wirkung nicht zu verfehlen. Doch diese wäre beinahe völlig verpufft, als Christoph Baumgartner nach einer großartigen Vorlage von Marcel Sabitzer den Ball an die Querlatte schlenzte. Es hätte das 1:0 für Österreich sein müssen, ein früher Wegweiser sein sollen.

Alles oder nichts, was anderes kam in diesem Match nicht infrage. Die Österreicher entzogen den aufgeregten Anfangsminuten die Unruhe, versuchten es mit spielerischer Kontrolle in noch sanfter Variante. Doch in Minute 25 folgte ein Donnerschlag. Baumgartner ließ Wilson auflaufen, kassierte Gelb und Gareth Bale versenkte den Freistoß aus 25 Metern in unnachahmlicher Art unhaltbar für den von Teamchef Franco Foda ins Tor gestellten Heinz Lindner zur Führung für Wales. Es war ein Schock, denn der Rückstand stellte die Tragfähigkeit auf eine noch härtere Probe.

Und nach einem Beinahe-Eigentor der Waliser in Folge eines Freistoßes von David Alaba musste Österreich froh sein, nicht mit einem Zweitore-Defizit in die Pause gegangen zu sein. Nicolas Seiwald leistete sich einen schmerzlichen Ballverlust, die Waliser spielten im Umschalten ihre Wucht aus, Aaron Ramsey zog ab, aber Lindner verhinderte die Vorentscheidung mit Bravour.

Sabitzer hauchte Österreich nochmals Leben ein

Bald nach der Pause aber schien der Zug endgültig abgefahren zu sein, als Bale nach einer kurz abgespielten Ecke den Ball unwiderstehlich mitnahm und zum 2:0 einschoss. Noch war Österreich aber nicht erledigt, vor allem, weil Lindner auf grandiose Weise einen noch höheren Rückstand abzuwehren wusste und Marcel Sabitzer in der 64. Minute auf 1:2 verkürzte. Der Ball wurde entscheidend abgefälscht. Wiederholt hielt Lindner gegen die immer wieder mit blitzschnellen Kontern vorstürmenden Waliser seine Mannschaft weiterhin im Spiel, hielt einen fast Unhaltbaren gegen Daniel James.

Morgenpost

Auf diese Weise bekamen die Österreicher noch genügend Zeit, dem Match doch noch eine Wende zu geben und sie erhöhten auch den Druck, Foda warf im wahrsten Sinn des Wortes alles nach vor, brachte mit Sasa Kalajdzic, Andreas Weimann und Michael Gregoritsch drei weitere Stürmer um das erlösende Tor und die Verlängerung noch zu erreichen.

Doch die Waliser igelten sich ein, droschen die Bälle, die in den Strafraum fanden, wieder zurück. Die ganz große, dicke Chance blieb aus – und auch der Sieg, den Franco Foda gebraucht hätte, um weiterhin Teamchef zu bleiben – dann auch bei der WM.

"Das tut einfach unglaublich weh"

Baumgartner fühlte nach der Niederlage "pure Enttäuschung". Er hatte das erste Tor des Spiels am Fuß, gekommen ist es ganz anders. "Es ist extrem bitter, dass wir jetzt die Gewissheit haben, dass wir nicht dabei sind. Es tut einfach unglaublich weh, es fällt mir ganz schwer, Worte zu finden", sagte der Hoffenheim-Legionär. "Aber wer gesehen hat, wie wir bis zum Schlusspfiff gefightet haben, weiß, dass die Mannschaft lebt."

Nach seiner Topchance hat sich das ÖFB-Team laut Teamchef Franco Foda das Leben selbst schwer gemacht: "Wir waren zu langsam im Spielaufbau, haben nicht zwischen die Linien gespielt. Erst am Ende der Hälfte war das besser. Im Spielaufbau haben wir zu viele einfache Ballverluste gehabt. In der zweiten Hälfte war es besser, weil wir schnell die Stürmer angespielt haben."

Am Dienstag sitzt Foda "selbstverständlich auf der Bank"

Wie es mit Österreichs Teamchef jetzt weitergeht, ist noch offen. Sein Vertrag läuft bis Ende März und zuerst müsse man "die Niederlage verdauen", sagt Sportdirektor Peter Schöttel. Präsident Gerhard Milletich meinte: "Selbstverständlich sitzt Franco Foda am Dienstag auf der Bank. (...) Wir müssen eine Lösung finden, die kann mit Foda sein, die kann ohne Foda sein. Ich möchte niemanden ausschließen."