Ismail Atalan war es wichtig, dass sein neuer Dienstort auch sein neuer Wohnort wird. Er möchte Kapfenberg spüren, um zu wissen, wie die Stadt und ihre Leute ticken. „Ich wollte einen Bezug zu den Leuten vor Ort haben, ein Gefühl für die Menschen dort entwickeln. Wir müssen versuchen, sie zu begeistern. Begeistern kannst du sie nur, wenn du sie verstehst“, sagt der neue Trainer der Kapfenberger SV.
Und, wie sind sie so, die Kapfenberger? „Höflich, rational, entspannt. Wenn man durch die Stadt geht, ist alles sehr angenehm“, berichtet der Deutsche, der dialektbedingt mit dem Verstehen im wortwörtlichen Sinn hin und wieder noch vor Problemen steht: „Manchmal muss ich nachfragen. Wenn es zwei, drei Mal wiederholt wird, versuche ich den Zusammenhang zu verstehen. Aber ich schlage mich wacker.“
Letztlich zählt, dass seine Spieler verstehen, was Atalan sportlich vorhat. Die zuletzt etwas biederen Zeiten sollen vorbei sein und auch durch die Kooperation mit RTC Management & Sports ein erfolgreicher Weg eingeschlagen werden. Wie selbiger auf dem Feld aussehen soll? „Intensiv. Mit Ball wollen wir mit gezieltem Flachpassspiel schnell nach vorne kommen. Wenn wir den Ball nicht haben, müssen wir alles daran setzen, ihn so schnell wie möglich wiederzubekommen. Unser Kader hat die Altersstruktur und die Emotion, um die Leute im Stadion mit begeisterndem Fußball mitzunehmen.“
Dass dies nach Red-Bull-Fußball klingt, lässt Atalan gelten: „Es ist eine Form davon, leicht angehaucht von deren Pressing-Gegenpressing. Aber wir wollen versuchen, es ein bisschen spielerischer zu gestalten. Generell mag ich jedoch die Art und Weise, wie Red Bull auftritt. Ich war immer ein Fan davon.“ 2017 habe es auch ein Treffen mit Ralf Rangnick gegeben, der ihn für die RB-Fußballwelt gewinnen wollte. Atalan hatte gerade mit Drittligist Sportfreunde Lotte das Viertelfinale im DFB-Pokal erreicht. „Ralf Rangnick wollte mich zum FC Liefering bringen, aber ich habe mich damals für den VfL Bochum entschieden.“
Atalan schwärmt von Kevin Stöger
Dort arbeitete er mit den ÖFB-Legionären Kevin Stöger und Lukas Hinterseer zusammen. Speziell bei Stöger gerät Atalan ins Schwärmen: „Wir haben bis heute einen sehr guten Draht. Ich bin seit Jahren nicht mehr sein Trainer, aber er zeigt mir gegenüber immer noch Dankbarkeit. Das zeugt, welch großen Charakter er hat. Fußballerisch ist er einer der besten Spieler, die ich je trainiert habe. Für mich wäre er auch ein Nationalspieler. Ich bin sicher, dass er noch Länderspiele kriegen wird, weil er so viel Qualität hat.“ Bislang hat Rangnick im ÖFB-Team auf den nunmehrigen Gladbach-Kicker stets verzichtet.
Um eines Tages Nationalspieler zu werden, haben die aktuellen KSV-Akteure noch einiges vor sich. Atalan ist jedoch guter Dinge, dass seine Spieler den von ihm forcierten Spielstil auf den Platz bringen können: „Unsere Jungs können diesen Fußball spielen“, unterstreicht der Coach, dem bewusst ist, dass es mehr torgefährliche Akteure als in der Vorsaison braucht: „Aber das ist nicht nur eine individuelle, sondern auch eine Systemfrage. Bei neuen Spielern haben wir darauf geachtet, dass sie auch Torgefahr ausstrahlen. Zudem versuchen wir das System so zu gestalten, dass mehr Spieler in den Sechzehner kommen, um mehr Abschlüsse zu generieren.“
Atalan verweist weiters darauf, dass rund ein Dutzend Spieler aus der eigenen Akademie im Aufgebot stehen: „Wir wollen eine Verbindung zur Region aufbauen.“ Ein konkretes Saisonziel nennt der Übungsleiter nicht. Man werde jedoch in jedes Match gehen, um es zu gewinnen: „Wir sind jung und unbekümmert. Ich traue der Mannschaft einiges zu.“