Historisch betrachtet muss ich wohl froh sein, nicht mit einem Stadionverbot für Graz-Liebenau belegt zu sein. Anfang der 90er Jahre, als 17-jähriger Schüler aus Judenburg, sammelte ich mit Wut im Bauch Hunderte Unterschriften zum Erhalt des legendären Sturmstadions, der „Gruabn“. Immerhin war ich seit der Taschengeld-Erhöhung 1989 zahlendes Mitglied (und bin es bis heute). Ein gewisser Hannes Kartnig wollte sich der Kultstätte der „Schwoazn“ entledigen, den SK Sturm in eine glatte Arena verpflanzen und so nebenbei noch blau in die Vereinsfarben schmuggeln. Für mich war das ein Sakrileg, denn der Pilgerweg Judenburg–Graz hatte mich jeden zweiten Samstag mit den ÖBB an den urtümlichsten Ort des heimischen Fußballs, an den Jakominigürtel geführt. Die Zugbegleiter waren meine Freunde, lotsten sie den schwarz-weiß Adjustierten am Umsteigebahnhof Bruck/Mur doch an Matchtagen gegen Wiener Großklubs an grün oder violett bepackten Waggons vorbei in sichere Gefilde.
Essay von Thomas Hofer
Fußball darf herrlich unobjektiv gelebt werden – und der SK Sturm hat das goldene Dutzend
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GEPA. Lukas Beck