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Österreichische Bundeliga Austria gelingt mit 4:1 Befreiungsschlag, Abstiegskampf komplett offen

Während die Wiener Austria den Abstand zum Tallenführer der Quali-Grupe SCR Altach verkürzen konnte, hat sich die Lage am tabellenende noch enger zusammengeschoben.

Wieder Freude bei der Wiener Austria
Wieder Freude bei der Wiener Austria © HANS PUNZ
 

SV Mattersburg vs. Austria Wien 1:4

Die Wiener Austria kann noch siegen. Mit einem 4:1-Erfolg gegen den SV Mattersburg gelingt den Hauptstädtern der erste Sieg seit dem glücklichen 1:0 gegen die Admira Anfang Juni.

Manprit Sarkaria (18.) und Stephan Zwierschitz (30.) trafen schon vor der Pause. "Joker" Erik Palmer-Brown (48.) und Kapitän Alexander Grünwald (58./Freistoß) machten nach dem Seitenwechsel den Sack zu. Damit setzten sich die Austria und Altach vom Rest des "unteren Play-offs" ab. Den ohne der gesperrten Offensivstütze Andreas Gruber angetretenen Hausherren gelang durch Patrick Bürger (38.) nur der Ehrentreffer. Für sie war es nach fünf Punkten aus drei Spielen zuvor die erste Niederlage in der zweiten Saisonphase. Der Vorsprung auf das Tabellenende beträgt nur noch zwei Zähler, dort befindet sich ab sofort St. Pölten.

"Wir müssen am Samstag und in den nächsten Spielen liefern", hatte Ilzer vor der Partie die Marschroute vorgegeben. Sein Team hielt sich daran, war von Beginn an gut im Spiel, kontrollierte das Geschehen und erarbeitete sich auch die verdiente Führung. Ein Weitschuss von Sarkaria aus mehr als 20 Metern wurde unglücklich vom Rücken von David Nemeth abgefälscht und ging via Innenstange ins Tor. Mattersburg-Tormann Markus Kuster verhinderte in der 29. Minute mit einer Fußabwehr einen Doppelpack des 23-Jährigen. Eine Minute später war das 0:2 trotzdem perfekt. Zwierschitz beförderte einen von Christoph Monschein per Kopf weitergeleiteten Fitz-Eckball aus kurzer Distanz ebenfalls per Kopf über die Linie.

Monschein ließ die Chance auf den dritten Treffer aus, sein Abschluss ging am langen Eck vorbei (34.). Von den Burgenländern war lange Zeit kaum etwas zu sehen, die erste gute Offensivaktion brachte aber gleich den Anschlusstreffer. Nach einer Kuen-Flanke konnte Austrias Abwehrspieler Michael Madl einen Bürger-Kopfball noch klären, der Nachschuss landete allerdings im Tor. Der Stürmer stieg mit seinem 57. Ligator zum Rekordtorschützen des SVM auf.

Es sollte das einzige Offensiv-Highlight der zu Hause mittlerweile zwölf Partien sieglosen Burgenländer bleiben. Die Wiener machten kurz nach der Pause bereits alles klar. Der zur Halbzeit eingewechselte Palmer-Brown köpfelte nach einer Fitz-Ecke ein. Zudem zirkelte Grünwald einen Freistoß aus rund 20 Metern über die Mauer und ins Eck. Die Reise nach Mattersburg konnte also den Gästen wieder einmal als Krisenbewältigung dienen. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob sie den positiven Trend diesmal auch fortsetzen können. Nach dem 5:1 im Pappelstadion am 11. August 2019 hatte es eben bis Samstagabend keinen Auswärtssieg gegeben.

Stimmen zum Spiel

Franz Ponweiser (Mattersburg-Trainer): "Wir haben uns viel vorgenommen, wenn man aber so viele Standardtore bekommt, hast du gegen die Austria keine Chance. Ich ärgere mich maßlos wegen der Standards. Wir haben da die Spannung verloren. Vom Start weg waren wir sehr fokussiert, haben gut begonnen, haben dann aber aus einem abgefälschten Schuss aufs Tor das 0:1 gekriegt. Dann haben wir eine Phase gehabt, wo wir mental nicht da waren, das hat die Austria mit dem zweiten Tor bestraft. Wir wissen eh, was da unten gefragt und gefordert ist, heute haben wir es in vielen Phasen nicht gebracht. Es war absolut nicht unser Tag."

Christian Ilzer (Austria-Trainer): "Mattersburg scheint in dieser Saison ein guter Boden für uns zu sein. Wir haben ein gutes Spiel gemacht. In den letzten Tagen hat es viel Kritik gegeben, heute muss ich meine Mannschaft loben. Wir freuen uns über den Sieg. Gestört hat mich, dass wir nach dem 2:0 nicht das dritte Tor gemacht haben, sondern das Gegentor bekommen. Der Treffer von Erik hat uns dann Sicherheit gegeben. Klar ist, dass jetzt nicht alles gut ist, wir müssen weitermachen, am Dienstag kommt schon die WSG Tirol. Es gibt alle drei Tage ein Spiel, wir brauchen nicht zum Saisonende schauen, sondern müssen von Runde zu Runde unsere Leistung stabilisieren und verbessern."

SCR Altach vs. SKN St.Pölten 2:0

Spitzenreiter in der Qualifikationsgruppe bleibt jedoch der SCR Altach. Nach dem Erfolg gegen die Austria vergangene Runde legten die Vorarlberger mit einem 2:0 gegen den St. Pölten nach. Nach einem Blitztor von Nussbaumer, der bereits nach drei Minuten schneller war als St.Pölten-Keeper Riegler, sorgte Sam mit einem satten Weitschuss in der 66. Minute für die Vorentscheidung.

Altach hält nach der Coronapause bei zwei Siegen und zwei Remis und liegt weiter einen Punkt vor der Austria, die in Mattersburg 4:1 gewann. St. Pölten rutschte nach der zweiten Niederlage in Folge wieder ans Tabellenende aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber der Admira (0:3 gegen WSG Tirol) zurück. Nach einem 0:6 und 0:3 gab es für die Niederösterreicher auch im dritten Saisonvergleich nichts zu holen.

Altach belohnte sich wie zuletzt in Wien für eine aggressive Anfangsphase mit einem frühen Tor. Nussbaumer war nach einem feinen Steilpass von Berkay Dabanli den Tick früher als der herausstürmende SKN-Goalie Christoph Riegler am Ball und versenkte ihn im leeren Tor (3.). Gegen die Austria (2:0) hatte der 20-Jährige in der ersten Minute sein Premierentor in der Bundesliga erzielt, das zweite war auch wenig glücklich: Sein hohes Bein in Kopfhöhe des nach vorne hechtenden Rieglers blieb ohne Folgen.

Zwar scheiterte Nussbaumer nach Idealzuspiel von Sam mit dem nächsten Hochkaräter an Riegler (11.), danach aber fand St. Pölten besser ins Spiel, ohne wirkliche Torgefahr auszustrahlen. Von Trainer Robert Ibertsberger gab es in dieser Phase ein wiederholtes "Bravo Männer", in der 33. Minute aber ungläubiges Kopfschütteln: Hofbauer wurde nach zwei Gelb-Fouls innerhalb von zwei Minuten des Platzes verwiesen.

Aus der Überzahl schlugen die spielbestimmenden Altach zunächst kein Kapital. St. Pölten verteidigte konsequent im doppelten Vierer-Verbund vor Riegler und lauerte auf einen Fehler des Gegners. Dieser ließ allerdings kaum etwas zu und stellte seinerseits die Weichen für den neunten Saisonsieg. Sam narrte Robert Ljubicic und hatte danach das Glück des Tüchtigen, als sein Versuch von Luan unhaltbar für Riegler abgefälscht wurde (66.). Altach spielte den Sieg danach ungefährdet heim und konnte zuletzt über 70 Prozent Ballbesitz für sich beanspruchen.

Stimmen zum Spiel

Alex Pastoor (Altach-Trainer): "Ich bin zufrieden mit dem Auftritt meiner Mannschaft, die einen sehr stabilen Eindruck hinterlassen hat. Das Positionsspiel hat mir sehr gut gefallen, aber es gab dann immer wieder Phasen, in denen wir zu langsam und zu viel quer und zurück gespielt haben. Ich hätte mir gewünscht, dass wir vehementer auf das 2:0 spielen. Wir können uns eine Stunde freuen und dann geht die Vorbereitung auf das nächste Spiel los."

Robert Ibertsberger (St. Pölten-Trainer): "Schlechter kannst du in ein Spiel nicht starten. Wir haben da absolut schlecht verteidigt. Ich habe dennoch einige Umschaltmomente gesehen, die wir aber schlampig fertig gespielt haben. So sind wir nicht wirklich ins letzte Drittel gekommen. Das müssen wir uns ankreiden, da müssen wir konkreter werden. Wir haben jetzt das Doppel gegen Mattersburg, das sehr entscheidend wird. Wir müssen ruhig weiterarbeiten und brauchen nicht in Hektik zu verfallen. Wir wissen, dass wir Qualität haben."

Admira vs. WSG Tirol 0:3

Vom Schlusslicht ist auch die Admira nicht weit entfernt. Nach einer deutlichen 0:3-Heimniederlage gegen WSG Tirol rettet derzeit nur das Torverhältnis die Soldo-Truppe von der roten Laterne.

Kelvin Yeboah schoss die Tiroler in der 38. Minute mit einem satten Schuss aus der Drehung in Front. Den langen Ball davor schlug David Gugganig aus der eigenen Hälfte zum Stürmer. Die Routiniers Zlatko Dedic (58.) und Stefan Maierhofer (61.) sorgten mit einem Doppelschlag nach Wiederanpfiff für die Vorentscheidung, am Ergebnis änderte sich bis zum Schluss nicht mehr.

Die Gäste-Führung war nicht unverdient, denn die Wattener waren vor der Pause die aktivere Mannschaft. Die beste Aktion bis dahin hatte aber die Admira zu verzeichnen: Sinan Bakis kam in der 28. Minute nach Lochpass von Erwin Hoffer frei aus der Distanz zum Schuss, sein Versuch ging nur knapp daneben.

Nach der Pause suchten die Tiroler weiter mit langen Bällen auf die drei Stürmer ihr Heil. Das ging auch auf: Dedic, der vor Tor eiskalt mit einem "Gurkerl" abschloss, und Maierhofer per Volley brachten ihren Trainer dazu, mit einem Bein von seinem Platz aufzuhüpfen. Silberberger hatte sich vor zwei Wochen eine schwere Unterschenkelfraktur zugezogen. Erst am Freitag war er aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Die Admira wirkte dagegen mittel- und ratlos. Mit der Hereinnahme von Seth Paintsil und Daniel Toth wurde es gegen Ende zwar etwas besser, das Ruder herumreißen konnten die beiden aber nicht mehr.

Für die WSG war es der erste Sieg seit dem Bundesliga-Wiederbeginn nach der Corona-Pause. Bemerkenswert ist, dass von den jüngsten sieben Bundesliga-Partien nur eine verloren ging: Am 2. Juni kassierte man zu Hause eine 0:5-Abfuhr gegen St. Pölten. Zugleich stellten die Tiroler in der Südstadt ihren höchsten Bundesliga-Sieg ein: Mit 3:0 hatte die Silberberger-Truppe am 7. März in Hartberg gewonnen.

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Zvonimir Soldo (Trainer Admira): "Ich habe keine Erklärung für diese Vorstellung heute. Vielleicht haben manche nach dem 3:0 in St. Pölten geglaubt, das geht hier von alleine. Die Tiroler haben heute alles besser gemacht - mit dem Ball, ohne Ball, die Zweikämpfe. Wir waren einfach zu passiv, und obwohl wir wussten, dass sie mit langen Bällen operieren, haben wir das erste Tor bekommen. Es ist nichts gegangen."

Thomas Silberberger (Trainer WSG): "Wir haben einen vernünftigen Plan ausgearbeitet. Wir haben eine souveräne Auswärtsleistung bis zum 3:0 gemacht. Dass du dann ein bisschen Kräfte sparst bei der Hitze und ein bisschen in den Verwalten-Modus übergehst, ist legitim. Ich bin durch meinen schweren Motorrad-Unfall ein bisschen ruhiger geworden, ist mir vorgekommen. Deswegen war es eigentlich recht entspannt, weil ich felsenfest davon überzeugt war, dass wir da als Sieger vom Platz gehen."

Stefan Maierhofer (Stürmer WSG): "Wir waren präsent und körperlich voll da. Der Matchplan hat funktioniert. Natürlich haben wir auch ein bisschen Glück gehabt mit dem Spielverlauf. Aber wir haben den Ball und den Gegner laufen lassen. Gerade gegen die Admira war der Sieg besonders wichtig. Der Sieg geht auch in dieser Höhe in Ordnung. Jetzt freue ich mich auf das Spiel gegen die Austria."

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