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Deutsche BundesligaDer Titelkampf ist spannend wie schon lange nicht mehr

Bayern München ist im Frühjahr der deutschen Fußball-Bundesliga einmal nicht der Gejagte. Der Meister der vergangenen sieben Saisonen nimmt die Rückrunde nur aus dritter Position in Angriff.

Erling Haaland
Erling Haaland ist neu in der Deutschen Bundesliga © APA/dpa/David Inderlied
 

Vier Punkte Rückstand auf Leader RB Leipzig (37) sind zwar nicht viel, die starke Performance der "Bullen" im Herbst lässt diese aber realistischerweise auf ihren Premierentitel im Oberhaus hoffen.

Dazwischen liegt auch noch Borussia Mönchengladbach (35). Das Team von Ex-Salzburg-Coach Marco Rose peilt den ersten Triumph seit 1977, als man zum dritten Mal in Folge das Meisterstück bejubelt hatte, an. Das Rennen um den Meistertitel ist im Vorfeld der EM 2020 auch ein Kampf zwischen ÖFB-Teamspielern. Stefan Lainer hat sich bei den "Fohlen" auf Anhieb einen Stammplatz erarbeitet.

Bei den Münchnern ist David Alaba seit Jahren nicht mehr wegzudenken, aktuell dabei auch als Innenverteidiger gefragt. In Leipzig sind Österreicher besonders gern gesehen. Marcel Sabitzer und Konrad Laimer spielten 2019 tragende Rollen, Hannes Wolf will 2020 nach überstandener Verletzung durchstarten. Stefan Ilsanker liebäugelt dem Vernehmen nach noch mit einem Wintertransfer, um mehr Spielpraxis zu bekommen.

Hinter dem Trio lauert vor allem noch Borussia Dortmund (30). Der mit Schalke 04 punktgleiche BVB hatte vor der Saison den Meistertitel als Ziel ausgegeben, hinkt nun aber den Ansprüchen hinterher. "Wir müssen einfach so viele Punkte wie möglich holen und schauen dann, was am Ende raus kommt", verzichtete BVB-Sportchef Michael Zorc auf große Ansagen.

Vielleicht liegt seinem Verein, der 2011 und 2012 der letzte Nicht-Bayern-Meister war, die Rolle des Jägers besser als die des Gejagten. Vergangene Saison hatte der damalige Halbzeitmeister einen Sechs-Punkte-Vorsprung auf die Bayern aus der Hand gegeben. Gladbach als Dritter und Leipzig als Vierter waren auch damals schon vor dem Rückrundenstart unter den Top Vier vertreten.

Geht es nach den Coaches, ist ein enges Rennen zu erwarten. Die von Julian Nagelsmann betreuten Leipziger wurden bei einer Trainerumfrage mit fünfmal genauso oft als Favorit genannt wie die Bayern. "Leipzig ist zu Recht Tabellenführer mit vier Punkten Vorsprung", erläuterte Bayern-Trainer Hansi Flick. Den achten Titel in Folge habe man deshalb aber noch nicht abgeschrieben. "Meine Mannschaft hat den Willen, das Ganze wieder umzubiegen und am Ende der Saison vorne zu stehen. Es wird eine schwierige Aufgabe, aber wir haben die Qualität dazu", ist sich Flick sicher.

Die Leipziger selbst verzichteten - trotz sicher vorhandener Meisterträume - auf große Töne. "Dieses Jahr ist bisher alles sehr eng in der Region der Top Fünf, was eine tolle Sache für die Fans und die Liga ist. Ich denke, es bleibt bis zum Ende spannend", meinte Sportdirektor Markus Krösche. Das glaubt auch Stürmer Yussuf Poulsen. "Dass viele nur über Bayern, Dortmund und uns reden, finde ich falsch. Mönchengladbach hat ebenfalls eine sehr gute Ausgangsposition. Auch Schalke wirkt auf mich sehr gefestigt", erläuterte der dänische Teamstürmer.

Die Leipziger wollen jedenfalls an das Frühjahr anschließen, da gab es zum Abschluss achtmal keine Niederlage und gleich siebenmal einen vollen Erfolg. Deshalb hat auch DFB-Teamchef Joachim Löw die Nagelsmann-Truppe auf der Rechnung. "Sie haben gute Lösungen mit dem Ball, deswegen sind sie für mich ein ernster Meisterschaftskandidat geworden", betonte der Ex-Trainer der Austria und des FC Tirol. Die Entwicklung der Liga gefällt ihm sehr. "Man hat zum ersten Mal seit vielen Jahren das Gefühl, dass mehrere Mannschaften auf Augenhöhe agieren", sagte der 59-Jährige.

Dazu zählen auch die Gladbacher, die ebenfalls Lunte gerochen haben. "Diese Ausgangslage, die wir uns geschaffen haben, gilt es zu veredeln. Natürlich träumen wir auch. Wir haben Ambitionen", verlautete Sportchef Max Eberl, der Leipzig als Titelfavorit bezeichnete. Gleich zum Auftakt wartet mit dem Gastspiel bei Schalke am Freitag eine hohe Hürde.

Die österreichischen Coaches Oliver Glasner und Adi Hütter haben keine realistische Titelchance mehr. Sowohl für den VfL Wolfsburg (9.) als auch Eintracht Frankfurt (13.) gilt es im Frühjahr neu durchzustarten. Die Wolfsburger holten im Finish 2019 aus fünf Spielen nur vier Punkte, die im Europa-League-Sechzehntelfinale auf Red Bull Salzburg treffende Eintracht ist gar sieben Spiele sieglos und hat dabei sechsmal verloren.

"Wir wollen uns immer nach vorne orientieren, aber ich rede jetzt nicht von einem Platz unter den ersten zehn, sondern sage: weg von hier, schnellstmöglich Punkte zusammenkratzen", hat für Hütter vorerst einmal der Klassenerhalt Priorität. Nur drei Zähler beträgt der Vorsprung auf den von Fortuna Düsseldorf (15) besetzten Relegationsplatz. Auf den Fixabstiegsrängen starten der SC Paderborn (12) und Werder Bremen (14).

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