Die guten Vorsätze halten bekanntlich nicht lange. Manchmal hilft es, still bis zehn zu zählen. Und doch verlor der KAC unerwartet die Contenance, die Coolness. Mit überschießenden Emotionen traten die Klagenfurter gegen Innsbruck auf. Immer wieder legten es die Rotjacken gegen eine Rumpftruppe darauf an, mussten offensichtlich etwas verarbeiten: Das 0:5 in Salzburg hatte Spuren hinterlassen. „Jeder hat gefragt, was los war“, erzählte Raphael Herburger genervt. „Deshalb wollten wir ein Zeichen setzen, wollten die Tore schießen, haben nicht aufgehört.“
Nach rund 15 Minuten entluden sich am Sonntag die Aggressionen. Die Tiroler (Yushiro Hirano wechselt übrigens nach Krefeld/DEL2) spürten, dass es bei den Rotjacken köchelte, gossen Öl ins Feuer. Jan Muršak explodierte, war nicht mehr zu bändigen und wurde von den Referees unter die Dusche geschickt. Den Schlagabtausch erfasste auch die Trainerbank. Und die Nettigkeiten zwischen Kirk Furey mit Florian Pedevilla erinnerten an den legendären Trash-Talk-Moment des KAC-Trainers mit Rafael Rotter vor 15 Jahren.
Herburger zollt Innsbruck Respekt
Der Auftritt des KAC mit seinen Nebengeräuschen zeigte jedoch auch, dass nicht alles nach Wunsch läuft. Retrospektiv wirkte es kurios, dass trotz 11:3 so viele hitzige Szenen aufkeimten. Auch Herburger wusste trotz 6-Punkte-Nacht (ein Hattrick, drei Assists) den Abend einzuordnen. „Schöner wären drei Tore bei einem 3:2-Sieg gewesen. Man muss Innsbruck Respekt zollen. Da standen zwei junge Goalies im Tor, ihr Line-up hat es ihnen schwer gemacht. Und die Zuschauer hätten sich wohl ein spannenderes Spiel gewünscht. Aber wir haben drei Punkte geholt, und die nehmen wir gerne mit.“
In 48 Stunden haben die Rotjacken somit zwei Welten erlebt – auf emotionaler wie spielerischer Ebene. Dieses Schützenfest war also nur bedingt eine Rehabilitation für das Salzburg-Spiel. Herburger: „Das war heuer sicher die letzte Partie dieser Art, sie ist bereits abgehakt. Wichtiger wird sein, dass wir unseren Auftritt bei den Bullen nicht vergessen. Wir dürfen unsere Gegner nicht mehr unterschätzen.“ Hervorzuheben war: Der KAC drückte seinen Fuß 60 Minuten aufs Gaspedal. „Das zeichnet unsere mentale Stärke aus, dass wir nicht lockergelassen haben“, so der 36-jährige Stürmer, dessen Vertrag mit Saisonende ausläuft.
In den nächsten Wochen werden die Aufgaben durchwegs andere sein. Am Dienstag wartet die Schlacht um die Tabellenführung gegen Fehervar. Danach folgen Graz (Schlüsselbeinbruch und damit Saisonende für Korbinian Holzer) und das Derby gegen VSV. „Wir müssen gegen stärkere Gegner bessere Lösungen finden. Speziell wenn versucht wird, mit hartem Forecheck Druck auf uns auszuüben“, konstatiert Herburger. Und da gilt es für den KAC erst recht kühlen Kopf zu bewahren.